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Isernhagen Diese Blitzer-Attrappe soll Raser ausbremsen
Aus der Region Region Hannover Isernhagen Diese Blitzer-Attrappe soll Raser ausbremsen
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00:18 12.12.2018
„Nicht verboten“: Falsche Blitzersäule an der Burgwedeler Straße.
„Nicht verboten“: Falsche Blitzersäule an der Burgwedeler Straße. Quelle: Frank Walter
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Isernhagen H.B

Isernhagener und Burgwedeler warnen sich gegenseitig vor einem neuen Blitzer an der L381/Burgwedeler Straße in Isernhagen H.B. Auch wenn die Installation dem Original täuschend ähnlich sieht: Es handelt sich nur um eine Blitzer-Attrappe. Aus Sicht der Polizei ist dagegen auch nichts einzuwenden.

„Das ist nicht verboten“, stellte Polizeihauptkommissar Uwe Laue klar. Die Beamten hatten das auf Privatgrund stehende Imitat am Sonnabend bei einer Streifenfahrt entdeckt und die Sachlage geprüft. Verkehrsteilnehmer hätten sich aktuell dazu noch nicht im Kommissariat gemeldet, so Laue am Sonntagvormittag.

„Wir sind alle sehr entsetzt über diese Nachricht“

Angefertigt hatte die Säule ein handwerklich geschickter Mensch aus dem erweiterten Kreis der Bürgerinitiative (BI) „Aktion L381“, am Sonnabendmittag wurde sie aufgestellt. Hintergrund der Aktion sind die beiden „echten“ Blitzersäulen, die die Gemeinde Isernhagen im nächsten Jahr eigentlich in H.B. installieren wollte. Mittlerweile hat die Polizeiinspektion Burgdorf jedoch eine negative Stellungnahme abgegeben, die Tempokontrolle ist damit fürs Erste vom Tisch.

„Wir sind alle sehr entsetzt über diese Nachricht“, äußerte sich BI-Sprecherin Heike Haeseler am Sonntag auf Anfrage. „Warum hat die Gemeinde die Polizei nicht schon mal vorher gefragt?“ Das Blitzer-Imitat will die BI als „Signal“ an die Autofahrer verstanden wissen. Ob die Attrappe Konkretes bewirken kann? „Vielleicht hat sie wenigstens Wirkung auf den Lkw-Transitverkehr“, hofft Haeseler.

„Irgendeiner muss ja was machen“

Gerade Lastwagen seien insbesondere nachts zu schnell unterwegs, schildert BI-Mitglied Arne Ungruh seinen Eindruck. Er hat für das Blitzersäulen-Imitat ein kleines Stück Grundstück zur Verfügung gestellt. Über die Rechtslage hatte er sich zuvor im Internet informiert. Auch wenn für ihn nach einem eventuellen Auffahrunfall wegen einer Vollbremsung vor der Säule zivilrechtlich ein Restrisiko bleibe: „Irgendeiner muss ja was machen.“ Ungruh ärgert sich nicht nur über den Verkehrslärm, er sorgt sich auch um die Sicherheit seiner Kinder. Warum die geltende Höchstgeschwindigkeit von Tempo 50 nicht überprüft werden dürfe, „das ist mir ein Rätsel“.

Ein Glückwunsch zum „Überraschungscoup“ kam am Sonntag vom Vorsitzenden der Grünen Isernhagen, Felix Schünemann aus H.B.: „Durch diese Aktion wird ein sichtbares Zeichen gesetzt, dass die Thematik Verkehrsberuhigung in Isernhagen weiterhin auf die Tagesordnung gehört.“ Der unentwegte Einsatz der in der BI engagierten Bürger verdiene Anerkennung. Was ihn am meisten bei der Diskussion um die Blitzersäulen an der L381 störe, so Schünemann, sei der immer wieder vermittelte Eindruck, durch stationäre Blitzer würde ein Eingriff in den Verkehr vorgenommen. „Dabei dienen sie lediglich der Durchsetzung geltender Vorgaben, in diesem Fall Tempo 50 innerorts.“

So oder so will die Bürgerinitiative, die ihren Protest gegen die Verkehrsbelastung auf der L381 bereits mit orangefarbenen Kreuzen und Bannern kundtut, mit ihren Aktionen weitermachen: „Wir geben nicht auf“, sagt Heike Haeseler.

Wie die Polizeiinspektion Burgdorf ihre Ablehnung der Blitzersäulen begründet, finden Sie hier.

Von Frank Walter