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Isernhagen Schulcampus-Baustelle: Rohbau soll im Sommer stehen
Aus der Region Region Hannover Isernhagen Schulcampus-Baustelle: Rohbau soll im Sommer stehen
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00:19 28.03.2019
Bürgermeister Arpad Bogya (links) und Joost Götze, Amtsleiter bei der Gemeinde, lassen sich von Florian Petersen (verdeckt) von der Firma Züblin den Baufortschritt erläutern. Quelle: Sandra Köhler
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Altwarmbüchen

 Es geht mittlerweile richtig zur Sache auf der Großbaustelle am Schulzentrum Isernhagen. Dort wächst nun zusehends der 25-Millionen-Neubau in die Höhe, der das Schulzentrum zum „Schulcampus Isernhagen“ werden lässt. Im Juli 2020 soll er fertig sein und an die Gemeinde übergeben werden, der dreigeschossige Komplex, der neben der Erweiterung von Gymnasium und IGS auch eine riesige Vier-Feld-Sporthalle mit Tribüne, eine Mensa und Räume für die Jugendpflege beherbergen wird. Im Juli/August diesen Jahres soll der Rohbau fertig sein, sodass genügend Zeit für den Innenausbau und die abschließenden Außenarbeiten bleibt. Und das sei absolut realistisch, sagt Florian Petersen, Projektleiter des ausführenden Generalunternehmers Züblin AG: „Es liegen mittlerweile alle Baugenehmigungen seitens der Region vor, sodass wir richtig loslegen können.“

Schulcampus: Baustelle der Superlative

„Wir liegen im Plan. Das kann ich guten Gewissens an den Rat weitergeben“, sagt Isernhagens Bürgermeister Arpad Bogya bei einem Baustellenbesuch kurz vor der Grundsteinlegung: „Es läuft rund, und das finde ich gut.“ Der Schulcampus am Helleweg in Altwarmbüchen ist nicht nur das teuerste Bauprojekt der Gemeinde in den vergangenen Jahrzehnten, er ist auch eine Baustelle der Superlative. 3600 Kubikmeter Beton werden dort insgesamt verbaut, das entspricht dem Inhalt von 450 Betonmischern. Dazu kommen 440 Tonnen Bewehrungsstahl. 1200 Kubikmeter Beton und 150 Tonnen Stahl sind bereits zum Einsatz gekommen. 14.500 Tonnen Bodenmaterial wurden abgefahren, 6600 Tonnen tragfähiges Füllmaterial herangekarrt. „Wenn der Neubau fertiggestellt ist, werden 30.000 Handwerker-Stunden abgeleistet sein“, macht Petersen die Dimensionen deutlich.

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Baustellenkamera sendet Bilder vom Dach des Schulzentrums

Die auf der Agora des Schulzentrums installierte Baustellenkamera dokumentiert im Internet jeden Fortschritt. Sie zeigt auch, dass die Baustelle in vier „Lose“ genannte Abschnitte eingeteilt ist, auf denen nacheinander die verschiedenen Teile des Baus entstehen. Während im Los eins auf der Bodenplatte bereits die ersten Wände der künftigen Umkleiden in die Höhe wachsen, werden vor den Containern, in denen sich die Bauleitung befindet, noch Erdarbeiten vorgenommen. Durch dieses Vorgehen könnten Arbeitsprozesse optimal miteinander verzahnt werden, sagt Petersen. Arbeiter müssen nicht auf die Fertigstellung eines Abschnitts warten, sondern können gleich an anderer Stelle tätig werden. Während an einer Stelle bereits Beton gegossen wird, kommen die Stahlflechter im anderen Abschnitt zum Einsatz. „Ein Einfamilienhaus würde man anders bauen. Aber hier ist das sinnvoll.“

