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Laatzen Armut und Wohnungsnot sind die größten Probleme
Aus der Region Region Hannover Laatzen Armut und Wohnungsnot sind die größten Probleme
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13:27 23.07.2018
Monika Brandt-Zwirner berät Ratsuchende in Laatzen. Quelle: Stephanie Zerm
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Alt-Laatzen

„In Laatzen nimmt die Armut immer weiter zu“, sagt Monika Brandt-Zwirner. „Es gibt viele Familien, denen das Geld fehlt, um ihren Kindern Kleidung zu kaufen.“ Auch ein Schwimmbadbesuch in den Ferien oder mit ihren Kindern ein Eis essen zu gehen, sei vielen Eltern finanziell nicht möglich. Monika Brandt-Zwirner weiß, wovon sie spricht. Die Diplom-Sozialpädagogin ist seit 1993 beim Diakonieverband Hannover-Land als Kirchenkreissozialarbeiterin angestellt. Seit 2002 arbeitet sie als einzige Mitarbeiterin in der Allgemeinen Sozialberatung des Diakonischen Werks für Laatzen, Hemmingen und Pattensen an der Alten Rathausstraße 41. Diese ist die erste Anlaufstelle für Menschen in Notlagen sowie bei sozialhilferechtlichen Fragen.

„Bei mir melden sich unter anderem Alleinerziehende, die überlegen, wieder in den Beruf einzusteigen, Frauen, die sich von ihrem Mann trennen wollen, oder Großmütter, die befürchten, dass ihre Enkel Drogen nehmen“, berichtet Monika Brandt- Zwirner.

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Die Allgemeine Sozialberatung gibt es bereits seit mehr als 40 Jahren in Laatzen. Seitdem sind die Zahlen der Hilfesuchenden stetig gestiegen. Kamen 2006 insgesamt 141 Menschen in die Beratungsstelle, waren es 2016 schon 207. Im vergangenen Jahr zählte sie 229 Hilfssuchende. In diesem Jahr nun haben bereits 112 Menschen die Sozialberatung aufgesucht. Ein großes Problem, das viele Menschen beschäftigt, ist laut Brandt-Zwirner die akute Wohnungsnot in Laatzen. Im Stadtgebiet eine Wohnung zu bekommen, sei fast aussichtslos.

Armut nimmt in Laatzen zu

Schwerwiegender sei jedoch die zunehmende Armut. Dem aktuellen Sozialbericht der Region Hannover aus dem Jahr 2015 zufolge sind überdurchschnittlich viele Laatzener von Arbeitslosigkeit betroffen und von Armut bedroht: 26,5 Prozent aller Kinder unter 15 Jahren lebten von Mindestsicherungsleistungen. Das sind noch mehr als jedes vierte Kind. „Seit ich 2002 in der Sozialberatung angefangen habe, geht die soziale Schere immer weiter auseinander“, berichtet Monika Brandt-Zwirner.

Das Hartz-IV-Geld reiche für viele Menschen kaum zum Leben. Für Anschaffungen wie Kleidung oder einen neuen Kühlschrank müssten sie ein Darlehen beim Job-Center aufnehmen. Doch die Rückzahlung dafür werde ihnen monatlich von ihrem Geld abgezogen, so dass sie noch weniger als ohnehin schon zur Verfügung haben“, sagt die Sozialpädagogin. Dann beginne ein Kreislauf der finanziellen Not, aus dem die meisten nicht wieder hinauskämen.

Beratungen sind kostenlos und anonym

Wer sich in einer Notlage befindet, einen Rat oder Hilfe braucht, kann die Sozialberatung des Diakonischen Werkes an der Alten Rathausstraße 41 in Alt-Laatzen aufsuchen: jeweils dienstags von 10 bis 12 Uhr. Weitere Termine sind nach Vereinbarung unter Telefon (0511) 8744660 möglich. Erreichbar ist Monika Brandt-Zwirner in der Regel von montags bis freitags ab 8.30 Uhr. Alle Beratungen sind kostenlos und werden vertraulich und anonym behandelt.

Neben Familien litten auch viele Alleinerziehende und Senioren unter Armut. Aber auch Laatzener, die berufstätig sind, hätten trotz ihrer Jobs oft nicht genügend Geld zur Verfügung. Dabei rutschten die Betroffenen immer weiter ins soziale Abseits. „Menschen, die von Armut betroffen sind, können am Sozialleben nicht mehr teilhaben“, sagt Brandt-Zwirner. Kinder etwa könnten ihre Freunde nicht zum Geburtstag einladen, weil das Geld für eine Feier fehle. Als Folge würden sie von ihren Klassenkameraden auch nicht mehr eingeladen.

Vor allem bedürftige Familien mit schulpflichtigen Kindern wüssten oft nicht mehr ein noch aus. Denn das Geld, das sie aus dem sogenannten Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) für Schulmaterialien erhielten, sei viel zu wenig. „Laut einer Studie, die die Diakonie und die niedersächsische Landeskirche 2016 in Auftrag gegeben haben, benötigten Familien für Schulbücher, Hefte und Co. 153 Euro pro Kind in jedem Schuljahr“, sagt Brandt-Zwirner. Gezahlt würden aber lediglich 100 Euro. „Damit Kinder aus Familien mit geringem Einkommen die gleichen Bildungschancen haben, müssten diese Leistungen dringend aufgestockt werden.“

Hilfe reicht von Beratung bis zur finanziellen Unterstützung

Für die Menschen, die zu ihr in die Allgemeine Sozialberatung kommen, bietet die Sozialpädagogin zahlreiche Hilfen an. „Wir überprüfen Bescheide, helfen bei der Antragsstellung und dem Verfassen von Widersprüchen und bieten eine sozialanwaltschaftliche Beratung“, sagt Brandt-Zwirner. Aber auch eine Trennungsberatung und eine Beratung zum Erhalt von Familien können Besucher in Anspruch nehmen. Ergänzt wird das Angebot durch eine Schwangeren- und eine Schwangerschaftskonfliktberatung, für die die Sozialpädagogin ebenfalls qualifiziert ist.

Bei Bedarf vermittelt Brandt-Zwirner die Besucher auch an andere Stellen und Fachdienste weiter. „Wir arbeiten mit einem großen Netzwerk von verschiedenen Anlaufstellen zusammen.“

Im Vordergrund steht laut Brandt-Zwirner bei der Beratung immer, für die Ratsuchenden individuelle Lösungen zu erarbeiten. Manchmal sind diese auch ganz konkret. „Bei Wohnungsnot haben wir eine Liste mit freien Wohnungen in Laatzen“, sagt Brandt-Zwirner. „Und wenn es um akute finanzielle Notlagen geht, bietet die Diakonie Hannover-Land in Einzelfällen auch finanzielle Unterstützung über einen speziellen Diakoniefonds an.“

Serie Diakonie

Wer mit Armut, familiären Problemen, Sucht oder dem Tod eines Angehörigen konfrontiert ist, bekommt hier Hilfe: Die Diakonie im Kirchenkreis Laatzen-Springe hat eine Reihe von Beratungsangeboten. In einer Serie geben wir einen Überblick über die diakonischen Einrichtungen vor Ort.

Als erster Teil der Diakonie-Serie am 17. Juli 2018 erschienen ist der Bericht über die Schuldnerberatung.

Von Stephanie Zerm