Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Laatzen „Es ist schwer, etwas anderes zu finden“
Aus der Region Region Hannover Laatzen „Es ist schwer, etwas anderes zu finden“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:24 18.01.2019
Die Kritik der Mieter am Marktplatz 1, 3, 5 und 7 ebbt nicht ab. Quelle: Stephanie Zerm
Laatzen-Mitte

Kot und Urin im Treppenhaus, abblätternder Putz am Hauseingang, kaputte Bodenbeläge in den Fluren, Graffiti und klemmende Fahrstuhltüren: Die Kritik der Mieter in der Wohnscheibe am Marktplatz ebbt nicht ab. Zwar haben sich das Stadtteilmanagement, das Ordnungsamt, die Polizei und die Deutsche Wohnen als Eigentümerin bereits zweimal zu einem Runden Tisch getroffen, nachdem eine Umfrage des Stadtteilmanagements ergeben hatte, dass rund die Hälfte der Mieter unzufrieden ist. Doch aus Sicht von Mieter Sinan Kertmen hat es bislang noch keine wesentlichen Verbesserungen gegeben. Selbst der von zwei- auf dreimal wöchentlich erhöhte Reinigungszyklus bringe nicht viel.

„Bevor ich Besuch bekomme, gehe ich immer durch das Treppenhaus und gucke, ob dort kein Kot liegt“, sagt Sinan Kertmen. Der 34-Jährige lebt seit fast zehn Jahren mit seiner Frau und seinen drei Kindern am Marktplatz 5. „Wir wollen wegziehen, aber es ist schwer, in Laatzen etwas anderes zu finden.“ Die Zustände in der Wohnscheibe seien mittlerweile unzumutbar geworden. Das bestätigt ein Nachbar. „Ich suche schon lange nach einer neuen Wohnung, hier ist es schlimm.“

Im Treppenhaus findet Kertmen regelmäßig Fäkalien. „Meine sieben- und achtjährigen Kinder trauen sich nicht mehr, dort lang zu gehen, weil sie das so eklig finden“, sagt der Familienvater. Gleich an mehreren Stellen im Hausflur sieht man deutliche Urinspuren. Im Keller liegen Müllreste, neben den Klingeln an der Haustür bröckelt der Putz von der Hauswand. Die PVC-Bodenbeläge in den Fluren sind an mehreren Stellen eingerissen oder weisen Löcher auf, teils notdürftig mit Flatterband abgeklebt.

Da die Bodenbeläge unterschiedlich sind, verkeilt sich in einigen der elf Etagen regelmäßig die Fahrstuhltür, so dass sie nicht wieder automatisch schließt. Dadurch bleibe der Fahrstuhl oft stehen, sagt der 34-Jährige, der selbst im achten Stock wohnt. „Ich muss dann alle Etagen ablaufen, um zu gucken, wo er ist.“ Aber auch unabhängig von der klemmenden Tür falle der Aufzug oft aus. „Ich habe wieder und wieder bei der Deutsche Wohnen angerufen und gebeten, die Bodenbeläge und den Aufzug zu reparieren, aber es passiert einfach nichts.“

Nobert Kallbach hat jetzt die Reißleine gezogen. Seit 1980 war er mit seiner Fahrschule im Erdgeschoss am Marktplatz 3 ansässig. Zum 3. Januar ist er mit seinem Betrieb nach 38 Jahren schweren Herzens umgezogen. „Von innen waren die Räume toll, aber das Umfeld ist einfach unter aller Sau“, sagt er. „Die pinkeln an die Wände und scheißen ins Treppenhaus“, bestätigt er die Aussage von Sinan Kertmen. Im Treppenhaus würden Drogen konsumiert, außerdem arbeiteten im Haus Prostituierte. „Meine Fahrschüler haben teilweise Angst gehabt, hierher zu kommen.“ Der Vermieter tue zu wenig, selbst bei wiederholten Nachfragen: Als Unbekannte vor zwei Jahren die Fensterscheiben der Fahrschule einschlugen, habe es ein Vierteljahr gedauert, bis diese ersetzt worden seien – obwohl er bereits die Miete gekürzt hatte.

