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Laatzen Gewalt kommt bei Bäckern nicht in die Tüte
Aus der Region Region Hannover Laatzen Gewalt kommt bei Bäckern nicht in die Tüte
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00:23 26.11.2018
Per Brötchentüte machen die Gleichstellungsbeauftragten der Städte Laatzen, Hemmingen und Pattensen, der Weiße Ring, die Laatzener Polizei und die Frauenberatungsstelle Donna Clara auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam. Die Tüten werden ab Sonnabend in 13 Bäckereifilialen ausgegeben. Quelle: Daniel Junker
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Laatzen-Mitte

Rund 40 Prozent der in Deutschland lebenden Frauen haben laut Studien schon einmal körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Um auf diesen Misstand aufmerksam zu machen, haben die Gleichstellungsbeauftragten der Städte Laatzen, Hemmingen und Pattensen, der Weiße Ring, die Laatzener Polizei und die Frauenberatungsstelle Donna Clara in Kooperation mit hiesigen Bäckereien eine gemeinsame Aktion ins Leben gerufen. Ab Sonnabend, 24. November, werden in den Filialen Brötchenbeutel mit dem Slogan „Gewalt kommt bei uns nicht in die Tüte“ ausgegeben.

Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen wollen die Initiatoren für das Thema sensibilisieren, aber auch betroffene Frauen und Angehörige dazu ermutigen, die Taten anzuzeigen oder sich an eine Beratungsstelle zu wenden. Das gelte ebenso für Nachbarn oder Freundinnen, die in ihrer Umgebung etwas von häuslicher Gewalt mitbekommen. „Wir gehen davon aus, dass es bei der Anzahl der Gewalttaten eine hohe Dunkelziffer gibt“, macht Ludger Westermann, Leiter des Polizeikommissariats Laatzen, deutlich. Bei betroffenen Männern sei sie vermutlich sogar noch höher als bei Frauen.

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„Man sollte im Zweifelsfall lieber einmal zuviel als zuwenig die Polizei informieren“, sagt Martina Deschner, die als Sachbearbeiterin bei der Laatzener Polizei Fälle häuslicher Gewalt bearbeitet. „Viele Betroffene tun sich schwer, weil sie sich schämen oder nach außen eine heile Familie signalisieren wollen“, bestätigt Sabine Porth vom Weissen Ring. Laut Studien habe jede vierte Frau zumindest einmal in ihrer Beziehung körperliche oder sexualisierte Gewalt von ihrem Partner oder Ex-Partner erfahren, sagt Nicole Waldmann von der Laatzener Beratungsstelle Donna Clara, die auch für Pattensen und Hemmingen zuständig ist.

25.000 Brötchentüten werden in den nächsten Tagen bei den 13 Filialen der an der Aktion beteiligten Bäckereien Bertram, Hermann, Brot Henke, Café Engelke und der Calenberger Backstube über die Ladentheke gereicht. „Bäckereien sind neutrale Stellen, über die wir jeden erreichen können“, sagt Waldmann. Da sich Gewalt an Frauen durch alle Gesellschaftsschichten ziehe, sei die Ausgabe in den Filialen eine niedrigschwellige Möglichkeit, auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen.

Durch die Aufklärungsarbeit würden mittlerweile wesentlich mehr Fälle häuslicher Gewalt gemeldet aus noch vor wenigen Jahren. „In Pattensen waren es im Jahr 2009 gerade mal zehn Meldungen im Jahr, heute sind es 30 bis 40“, sagte die Pattenser Gleichstellungsbeauftragte Heike Grützner. In Laatzen stieg die Zahl von rund 40 im Jahr 2006 auf heute 189 im Jahr 2017. In Hemmingen habe die Zahl der bekannt gewordenen Fälle hingegen nahezu konstant bei jährlich etwa 35 gelegen. 

Video informiert über Hilfe bei Gewalttaten

Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen hat die Stadt Laatzen auf ihrer Internetseite ein mehrsprachiges Video veröffentlicht, das insbesondere geflüchtete Frauen und Männer über Rechte und das Verbot von Gewalt gegen Frauen in Deutschland informieren soll. Der mit „Gleichberechtigt leben in Deutschland“ überschriebene, von der Organisation Terre des Femmes produzierte Animationsfilm thematisiert Häusliche Gewalt, Zwangsheirat und Zwangsprostitution, aber auch andere Gewaltformen.

Der Film kann in deutscher, arabischer und englischer Sprache angesehen werden und ist auch ohne Ton verständlich. Der knapp dreiminütige Streifen macht auf die in Deutschland geltenden Rechte von Frauen aufmerksam, zudem, verweist er auf das bundesweit unter (08000) 116016 erreichbare Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ und den Notruf 110 der Polizei hin. „Die in dem Film gezeigten Illustrationen sind nach intensivem Austausch mit geflüchteten Frauen entstanden“, sagt Nicole Hendrych, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Laatzen. Der Film ist im Internet unter www.laatzen.de/de/gleichstellung.html zu sehen.

 

Von Daniel Junker