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Laatzen Fischereiverein feiert 50. Geburtstag
Aus der Region Region Hannover Laatzen Fischereiverein feiert 50. Geburtstag
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11:51 22.10.2018
Rund 80 Gäste feiern den 50. Geburtstag des Fischereivereins Laatzen am Wiesendachhaus. Quelle: Daniel Junker
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Alt-Laatzen

Rund 80 Gäste haben am Sonnabend das 50-jährige Bestehen des Fischereivereins Laatzen gefeiert. Bei dem Treffen unter freiem Himmel am Nebengebäude des Wiesendachhauses blickte Klaus Kurtz, der die Angler bereits seit 46 Jahren anführt und damit einer der dienstältesten Vereinsvorsitzenden in Laatzen sein dürfte, auf die Geschichte des Vereins zurück.

„Am 20.10.1968 trafen sich 17 Fischfreunde im alten Bauhof neben dem Rathaus Alt-Laatzen, um den Fischerei- und Freizeitverein Laatzen zu gründen“, berichtete Kurtz über die Gründungsgeschichte. Einen Monat vorher, am 22. September, hatten sich einige Beteiligte zu bereits einem Vorgespräch getroffen und weitere Laatzener Interesse an der Gründung eines Vereins angemeldet. Der damalige Bürgermeister Georg Heuer übernahm den Vorsitz und bot den Anglern den Langen Teich, die Krautteiche und den Wiesenteich sowie die Alte Leine als Fischgewässer an. „Einige dieser Gewässer sind längst verlandet oder befinden sich in der Verlandung“, so Kurtz.

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Sitz des Vereins wurde das alte Luftbad – das Gebäude der ehemaligen Badeanstalt, deren mittlerweile teils zugewachsenen Fundamente sich heute noch neben dem Wiesendachhaus befinden. „Die Weitläufigkeit des Geländes sollte auch andere Bürger anlocken“, sagte Kurtz. Deshalb wollten sich die Fischer den Beinamen Freizeitverein geben. Dem habe aber das Finanzamt einen Riegel vorgeschoben: Es fürchtete offenbar, dass das Gelände anderweitig genutzt werden könnte. In seiner Rede sprach Kurtz augenzwinkernd von einer „Gaststätte mit einer Roten Laterne davor.“

Im Jahr 1972 wurde Heuer erneut zum Vorsitzenden, Klaus Kurtz als sein Stellvertreter gewählt. „Heuer eröffnete mir dann aber gleich, dass ich nun den Verein zu führen hätte, da er sich den Pflichten des Bürgermeister zu widmen habe“, erinnerte sich Kurtz. Von jenem Zeitpunkt an habe er die Vorstandssitzungen geleitet. Im Jahr 1974 wurde der Fischereiverein beim Amtsgericht eingetragen, im gleichen Jahr übernahm Kurtz die Aufgabe als Vorsitzender auch offiziell – und behielt sie bis heute. „Wenn man als Vorsitzender das Glück hat, seine Mitglieder und Gäste zum zehnten, 20., 30., 40. und 50. Jahrestag begrüßen zu dürfen, das hat schon was“, freute sich der 73-Jährige.

In den Jahren 1983/84 errichteten die Angler das heutige Wiesendachhaus als Vereinsgebäude in Eigenleistung und pachteten es im Anschluss von der Stadt. Der Großraum Hannover unterstützte das Vorhaben mit 200.000 Mark. Ein Jahr später entstand das kleinere Nebengebäude, die Arbeiten führten die Angler ebenfalls in Eigenleistung aus. „Der Bau der Gebäude war nur möglich, weil Herbert Kaminski als hervorragender Polier die Arbeit organisierte“, erinnert sich Kurtz.

Anfang der 2010er Jahre lagen die Angler dann mit der Stadt über den Erhalt des Wiesendachhauses im Clinch. Bis 2014 hatte der Fischerverein das komplette Gebäude gepachtet und instand gehalten. Die Verträge der Gastronomen für die Bewirtschaftung des Lokals liefen über den Verein. 2012 kündigte die Stadt jedoch an, den Pachtvertrag mit den Betreibern künftig selbst schließen zu wollen. Sogar von einem Verkauf war damals die Rede. Die damaligen Wirtinnen hatten daraufhin ihre Pachtverträge gekündigt. Nur durch eine „rechtsanwaltliche Eingabe an die Stadt“ habe der Verein das Domizil im Obergeschoss behalten können, blickte Kurtz zurück. Die Abgabe des restlichen Gebäudes sei mit „erheblichen finanziellen Einbußen“ verbunden gewesen.

Bis 2013 kaufte der Verein weitere Fischgewässer hinzu, weitere Wasserflächen wurden gepachtet. Durch den Ankauf des Sperberteichs im Jahrt 1978 habe sich das Laatzener Stadtgebiet sogar nach Norden hin vergrößert, sagte Kurtz, der den Verein für die Zukunft gewappnet sieht. „Auch wenn es ein kleiner Verein mit rund 300 Mitgliedern ist, sind genügend Gewässer in Vorhalte, so dass der Verein weiter wachsen kann.“ Für die Pflege und Entschlammung der Gewässer hatten die Angler 2011 sogar das Amphibienfahrzeig Truxor für 40.000 Euro beschafft.

Regionspräsident Hauke Jagau dankte den Mitgliedern, dass sie sich für die Landschaftspflege und den Landschaftsschutz einsetzen. „Ich hoffe, dass der Verein weiterhin so aktiv ist.“ Das Ergebnis dieser Arbeit sei deutlich sichtbar. Der Bundestagsabgeordenete Matthias Miersch machte in einem Dankesschreiben deutlich, dass es das Wiesendachhaus ohne den Fischereiverein in der heutigen Form nicht geben würde. Auch Bürgermeister Jürgen Köhne lobte das Engagement der Angler. Er ließ aber – insbesondere hinsichtlich der Entwicklungen rund um das Wiesendachhaus – durchblicken, dass die Interessen unterschiedlicher Akteure miteinander kollidieren können. „Es gehört dazu, dass man kompromissfähig ist.“

Den Widerstreit von Interessen sprach auch Heinz Pyka an, stellvertretender Landesvorsitzender des Anglerverbandes Niedersachsen. Als Beispiele nannte er das geplante Wasserkraftwerk an der Döhrener Wolle sowie die Leinewelle in Hannovers Altstadt. „Wir versuchen, die Projekte zu verhindern“, betonte er. Den Anglern gehe es um den Erhalt bedrohter Fischarten wie den Lachs, die Meerforelle und das Flussneunauge. „Sie genießen einen hohen Schutzstatus.“ Pyka verglich die Bauvorhaben mit dem Straßenbau. „Wenn dort geschützte Tierarten leben, würden alle sagen: ’Wie könnt ihr hier eine Straße bauen?’“

Mit Günther Grosse war sogar ein Gründungsnitglied bei der Jubiläumsfeier dabei. Klaus Kurtz ernannte den 85-Jährigen zum Ehrenmitglied und überreichte ihm unter dem Applaus der Anwesenden eine entsprechende Urkunde.

Von Daniel Junker