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Laatzen Martin Schulz spricht mit Schülern über Europa
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16:21 27.11.2018
Martin Schulz (links) spricht auf Einladung von Matthias MIersch vor knapp 450 Schülern im AES-Forum. Quelle: Dorndorf
Laatzen-Mitte

Um Antworten ist dieser Gast der Albert-Einstein-Schule nie verlegen: Was er von Donald Trump hält? „Nix“, sagt Martin Schulz und erntet Applaus der knapp 450 Schüler und Lehrer im AES-Forum. Seine Prognose für den Brexit? „Ich tippe, Theresa May bekommt den Vertrag nicht durch das Unterhaus.“ Wo die EU in 20 Jahren steht? „Du kannst heute keine drei Tage vorausschauen“, lautet die Antwort des 62-Jährigen, der dann aber doch zumindest Ziele für die Zukunft der EU formuliert.

Es war ein zunehmend lebhafter Austausch von Fragen und Antworten, den sich der frühere EU-Parlamentspräsident und SPD-Kanzlerkandidat und die Schüler im fast voll besetzten Forum lieferten. Zu der Veranstaltung eingeladen hatte der Laatzener SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch im Rahmen seines Schulprojekts „#You4Europe“: Seit August erarbeiten neun Schulen im Mierschs Wahlkreis – vom Hannah-Arendt-Gymnasium in Barsinghausen über die KGS Pattensen und die beiden Laatzener Schulzentren bis zum Gymnasium Lehrte – Ideen für die Zukunft Europas. Bei einer Zwischenkonferenz in der AES traf Schulz auf bestens vorbereitete Schüler.

In einem 15-minütigen Impulsvortrag hob Schulz die Bedeutung der europäischen Einigung für den Frieden hervor. „Wenn ich Euch heute fragen würde, ob sich jemand vorstellen kann, dass wir mit Frankreich Krieg führen, würdet Ihr mich für bescheuert halten“, sagte Schulz. Aktuell stehe Europa vor der Herausforderung der Globalisierung: China und Indien stellten mit 2,7 Milliarden Einwohnern rund ein Drittel der Weltbevölkerung, die EU komme gerade einmal auf 507 Millionen. „Unsere wirtschaftliche, politische, kulturelle und soziale Zukunft und unsere demokratischen Rechte hängen davon ab, dass wir gemeinsam mit den anderen europäischen Ländern Stärke entwickeln“, mahnte Schulz. Er warnte vor dem „Hochziehen von Grenzen“ und davor, die Schuld aller Probleme bei Migranten zu suchen.

Den größten Teil der 90-minütigen Veranstaltung nahmen Schülerfragen ein. Kontrovers wurde es dabei nur einmal: „Warum werden junge Menschen nicht mit ihrer politischen Meinung Ernst genommen?“, wollte eine Schülerin wissen und hakte – nachdem Schulz beteuerte, es gebe im Bundestag und EU-Parlament einige junge Abgeordnete – noch einmal nach. Schulz erinnerte an die Brexit-Entscheidung in Großbritannien: „75 Prozent der unter 30-Jährigen waren für den Verbleib in der EU, aber nur 30 Prozent sind wählen gegangen.“ Junge Menschen müssten vielleicht den Mut aufbringen Politiker zu provozieren, vor allem aber sich zu engagieren. Wobei Schulz mit eigenem Frust nicht hinterm Berg hielt. „Die meisten jungen Leute, mit denen ich diskutiere, sagen: Das ist alles scheißegal.“

Bei den Schülern kamen das Ganze gut an: „Ich fand es sehr interessant. Gerade für die jüngeren Schüler war es mal was anderes als normaler Schulunterricht. Wir konnten auch viele Fragen stellen“, befand die 17-jährige AES-Schülerin Friederike. Ihre Mitschülerin Sarah (16) fand hingegen die Zeit zu knapp. „Es gut, mal mit einem Abgeordneten zu reden“, ergänzte Julia (16), während sich Niklas mehr Wortwechsel gewünscht hätte, um Themen zu vertiefen.

Das haben die Schüler (unter anderem) gefragt

Leben wir in 20 Jahren in den Vereinigten Staaten von Europa? „Ich bin dafür. Die Antwort auf ,America First’ kann nur ein geeinigtes Europa sein. Es geht darum, dass sich die Staaten so zusammenschließen, dass sie sich nicht gegenseitig Konkurrenz machen, sondern gemeinschaftlich Stärke entwickeln. Das bedeutet aber nicht, dass wir die Nationalstaaten abschaffen.“

Wie soll die EU mit Staaten wie Ungarn umgehen? „Ungarn ist auf dem Weg in einen autoritären Staat. Die EU muss sich irgendwann die Frage stellen: mit denen oder ohne die. Eine Wertegemeinschaft kann nur existieren, wenn alle sich zu den gemeinsamen Werten bekennen.“

Wie geht es nach dem Brexit weiter? „Ich tippe, dass Theresa May den Vertrag nicht durch das Unterhaus bekommt. Dann stehen wir vor einer Situation, über die ich nur spekulieren kann. Der Brexit wird für Großbritannien wirtschaftlich und politisch ein Desaster. Die EU wird weiter existieren, das verkraften die 27 EU-Länder besser als die Briten.“

Wird die EU weitere Staaten gewinnen oder verlieren? „Verlieren wird die EU keine Mitglieder: Diejenigen, die rumgetönt haben, dass der Brexit nur der Anfang sei, sind ganz ruhig geworden – in fast allen Ländern Europas sitzt der Schock tief. Ich glaube aber auch, dass es in den nächsten 10 bis 15 Jahren keine weiteren Aufnahmen geben kann: Die EU müsste sich dafür umfassend reformieren.“

Von Johannes Dorndorf

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