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Laatzen Die Angst reitet weiterhin mit
Aus der Region Region Hannover Laatzen Die Angst reitet weiterhin mit
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21:57 18.06.2015
Von Daniel Junker
Katja Arnemann und SohnTim Luca (8) pflegen ihr Shetlandpony. Es hat den Rattengiftanschlag Anfang März überlebt.
Katja Arnemann und Sohn Tim Luca (8) pflegen ihr Shetlandpony. Es hat den Rattengiftanschlag Anfang März überlebt. Quelle: Daniel Junker
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Die Ereignisse vom März haben bei den Gleidinger Reiterinnen Spuren hinterlassen: Nachdem auf einer Koppel an der Ritterstraße acht Pferde vergiftet wurden und zwei von ihnen starben, leben die Frauen weiterhin mit der Angst, dass der Täter zum Hof zurückkehren könnte. „Uns bleibt jedes Mal fast das Herz stehen, wenn die Pferde auf der Weide liegen“, sagt Pferdebesitzerin Katja Arnemann. „Wir befürchten, dass der Mann wiederkommt und noch einmal Gift auslegt.“ Schließlich wurde der Täter bis heute nicht ermittelt, das Verfahren ist mittlerweile eingestellt.

Bei jedem Ausritt halten die Reiterinnen die Augen offen, auch der Hof wird regelmäßig inspiziert. „Wir untersuchen jeden Schnipsel“, sagt Arnemann. Die Frauen reiten nur noch in Gruppen aus, „wir lassen auch die Kinder nicht mehr allein auf der Wiese spielen“ - denn die Reiterinnen haben weiterhin Angst vor Übergriffen: Sie sind davon überzeugt, dass der Gifttäter und der Mann, der an mehreren Orten Reiterinnen angesprochen hatte, identisch sind.„Wir befürchten, dass der Typ sich rächen könnte, weil wir damals die Polizei gerufen haben.“ Deshalb haben die Reiterinnen die Anwohner informiert. „Wir warnen die Leute und haben auch andere Pferdebesitzer angesprochen. Die Nachbarschaft ist sensibilisiert.“

Am Sonntag vor dem Anschlag am 3. März war eine der Gleidinger Reiterinnen erstmals mit dem Verdächtigen in Kontakt gekommen. Er habe sich über den Hof und die Tiere erkundigt. „Ich war an dem Nachmittag allein hier“, erinnert sich Janet Schlemmer. „Plötzlich kam ein Mann in den Stall. Erst hat er nur nach dem Weg nach Heisede gefragt“, berichtet die 21-Jährige. Dabei blieb es aber nicht: „Danach wollte er wissen, wie viele Pferde wir hier haben, wie oft wir ausreiten und ob die Besitzerin auf dem Hof wohnt.“ Auch zur Fütterung wollte der Fremde Details wissen. „Es kam mir ein bisschen seltsam vor, ich habe mir aber erst mal nichts dabei gedacht.“ Der Mann habe sehr sachlich gefragt - „offenbar kannte er sich mit Pferden aus“. Zwei Tage später wurden acht Pferde vergiftet, zwei Ponys starben.

Drei Wochen nach der Tat sei derselbe Mann noch einmal in Gleidingen aufgetaucht, berichtet eine 28-jährige Reiterin, die ihren Namen nicht nennen möchte. „Wir sind an dem Abend zu zweit ausgeritten“, berichtet die Reiterin. „An der Weide kam uns ein sportlich gekleideter Mann entgegen.“ Er habe angegeben, auf der Suche nach einer befreundeten Reiterin zu sein. „Er hat aber auch nach meinem Namen gefragt.“

Die Sache kam der 28-Jährigen seltsam vor - zumal das Aussehen des Mannes auf die Beschreibung gepasst habe, der zuvor von Janet Schlemmer und anderen Anwohnern gesehen wurde. Als die Frauen ein Handy zückten, um die Polizei zu rufen, sei der Mann weggerannt und dann mit einem silberfarbenen Golf weggefahren. Dieses Auto hatten auch Schlemmer und andere bereits in Verbindung mit dem Verdächtigen gesehen.

Kurz darauf habe die Polizei den Wagen gestoppt, die Beamten nahmen die Personalien auf. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Mann auch im Kreis Peine und an mehreren anderen Orten Reiterinnen angesprochen hatte. Eine Straftat konnte die Polizei ihm aber nicht nachweisen.

Aus Trauer schreibt Tim Luca Briefe an totes Pony

Luca, Sohn von Pferdebesitzerin Katja Arnemann, trauert noch immer um sein Shetlandpony Krümel. Es ist eines der beiden Tiere, die den Anschlag mit Rattengift am 3. März nicht überlebt haben. Der Verlust ist groß, denn an dem Vierbeiner hängen viele Erinnerungen: Der Achtjährige hatte das Shetlandpony zu seinem dritten Geburtstag bekommen.

„Ich habe auf Krümel mein erstes Turnier geritten“, erinnert sich der traurige Junge. Nach dem Tod des Ponys habe er Briefe an Krümel geschrieben und diese in die nun leer stehende Box gelegt. „Ich hoffe, dass ein Engel die Briefe abholt und sie Krümel zeigt“, sagt Tim Luca.

Daniel Junker 18.06.2015
17.06.2015