Schulcampus: Schlüsselfertig nach zwei Jahren

Denn um den Neubau mit einer Bruttogeschossfläche von 12.700 Quadratmetern mitsamt Außenanlagen – „wir bauen schlüsselfertig“, sagt Petersen – innerhalb von zwei Jahren fertigzustellen, sind vor allem zwei Dinge vonnöten: ein durchdachtes Konzept und ganz viel sehr kleinteilige Abstimmung. Das beginnt beispielsweise damit, dass Material vor oder nach der Schulzeit angeliefert wird, um den Schulbetrieb nicht zu stören und den Parkraum nicht zu verknappen. Und das reicht bis zu den wöchentlichen Absprachen aller Beteiligten vom Polier bis zum Elektriker zum aktuellen Bauabschnitt, um mögliche Verzögerungen oder Ineffizienzen bereits im Anfang zu erkennen und gegensteuern zu können.

Prozessoptimierung sorgt für schnelleres Bauen

Dabei kommt auch das sogenannte Lean Management, eine ursprünglich aus der Automobilindustrie stammende Prozessoptimierung, zum Einsatz. Dadurch, dass bereits die Planung in 3D erfolgte, müssten beispielsweise Heizungsrohre nicht erst auf der Baustelle gebogen werden, sondern könnten vorproduziert werden, veranschaulicht Petersen: „Man kennt ja im Voraus jeden Winkel.“ Auch die Verwendung vorgefertigter Betonteile, etwa bei der Sporthalle, sowie der Einbau von Stahlbeton-Fertigteildecken sorge dafür, dass der Bau des Schulcampus’ schnell vonstatten gehe. „Wir haben vorher extrem viel geplant, aber es lohnt sich.“ Dass der Neubau keine eigene Heizungsanlage bekommt, sondern die Wärme wie auch der Strom per Versorgungsleitungen aus dem Schulzentrum übernommen wird, spare „richtig viel Geld“, sagt Joost Götze, Leiter des Amtes für Gebäudewirtschaft und Liegenschaftsunterhaltung der Gemeinde.

Bei Problemen braucht es schnelle Lösungen

Götze lobt die Zusammenarbeit mit der Züblin AG: „Das Miteinander funktioniert super.“ Auf dieses Weise könnten bei unerwarteten Problemen gemeinsam schnell Lösungen gefunden werden. Und in der Tat: Trotz vorheriger Bohrungen auf dem Baugrund war bei den Erdarbeiten unerwünschter Ziegelschutt ans Tageslicht gekommen. „Der stammt nicht aus dem Bau des Schulzentrums, sondern muss schon seit den Siebzigerjahren oder noch länger dort gewesen sein“, sagt Götze. Problem erkannt, Problem gebannt: Die Ziegeltrümmer wurde entfernt, der Boden mit tragfähigem Material aufgefüllt.

Schulcampus: Der Grundstein ist gelegt

„Sie wissen, wo Sie hier stehen? Im Eingangsbereich des Schulcampus. Jeder, der ihn betritt, wird über den Grundstein gehen“, kommentierte Arpad Bogya, Bürgermeister der Gemeinde Isernhagen, sichtlich erfreut die Grundsteinlegung auf dem Schulcampus Isernhagen am Montagnachmittag. Bevor die Metallröhre mit dem Wappen der Gemeinde unter flüssigem Beton verschwand, galt es, diese zu füllen. „Früher waren es häufig Menschen- oder Tieropfer, die Glück bringen sollten. Wir haben uns für aktuelle Dokumente entschieden“, sagte Henning Thies von der Firma Züblin. Eine aktuelle Ausgabe der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, ein kompletter Satz Euro- und Centmünzen, Baupläne und ein Jahrbuch des Gymnasiums Isernhagen wanderten vor den Augen von Schülern, Eltern, Lehrern und den Schulleitern Christina Bielefeld und Jens Könecke hinein. Wenn alles glatt geht, könnte das Richtfest vielleicht noch in diesem Jahr gefeiert werden.

Von Sandra Köhler