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Laatzen Schiefe Töne spielen keine Rolle
Aus der Region Region Hannover Laatzen Schiefe Töne spielen keine Rolle
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00:17 25.04.2018
Tief Luft holen, dann gehts los: Musiklehrer Grzegorz Nowara erklärt Mateo (6) wie er der Tuba einen Ton entlocken kann. Quelle: Stephanie Zerm
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Laatzen-Mitte

 Mateo holt tief Luft. Dann bläst er so doll er kann in die Tuba, die so groß ist, das man den Sechsjährigen dahinter kaum sieht. Das Geräusch, das er auf dem Instrument erzeugt, klingt zwar wie ein defektes Nebelhorn. Aber das macht nichts. „Es ist toll, dass du überhaupt einen Ton auf der Tuba erzeugen kannst“, lobt Musiklehrer Grzegorz Nowara den Sechsjährigen. „Das bekommt kaum einer auf Anhieb hin.“

So wie Mateo haben am Sonnabend zahlreiche Kinder beim Tag der offenen Tür der Musikschule Laatzen in der Grundschule Pestalozzistraße Musikinstrumente ausprobiert. Nach einem Kinderkonzert, bei dem alle Instrumente vorgestellt worden sind, konnten die Jungen und Mädchen zusammen mit ihren Eltern herausfinden, welches ihnen am meisten Spaß macht. Ob die Töne dabei schief klangen, spielte keine Rolle. Im Vordergrund stand der Spaß am Entdecken eines neuen Instrumentes.

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Dazu hatte die Musikschule eine „Instrumentenstreichelwiese“ mit 14 verschiedenen Stationen aufgebaut. Die Auswahl reichte vom Akkordeon über E-Gitarre bis hin zu Saxofon, Klavier und Violine. Für jedes Instrument bekamen die Nachwuchsmusiker eine Anleitung von dem jeweiligen Fachlehrer der Musikschule

Lied besteht nur aus einem Ton

Bei Blockflötenlehrerin Chriastiane Bernard etwa lernten die Kinder das Lied „Anna Affendame isst so gern Banane“ spielen. Dass die Jungen und Mädchen dies so schnell hinbekamen, lag daran, dass das Lied aus nur einem Ton besteht.

Großer Andrang herrschte vor allem beim Klavier und Schlagzeug, wo sich zeitweise sogar Warteschlangen gebildet hatten.

„Das Schlagzeug hat mir bislang am besten gefallen“, erklärte der sechsjährige Ole Christopher, der mit seinen Eltern aus Gleidingen zum Tag der offenen Tür der Musikschule gekommen war: „Jetzt will ich aber noch E-Gitarre ausprobieren.“

Zwar waren wegen des strahlenden Sonnenscheins nicht so viele Besucher gekommen wie erwartet. Musikschulleiter Ulrich Bernert war mit der Resonanz dennoch zufrieden. „Es ist schön zu sehen, mit wie viel Freude die Kinder die Instrumente ausprobieren und dabei von ihren Eltern unterstützt werden“, freute er sich.

Parallel zum Tag der offenen Tür bietet die Musikschule ab sofort Schnupperunterricht mit vier Einheiten und einem Gratis-Leihinstrument an. Im August beginnen dann die neuen Kurse. 

“Gitarre ist zurzeit am beliebtesten“

 Ulrich Bernert leitet seit 29 Jahren die Musikschule Laatzen und unterrichtet Klarinette. Im Interview erklärt er, welche Instrumente für welche Altersgruppen geeignet sind und welche positiven Nebeneffekte das Musizieren hat.

Welches Musikinstrument ist am beliebtesten?

Das schwankt. Zurzeit ist es die Gitarre. Vor einigen Jahren waren es die Bläser.

Welches Instrument kann man am einfachsten erlernen?

 Blasinstrumente kann man am Anfang am schnellsten erlernen. Streichinstrumente sind zuerst am schwierigsten. Später wechselt das dann aber. Am schwierigsten sind Instrumente zu spielen, bei denen alle Extremitäten gebraucht werden wie Schlagzeug oder Orgel.

Welche Instrumente sind für welche Altersgruppen geeignet?

Klavier und Streichinstrumente sollten Kinder frühestens ab sechs Jahren lernen, Blasinstrumente ab sieben. Für Kinder ab zwei Jahren bieten wir Elementarunterricht an, wobei sie singen, sich dazu bewegen und Instrumente kennenlernen.

Kann man auch als Erwachsener noch ein Instrument lernen?

Natürlich. Dazu ist man nie zu alt. Für Erwachsene haben wir besondere Angebote mit Einzelunterricht. Bedauerlicherweise machen jedoch nur wenig Erwachsene davon Gebrauch.

Wie viele Schüler hat die Musikschule zurzeit?

Rund 1300. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl kontinuierlich gestiegen. Im Moment geht sie jedoch leicht zurück, weil immer mehr Eltern den Fokus auf die Schule legen. Oft werden Kinder nach der vierten Klasse abgemeldet, wenn sie auf eine Weiterführende Schule gehen. Das ist sehr bedauerlich, weil das Musizieren viele positive Nebeneffekte hat. Unter anderem fördert es beim Zusammenspielen das soziale Miteinander, die Kinder lernen beim Liedereinstudieren Verpflichtungen einzuhalten und außerdem ist das Musizieren eine gute Entspannung.

Interview: Stephanie Zerm

Von Stephanie Zerm