Kaum Reparaturen und überdurchschnittliche Mieten

Instandsetzungsarbeiten sind jedoch laut der Deutsche Wohnen, die den Gebäudekomplex mit 135 Wohneinheiten 2012 vom Voreigentümer Pirelli erworben hat, in der nächsten Zeit nicht geplant. „Wir werden etwas machen, aber nicht heute oder morgen“, sagt Unternehmenssprecher Marko Rosteck. Die Deutsche Wohnen würde generell nicht hier und da etwas ausbessern, sondern dann zum Beispiel gleich die gesamten Treppenhäuser sanieren. Auch die aus den Siebzigerjahren stammenden Fahrstühle müssten, so Rosteck, „früher oder später neu gemacht werden.“ Geplant sei dies zurzeit aber nicht.

Dennoch bietet das Unternehmen Wohnungen in dem Quartier, die sie neu vermieten will, auf ihrer Homepage als in einem „gepflegten Wohnhaus“ liegend an – und verlangt einen deutlich über dem Mietspiegel liegenden Quadratmeterpreis. Zurzeit bietet sie dort eine 85 Quadratmeter große Dreizimmer-Wohnung für 7,23 Euro pro Quadratmeter an. Laut Laatzener Mietspiegel 2019 betragen die Durchschnittsmieten für eine vergleichbare Wohnung zwischen 5,28 bis 6,05 Euro pro Quadratmeter. „Der Mietpreis ist höher, weil wir die Wohnung komplett umgebaut haben, Wände eingerissen, Sanitäranlagen eingerichtet, neue Böden verlegt und eine komplett neue Elektrik installiert haben“, sagt Rosteck. Durchschnittlich betrage der Quadratmeterpreis in den Wohnungen am Marktplatz 6,10 Euro.

Zahl der Straftaten ist laut Polizei gesunken

Um Partys von Jugendlichen, Drogen- und Alkoholkonsum sowie Vandalismus in den Treppenhäusern der Wohnscheibe zu verhindern, hat die Deutsche Wohnen seit November einen privaten Sicherheitsdienst beauftragt. Dieser arbeitet nun eng mit der Polizei zusammen, wie bei einem Runden Tisch besprochen wurde, an dem Stadtteilbüro, Ordnungsamt, Polizei und Deutsche Wohnen gemeinsam nach Lösungen für die Wohnscheibe suchten. Bislang ist der Runde Tisch zweimal zusammengekommen, das erste Mal Ende November und ein zweites Mal Mitte Januar. Laut der Stadt hat sich die Situation seitdem verbessert: „Auffällige Gruppen halten sich inzwischen gar nicht mehr in den Räumen der Wohnscheibe auf, da der Sicherheitsdienst inzwischen wirksam mit der Polizei eingegriffen hat“, erklärt Stadtsprecher Matthias Brinkmann.

Laut Stefan Schwarzbard, Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes des Polizeikommissariats Laatzen, sind auch die Straftaten seitdem zurückgegangen. Seit November habe die Polizei nur noch „gut eine Handvoll“ Strafanzeigen wegen Sachbeschädigung sowie eine wegen des Diebstahls eines Feuerlöschers aufgenommen. „Davor waren es wesentlich mehr.“

Von Stephanie Zerm

Bürgermeister Jürgen Köhne wird am Sonntag beim städtischen Neujahrsempfang ein Trikot mit Unterschriften der Profifußballer von Hannover 96 versteigern. Der Erlös geht an die Fairtrade-Initiative.

18.01.2019

Die Stadtbahnhaltestelle Rethen/Galgenbergweg soll 2020 einen Hochbahnsteig bekommen, die Linie 2 wird dann bis dort verlängert. Das Land fördert das Projekt mit 2,3 Millionen Euro.

17.01.2019

Die Stadt Laatzen will zehn kleinere Waldflächen im Bockmerholz verkaufen. Da dieses jedoch gerade als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde, hat die Region Hannover ein Vorkaufsrecht.

20.01.2019