Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Laatzen Filmemacher spricht mit Schülern über NS-Zeit
Aus der Region Region Hannover Laatzen Filmemacher spricht mit Schülern über NS-Zeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 27.01.2019
Der Autor und Regisseur Hans-Erich Viet spricht im Forum der Albert-Einstein-Schule über seinen Film "Der letzte Jolly Boy", in dem er Stationen aus dem Leben des Holocaust-Überlebenden Leon Schwarzbaum nachzeichnet. Quelle: Daniel Junker / www.junkerphoto.de
Laatzen-Mitte

Im Rahmen des jährlichen Projekttages an der Albert-Einstein-Schule (AES) zum Nationalsozialismus hat der Filmemacher Hans-Erich Viet am Donnerstag Laatzen besucht. Im Forum stellte der 65-jährige Ostfriese dem zehnten und elften Jahrgang zunächst seinen Film „Der letzte Jolly Boy“ vor, in dem er Stationen aus dem Leben des 1921 als Jude in Hamburg geborenen Holocaust-Überlebenden Leon Schwarzbaum nachzeichnet. Zusammen mit einem kleinen Filmteam hatte Viet den letzten Überlebenden der einst amerikanischen Swing spielenden Jugendband „Jolly Boys“ begleitet. Unter anderem besuchte Viet mit Schwarzbaum mehrmals das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz, wo dieser von August 1943 bis Januar 1945 interniert war – eh er zum Todesmarsch nach Gleiwitz gezwungen und bei Eiseskälte im offenen Eisenbahnwaggon nach Buchenwald und schließlich nach Sachsenhausen gebracht wurde. Zudem war das Filmteam von Februar bis Juni 2016 beim Prozess gegen den SS-Mann Reinhold Hanning am Landgericht Detmold dabei, bei dem Leon Schwarzbaum als Nebenkläger und Hauptzeuge auftrat.

Nach der Vorführung des 106-Minuten-Films diskutierte Viet mit den rund 300 Schülern und berichtete von den Begegnungen mit Leon Schwarzbaum, der als einziger in seiner Familie die NS-Zeit überlebte. „Ich bin vor sechs Jahren über Privatkontakte mit ihm ins Gespräch gekommen“, erzählte der 65-Jährige. Jahrzehntelang habe der Zeitzeuge über seine Erlebnisse geschwiegen. „Er fand es aber gut, dass jemand so viel nachfragt.“ Daraufhin hätten sich beide entschieden, einen Film zu drehen.

Viet berichtete über viele bewegende Momente, wie den Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Schwarzbaum besichtigte dort die Baracke, in der er als 22-Jähriger untergebracht war. Bei einem Besuch habe der damals 95-Jährige versucht, auf die obere Pritsche des dreistöckigen Bettes zu klettern, in der der er einst gelegen hatte. Die Szene ist auch im Film zu sehen. „Mein Kameramann und ich wollten ihn daran hindern, dort hinauf zu klettern. Man sieht, dass die Kamera ein bisschen wackelt.“ Zum Glück habe Schwarzbaum schließlich davon abgelassen.

Filmteam begleitet Prozess gegen SS-Mann Hanning

Den Prozess gegen den SS-Mann Hanning hat das Filmteam ebenfalls begleitet. Ein persönliches Gespräch mit dem Angeklagten habe es nicht gegeben – obwohl Schwarzbaum sich es gewünscht hätte, wie Viet betont: „Er wollte gar nichts spezielles hören, sondern nur eine menschliche Regung sehen.“ Wie Schwarzbaum auf das Gerichtsurteil gegen Hanning wegen Beihilfe zum Mord reagiert habe, wollte ein AES-Schüler wissen. „Die Strafe als solche war ihm fast egal“, so Viet. „Für ihn war vor allem das Verfahren wichtig.“

Der Regisseur berichtete auch, dass Schwarzbaums Abiturzeugnis bis heute nicht aufgetaucht ist und wie wichtig das Dokument dem Zeitzeugen ist. Die Laatzener Schüler schlugen kurzerhand vor, Leon Schwarzbaum ein Ehrenabitur der AES zu überreichen. Die Idee gefiel Viet: „Ich würde sogar versuchen, mit Leon Schwarzbaum noch einmal hierherzukommen, damit ihr ihm das Zeugnis selbst überreichen könnt.“

AES-Lehrer Wilhelm Paetzmann war von dem Besuch des Regisseurs sehr angetan: „Man merkt, dass der Film keine Auftragsarbeit ist. Da steckt sehr viel Herzblut drin.“ Der Film, der seit November in ausgewählten Programmkinos zu sehen ist, ermögliche den Schülern einen biografischen Zugang zum Thema Nationalsozialismus. „Die Schüler konnten erkennen, wie sich die Erlebnisse durch das ganze Leben ziehen und wie die Ereignisse die Zeitzeugen bis heute verfolgen.“

In den letzten Jahren hatten die Zeitzeugen und Laatzener Ehrenbürger Salomon Finkelstein und der 2018 verstorbene Henry Korman die AES zum NS-Projekttag besucht. Allein könne Finkelstein die Besuche nicht bewältigen, so Paetzmann. „Eine direkte Begegnung mit Zeitzeugen geht deshalb leider nicht mehr. Wir müssen das jetzt anders bewerkstelligen.“

Von Daniel Junker

Tropische Temperaturen und exotische Strände: Das Deveser Fotografenpaar Rita und Harald Schneider zeigt am 30. Januar im Veranstaltungsraum „Wiese Zwei“ eine Multivisionsschau über Bali und Sulawesi.

24.01.2019

Nach einem Wasserschaden bei der Sparkasse drohten am Mittwoch Teile der Außendecke auf den Gehweg zu stürzen. Die Feuerwehr entfernte von der Drehleiter aus Teile der nassen Gipskartonplatten.

26.01.2019

Eigentlich soll der öffentliche Nahverkehr ab 2022 vollständig barrierefrei sein. In der Region stockt der Ausbau allerdings erheblich. 2019 wird in Laatzen nur eine Haltestelle umgerüstet.

26.01.2019