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Isernhagen „Schule schwänzen kann teuer werden“: Was Zugewanderten fremd am Schulsystem ist
Aus der Region Region Hannover Isernhagen „Schule schwänzen kann teuer werden“: Was Zugewanderten fremd am Schulsystem ist
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17:13 12.02.2020
Hanan Kamber (Mitte) und Mariam Hendawi vom Verein amfn berichten den Eltern mit Migrationshintergrund, dass Kinder am ersten Schultag eine Schultüte erhalten. Quelle: Katerina Jarolim-Vormeier
Altwarmbüchen

Wann werden Kinder in Deutschland eingeschult? Wie ist das mit der Schulpflicht? Warum bekommen viele Kinder eine Schultüte zur Einschulung? Und warum sind der Schwimm- und der Sexualunterricht wichtig? Diese und viele anderen Fragen hat die Gemeinde Isernhagen in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Migrantinnen, Migranten und Flüchtlinge in Niedersachsen (amfn) beantwortet – und zugewanderte Eltern am Dienstagabend in Altwarmbüchen über das deutsche Schulsystem informiert.

Verein: Wir wollen die Chancen der Kinder erhöhen

Für viele Familien mit Migrationshintergrund, die nun in der Gemeinde Isernhagen ein neues Zuhause gefunden haben, ist alles neu und zugleich fremd – auch das deutsche Schulsystem. Deshalb hat es sich der Verein amfn aus Hannover zur Aufgabe gemacht, gezielt die Eltern anzusprechen. „Unser Ziel ist es, die Schulchancen von zugewanderten Kindern durch die Stärkung der Eltern zu erhöhen“, erklärte Mariam Hendawi von amfn, die selbst in Syrien geboren ist. „Engagieren Sie sich in der Schule und unterstützen Sie Ihre Kinder“, forderte die Englischlehrerin die Zuhörer auf.

„Schule ist in Deutschland Pflicht“, betonte Hendawis amfn-Kollegin Hanan Kamber in der Altwarmbüchener Grundschule. „Wenn Sie ihre Kinder nicht in die Schule schicken, machen Sie sich strafbar“, ergänzte Irene Sassenburg-Fröhlich, Integrationsbeauftragte der Gemeinde Isernhagen. Das sei kein „Kavaliersdelikt“, sondern eine Ordnungswidrigkeit, die streng sanktioniert werde: „Schule schwänzen kann teuer werden.“

Referentinnen finden klare Worte

Klare Worte fanden die beiden Referentinnen des Vereins auch zum Sport-, Schwimm- und Sexualunterricht. Sport sei generell wichtig für die Kinder, sagte Hanan Kamber, die seit 20 Jahren in Hannover lebt. Die gebürtige Türkin verwies auch auf den Schwimmunterricht, der für die Kinder notwendig sei, um Badeunfälle zu vermeiden. Auf die Nachfrage einer Mutter bestätigte Kamber, dass Mädchen auch einen Vollkörper-Badeanzug – einen sogenannten Burkini – tragen könnten. Und auch für den Sexualkunde-Unterricht forderten die Referentinnen: „Ihre Kinder müssen dran teilnehmen, eine Befreiung ist nicht möglich. Die Aufklärung schützt sie vor möglicher Gewalt und Missbrauch.“

Informationen auf Deutsch und Arabisch

An der zwei Stunden dauernden Infoveranstaltung, die auf Deutsch und Arabisch gehalten wurde, nahmen zwölf Familien teil. Laut Irene Sassenburg-Fröhlich waren 36 Familien mit Migrationshintergrund aus Isernhagen per Brief eingeladen worden. Angeschrieben wurden Eltern, deren Kinder im letzten oder vorletzten Kindergartenjahr sind, sowie Familien mit Erst- und Zweitklässlern aus der gesamten Gemeinde.

Ein Drittel folgt Einladung

Letztlich erschien ein Drittel der Angeschriebenen in der Altwarmbüchener Grundschule. „Das ist ein guter Schnitt“, sagte die Integrationsbeauftragte. Natürlich habe sich die Gemeinde mehr Zuhörer gewünscht. Aber viele seien zunächst noch skeptisch, was bei einer solchen Informationsveranstaltung passiere, räumte Sassenburg-Fröhlich ein.

„Ich will mich für meine Kinder einsetzen“

Diejenigen, die am Dienstagabend da waren, nahmen jedenfalls mit, dass sie ihre Kinder begleiten und unterstützen sollen. „Ich habe heute viel erfahren“, sagte ein Vater, der sich wie viele andere Eltern auch dafür starkmachen will, dass seine drei Kinder einen hohen Bildungsabschluss erreichen. „Ich will mich für meine Kinder einsetzen. Und ich weiß jetzt, dass ich Hilfe in der Schule oder bei der Gemeinde bekomme“, sagte der Mann aus dem Irak. Und was es in Deutschland mit der Schultüte zur Einschulung auf sich hat, das wissen er wie auch die anderen Zuhörer des Abends nun auch.

Irene Sassenburg-Fröhlich. Quelle: Katerina Jarolim-Vormeier

Nachgefragt bei Irene Sassenburg-Fröhlich, Integrationsbeauftragte der Gemeinde Isernhagen

Wie wichtig ist die Arbeit des Vereins amfn?

Sehr, weil die Referentinnen, die zumeist auch zugewandert sind, eine ganz andere Nähe zu den Familien haben. Sie sprechen mit den Menschen auf Augenhöhe, und sie sprechen auch über kritische Themen wie etwa Sport- und Sexualunterricht.

Welchen Wert haben die Informationen über das deutsche Schulsystem für Migranten?

Sie sind elementar. Wir legen großen Wert darauf, weil diese Informationen Integrationsmotoren sind. Denn wer sich gut mit dem System auskennt, dessen Kinder durchlaufen die Schule ohne Probleme. Sonst könnten Kinder eine negative Schullaufbahn durchlaufen.

Planen Sie noch weitere Veranstaltungen?

Ja, wir werden im Mai eine Veranstaltung für Jugendliche und ihre Eltern auf die Beine stellen, die sich mit dem Thema „Wege in den Beruf“ befassen soll.

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Von Katerina Jarolim-Vormeier

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