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Isernhagen Ausprobiert: Mit Kleinkindern beim Klassik-Konzert
Aus der Region Region Hannover Isernhagen Ausprobiert: Mit Kleinkindern beim Klassik-Konzert
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00:17 31.01.2019
Einfach nur spannend: Die Kinder bestaunen die Musiker auf der Bühne. Quelle: Carina Bahl
Isernhagen F.B

Meine Kinder lieben Musik. Aber ehrlich? Tschaikowsky, Piazzolla und Gardel sind bei Erik und Edgar noch nicht im blau-grünen CD-Player gelandet. Noch ehrlicher? Sie finden sich nicht einmal bei Mama und Papa im Regal. Die unschlagbaren Helden meiner Söhne sind bis dato Volker Rosin und andere Liedermacher, die Kängurus zum Singen bringen und Gorillas Sonnenbrillen aufsetzen.

Beim Mini-Konzert muss niemand still sitzen

Umso skeptischer bin ich, als ich meine beiden Söhne am Sonntagnachmittag zu ihrem ersten Klassik-Konzert im Isernhagenhof fahre. Auf die Idee wäre ich selbst nie gekommen. Still sitzen? Zuhören? Nein, diese Talente haben meine Kinder noch nicht gezeigt. Aber laut Ankündigung des ersten „Mini-Konzertes“ müssen sie das auch nicht. „Singen die da ganz laut?“, fragt mein Vierjähriger voller Vorfreude. Das geht ja gut los. Hoffentlich kommt keine Langeweile auf.

Kaum im Isernhagenhof angekommen, macht sich Entspannung (bei der Mama) breit: Keines der rund 40 Kinder sitzt brav auf einem Stuhl. Es herrscht munteres Gewusel, alle laufen, alle toben. Wir reihen uns gut gelaunt in den Trubel ein.

Klassische Musik soll kleine Kinder fördern

Nun besagen ja diverse Studien, dass klassische Musik die beste Förderung für kleine Kinder sei. Sie soll beruhigen und die Beweglichkeit fördern. Wer besonders engagiert ist, sendet schon in der Schwangerschaft klassische Klänge in Richtung Babybauch. Insgeheim beschließe ich: Wenn das heute wirklich klappt und mein aufgedrehter Zweijähriger beim Konzert sitzen bleibt, dann kaufe ich meine erste Klassik-CD.

Das Programm startet kindgerecht und liebevoll: Initiator Jochen Friedrichs setzt sich mit seiner dreijährigen Tochter Svea auf den Bühnenrand, stellt Teddybär Holger vor, der die Geschichte zwischen den Musikstücken erzählt. Neugierig schiele ich zu meinen Jungs neben mir – offene Münder, große Augen. Der dunkle Raum, die hell erleuchtete Bühne: Das macht schon mal Eindruck. Mich beeindrucken besonders die vier professionellen Musiker, die sich kurz darauf kein bisschen ablenken lassen, sondern gekonnt an Geige, Cello und Klavier ihr Können zeigen. „Und so ein Ding, das auch die Laternenfrau immer hat“, betont Erik. Ja, genau: ein Akkordeon. Das hat auch immer Nelly Wilhelm von der Musikschule Isernhagen & Burgwedel dabei, wenn sie die Laternenumzüge in der Kita begleitet.

Am Anfang sind alle Kinder konzentriert und hören zu

16.05 Uhr. Was jetzt passiert, hätte ich nie – ausdrücklich: nie! – erwartet. Die ersten beiden Klassik-Stücke sorgen für hoch konzentrierte Ruhe im jungen Publikum. Die Kinder hören zu, genießen die Musik. Keiner rennt herum. Mein Zweijähriger wirkt wie in Trance, mein Vierjähriger wiegt sich sanft zu Melodien aus Tschaikowskys „Nussknacker“. Innerlich fülle ich meinen Online-Warenkorb mit Klassik-CDs.

Alle Kinder tanzen vor der Bühne

Aber nein, Lied 3 bringt den Umschwung: Die Kinder haben sich akklimatisiert, die Tanzfläche vor der Bühne füllt sich mit Mädchen, die sich zur Musik im Kreis drehen. Die ganz Kleinen turnen und toben drum herum. Die älteren Kinder hält es noch etwas länger auf den Stühlen. So oder so: Es macht Spaß zuzusehen. Niemand schaut böse oder ist genervt, weil die Kinder nicht sitzen bleiben. Jeder darf sich frei bewegen.

Meine Söhne brauchen eine kleine Aufwärmphase, um nach dem heimlichen Tanzen zwischen den Stuhlreihen den Mut zu finden, auch auf die große Tanzfläche zu gehen. Aber bereits zur Halbzeit drehen sich auch Erik und Edgar mit den anderen zu den Klängen von George David Weiss. Ich kann es kaum fassen.

Nach einer Stunde im Mini-Konzert sind alle glücklich

Nach einer Stunde ist Schluss. Und es reicht auch: Die Kinder sind glücklich, aber gut ausgetobt. Das Konzept des Mini-Konzertes ist aufgegangen. Nein, die klassische Musik hat nicht dazu geführt, dass meine Jungs auf einmal ihre innere Ruhe entdecken. Und doch scheint diese Musik ihre Wirkung erzielt zu haben: Kein Kind im Publikum schrie, niemand lag mitten in der Trotzphase strampelnd und tretend auf dem Boden. Alle schienen überraschend ausgeglichen. Das lässt sich auch an den Gesichtern der Eltern erkennen: Was für ein schönes Konzert, in dem Kinder Kinder sein dürfen und Eltern gute Musik hören.

Und Erik und Edgar? „Die Musik war soo schön“, schwärmt mein Vierjähriger auf dem Heimweg. „Nohmal Onzert“, fordert der kleine Bruder. „Aber dann mit Singen“, ergänzt der Große. Na gut. Jetzt bin auch ich mutig: Vielleicht versuchen wir es das nächste Mal mit einer Oper? Die Klassik-CD wird auf jeden Fall gekauft.

Das nächste Mini-Konzert für Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren gibt es im Isernhagenhof erst wieder im Oktober. Der genaue Termin und der Vorverkauf werden rechtzeitig online bekannt gegeben. Wer solange nicht warten möchte: Bereits am Sonntag, 5. Mai, gibt es ein Mini-Konzert im Stadtteilzentrum KroKus, Thie 6 in Hannover.

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