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Laatzen Paar gibt Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge in Ingeln-Oesselse auf
Aus der Region Region Hannover Laatzen Paar gibt Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge in Ingeln-Oesselse auf
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09:00 09.10.2019
Renate und Andreas Lochte bieten seit Jahren eine Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge in der Garage der Unterkunft an der Rotdornallee in Oesselse an. Quelle: Daniel Junker
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Ingeln-Oesselse

Die Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge an der Rotdornallee in Ingeln-Oesselse ist Geschichte. Renate und Andreas Lochte, die dort seit 2015 gespendete Räder aufarbeiteten und an Schutzsuchende weitergaben, haben aufgehört, weil die benachbarte Unterkunft seit Sommer 2018 leer steht. Das Paar fühlt sich unzureichend über die Flüchtlingssituation und die künftige Nutzung der Unterkunft informiert. Die Stadt weist die Vorwürfe zurück und verweist auf offene Fragen seit der Renovierung.

Mehrmals hätten sie nachgefragt, wie es weitergehe und wann an der Rotdornallee wieder Flüchtlinge einzögen, nachdem die letzten Bewohner am 13. Juni 2018 in die Gemeinschaftsunterkunft an der Gutenbergstraße verlegt wurden, berichtet Renate Lochte. „Zum letzten Mal haben wir im März beim sogenannten runden Tisch mit der Stadt nachgefragt. Es hieß damals aber nur: ,Das dürfen wir Ihnen nicht sagen‘.“

Stadt weist Vorwürfe zurück

Stadtsprecher Matthias Brinkmann weist die Vorwürfe zurück: „Die Ehrenamtlichen und auch Frau Lochte sind bereits im Juni 2018 darüber informiert worden, dass die Flüchtlingsunterkunft renoviert wird und dann wieder zur Unterbringung genutzt werden soll.“ Die Ehrenamtlichen hätten die Unterkunft nach der Renovierung sogar besichtigt und die Stadt sie darüber informiert, dass vor der Wiederbelegung noch bauordnungsrechtliche Fragen zu klären seien. „Es war immer vereinbart, dass die Ehrenamtlichen informiert werden, wenn eine Belegung absehbar ist“, so Brinkmann. Daran habe sich auch nichts geändert. Von mangelnder Information könne keine Rede sein.

Die Lochtes hingegen werfen der Stadt vor, auch die gewünschte Einschätzung einer Neubelegung schuldig geblieben zu sein: „Wir haben auf Nachfrage keine Informationen bekommen.“ Wie der Stadtsprecher erklärte, wusste die Verwaltung bis zuletzt selbst noch nicht, wann die Unterkunft wieder bezogen wird. Daher habe es auch die Vereinbarung beim runden Tisch im März gegeben.

100 Fahrräder wechseln den Besitzer

Aufgrund der unklaren Situation haben Lochtes die Fahrradwerkstatt nun Mitte September geschlossen und die Restbestände zur Fahrradwerkstatt nach Rethen gebracht. „Bei unserem letzten Ausgabetermin am 13. September haben wir das 100. Fahrrad übergeben“, erzählt Renate Lochte. Im Sinne der Transparenz wurde jede Ausgabe dokumentiert, die neuen Besitzer erhielten Fahrradpässe, um die Herkunft nachzuweisen. „Bei der Reparatur hatten immer wieder drei bis fünf Flüchtlinge mitgeholfen“, berichtet Lochte. „Sie waren glücklich, dass sie etwas zu tun hatten, und brachten als Dank oft selbst gebackene Dinge und Tee mit.“ Wäre klar gewesen, wie es weitergeht an der Rotdornallee, hätten sie gern weitergemacht.

Raumbedarf für Flüchtlinge hat sich verändert

Bezüglich der Flüchtlingsunterbringung habe sich in den vergangenen Jahren einiges verändert, auch beim Raumbedarf, betont der Stadtsprecher. Das seit Juni 2015 von der Stadt genutzte Gebäude „mit hotelähnlichem Charakter“ sei bis 2016 ideal für die vielen Einzelpersonen, aber auch Paare oder kleinere Familien gewesen, die Laatzen aufnahm.

Die Flüchtlingsunterkunft in dem früheren Gästehaus mit der als Fahrradwerkstatt genutzten Garage vor der Renovierung im Juni 2018. Quelle: Astrid Köhler (Archiv)

Aufgrund des Familiennachzugs seien inzwischen weniger Gemeinschaftsunterkünfte nötig als vielmehr große Wohnungen. Das Problem: Sechs- bis siebenköpfige Familien finden kaum etwas in Laatzen. „Daher haben wir uns entschlossen, das Gebäude an der Rotdornallee nach dem Ende des Mietvertrags 2018 weiter anzumieten und nach der Renovierung im Charakter eines Mehrfamilienhauses zu nutzen“, so Brinkmann. Die Stadt habe aktuell keine Flüchtlinge in Ingeln-Oesselse untergebracht. „Ob dort jemand mit diesem Status lebt, können wir nicht sagen“, so der Sprecher.

Eigentümer hat renoviert und fünf Wohnungen eingerichtet

Der Eigentümer hat die Renovierung organisiert und bezahlt, sämtliche Fußböden erneuert, alle Wände neu gestrichen und fünf abschließbare Wohnungen eingerichtet. Diese sind jeweils etwa 95 Quadratmeter groß mit Küche, Bad und drei bis vier Zimmern. Alte Möbel, Betten, Matratzen und Vorhänge wurden wie von den Ehrenamtlichen gefordert größtenteils durch neue ersetzt, so Brinkmann. Zudem habe jede Wohnung nun einen Briefkasten und eine Klingel.

Bis auf eine Wand im Untergeschoss, die für eine Wohnküche entfernt wurde, seien keine baulichen Veränderungen nötig gewesen. Die Stadt ist weiterhin Mieterin und zahle eine monatliche Kaltmiete von rund 3900 Euro inklusive Betriebskosten.

Stadt plant Nutzungsänderung

Die Stadt will das Haus möglichst schnell wieder belegen, plant aber eine Nutzungsänderung. Zusätzlich zu Asylbewerbern und Flüchtlingen könnten dann auch Familien mit deutscher oder europäischer Staatsangehörigkeit nach Ingeln-Oesselse kommen, die wegen akuter Wohnungslosigkeit und um Obdachlosigkeit zu vermeiden von der Stadt unterzubringen sind.

Die Verwaltung geht nunmehr davon aus, dass noch vor Jahresende die ersten Bewohner einziehen. Inwiefern diese eine Fahrradwerkstatt nutzen wollten, müssten sie selbst entscheiden, so Brinkmann: „Darauf haben wir keinen Einfluss.“

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