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Laatzen Jugendliche schlüpfen in Rolle von Ratspolitikern
Aus der Region Region Hannover Laatzen Jugendliche schlüpfen in Rolle von Ratspolitikern
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17:28 24.08.2018
Für bessere Busverbindungen heben alle Schüler die Hand. Quelle: Stephanie Zerm
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Laatzen

 53 Schüler sind in dieser Woche für drei Tage in die Rolle von Ratspolitikern geschlüpft. Beim Planspiel „Pimp your Town“ haben sie ihre Ideen für Laatzen diskutiert, Anträge geschrieben und in einer fiktiven Ratssitzung darüber abgestimmt. 20 weitere Jungen und Mädchen nahmen die Rolle von Pressevertretern ein, fertigten Fotos an und schrieben Berichte.

Teilgenommen hatten jeweils zwei achte Klassen der Albert-Einstein-Schule – je eine Haupt- und eine Realschulklasse –, eine achte Klasse der Schule am Kiefernweg sowie eine zehnte Klasse des Erich-Kästner-Gymnasiums.

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Unterstützung bekamen die Jungen und Mädchen von echten Ratspolitikern aus Laatzen. Dirk Weissleder (FDP), Gerhard Klaus (FDP), Ernesto Nebot (SPD), Jessica Kaußen (Linke) und Gerd Apportin (Grüne) zeigten den Schülern, wie sie ihre Anträge überzeugend in den Ausschüssen vertreten und schließlich im Rat vortragen können.

Insgesamt hatten die Jugendlichen 45 Anträge formuliert. Sie reichten von politisch kaum zu realisierenden Ideen wie der Eröffnung von mehr Dönerläden und dem Bau eines Eiffelturms in Laatzen bis zu berechtigten Forderungen nach mehr Kindergartenplätzen, Hundekotbeutelspender und besseren Fahrradwegen.

Über insgesamt 18 Anträge stimmten die Schüler am Freitag im Forum der AES ab. Begrüßt wurden sie von Bürgermeister Jürgen Köhne, der die Jungen und Mädchen dazu ermutigte, sich auch künftig über den Jugendbeirat in die Laatzener Politik einzumischen. Geleitet wurde die fiktive Ratssitzung von Laatzens Ratsvorsitzendem Bernd Stuckenberg (SPD).

Dabei war vieles, was sich die Jugendlichen wünschten, für die Ratspolitiker nicht neu. So beschlossen sie Anträge für mehr Kita-Plätze in Laatzen, das Aufstellen von Hundekotbeutelspender und mehr Parkbänke. Aber auch die bestehenden Bus- und Straßenbahnverbindungen fanden die meisten verbesserungswürdig. „Manchmal müssen wir bis zu einer Stunde warten, wenn wir den Bus verpasst haben“, sagte ein Schüler. Daher beschloss der Pimp-Your-Town-Rat, mit der Üstra über eine bessere Anbindung der Laatzener Ortsteile zu sprechen. „Das ist auch immer wieder bei uns im Rat ein Thema“, sagte Stuckenberg. Leider habe sich aber bislang noch nichts getan.

Auch die Wünsche nach einer Postfiliale in Alt-Laatzen und einem Kino in Laatzen-Mitte sind schon früher diskutiert worden. „Wir haben bereits vor Jahren versucht, ein Kino nach Laatzen zu holen“, sagte Stuckenberg. Da dieses jedoch ein Zuschussgeschäft sei, habe der Betreiber versucht, es über eine Spielhalle zu finanzieren. „Das wollen wir aber hier nicht haben“, ergänzte er. In weiteren Anträgen wünschten sich die Jugendlichen mehr Spiel- und Bolzplätze, günstigeres Schulmaterial und eine bessere digitale Ausstattung der Schulen sowie einen Recyclinghof, bei dem Bürger kostenlos Materialien wie Holz abholen können.

Die Anträge der Schüler sollen am 28. August in der nächsten Sitzung des Jugendbeirats ab 17 Uhr im Stadthaus diskutiert und später auch in der Ratspolitik aufgegriffen werden. „Ihr könnt dauerhaft mitbestimmen, was in Laatzen passiert, wenn ihr Mitglied des seit 2016 bestehen Jugendbeirats werden“, lud Daniel Kaske die Schüler ein.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom Team um Cinja Schröder vom Verein Politik zum Anfassen aus Hannover – in Laatzen zum inzwischen vierten Mal. Der Verein will jungen Menschen Lust auf Demokratie und politisches Engagement machen.

„Ich bin von dem Projekt mehr als begeistert“, erklärte Wilhelm Paetzmann, Fachbereichsleiter für Gesellschaftswissenschaften an der AES. „ Es wird alles nachgestellt, was im Großen so läuft.“ Besser könnten junge Menschen an Kommunalpolitik nicht herangeführt werden. Niemand könne so argumentieren, sie könnten sich an Entscheidungen in Laatzen nicht beteiligen.

Von Stephanie Zerm