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Laatzen Politik besteht auf vierspuriger Erich-Panitz-Straße
Aus der Region Region Hannover Laatzen Politik besteht auf vierspuriger Erich-Panitz-Straße
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00:16 19.05.2019
Aus für die "Stadtspange"? Der Verkehrsentwicklungsplan sieht vor, den Bereich vor dem Leine-Center zu einer gemischten Verkehrszone für Fußgänger, Rad- und Autofahrer zu machen. Der Ortsrat ist dagegen. Quelle: Johannes Dorndorf
Laatzen

Wie autogerecht soll die Stadt Laatzen künftig sein? In der Laatzener Politik zeichnet sich ab, dass die Einschränkungen, die die Verkehrsplaner für den Autoverkehr in Laatzen vorschlagen, in Teilen kassiert werden könnten. Insbesondere die vorgeschlagenen Fahrbahnverengungen auf der Erich-Panitz-Straße stoßen auf Ablehnung.

Absage an die „Stadtspange“

Gleich mehrere Vorhaben und Vorschläge standen bei der Sitzung des Laatzener Ortsrats am Dienstagabend in der Kritik – allen voran die sogenannte „Stadtspange“: Hinter dem Begriff verbirgt sich die Idee, die Erich-Panitz-Straße auf Höhe des Leine-Centers von vier auf zwei Fahrspuren zu verengen. Dort würde dann eine Verkehrszone geschaffen, auf der alle Verkehrsteilnehmer – Fußgänger, Auto- und Radfahrer – gleichberechtigt wären. „Die Spange hat die Aufgabe, die beiden durch die Erich-Panitz-Straße geteilten Stadtteile zusammenzuklammern“, erläuterte Stadtbaurat Axel Grüning den Kerngedanken.

Die Idee stammt aus dem Verkehrsentwicklungsplan, der derzeit in den Ratsgremien diskutiert wird – und stößt offenbar in beiden großen Blöcken auf Ablehnung: David Novak (CDU) sprach in Bezug auf dieses, aber auch auf andere Projekte, von einem „einseitigen Kampf gegen das Auto“, Dirk Weissleder (FDP) erinnerte daran, wie wichtig die Erreichbarkeit des Leine-Centers für Autofahrer für Laatzen sei. „Auch wir sind dagegen“, ergänzte Katharina McCallin (SPD).

Erich-Panitz-Straße soll vierspurig bleiben

Der Abschnitt der Erich-Panitz-Straße vor der neuen Kita Pinienweg soll nach Willen des Ortsrats vierspurig bleiben. Quelle: Johannes Dorndorf

Auch auf Höhe der Albert-Einstein-Schule soll die Erich-Panitz-Straße vierspurig bleiben – dafür sprachen sich beide große Ratsgruppen in einem gemeinsamen Antrag aus. Die Verwaltung hatte vor, die Fahrbahn auf Höhe der neuen Kita Pinienweg in Richtung Süden auf eine spur zu verengen, um den Fußgängerüberweg sicherer zu machen und Parkplätze für Eltern einzurichten. Der Ortsrat bevorzugt stattdessen eine Beibehaltung der beiden Fahrspuren vor der Kita. Erschlossen werden soll die Kita zudem nicht über die Erich-Panitz-Straße, sondern vom Kiefernweg aus – quer durch das Schulgelände der AES: Konkret schlägt der Ortsrat eine „Kiss-and-Ride-Anlage“ als Kurzzeitparkplätze für Kita-Eltern vor, parallel könnten Autos an der Erich-Panitz-Straße parken.

Die CDU wollte für den Verkehrsentwicklungsplan zudem durchsetzen, Fahrrad-Schutzstreifen auf der Hildesheimer Straße in Alt-Laatzen und Grasdorf auszuschließen, auf Tempo-30-Abschnitte auf der Erich-Panitz-Straße zu verzichten und auch auf mehr Tempokontrollen in Tempo-30-Bereichen zu verzichten. SPD und Stadtverwaltung verwiesen darauf, dass der Verkehrsentwicklungsplan keine Festsetzungen macht, sondern alle Vorhaben vor einer Umsetzung noch einzeln beschlossen werden müssen. Als aus dem Beschlusstext ein Passus zur „Verbindlichkeit“ der Leitbild-Ziele gestrichen wurde, lenkten CDU und FDP ein.

Die endgültige Entscheidung über das umfangreiche Planungswerk steht noch aus: Am 17. Juni wird sich der Stadtentwicklungsausschuss mit dem Entwurf befassen, am 27. Juni folgt dann der eigentliche Beschluss im Rat der Stadt. Der Verkehrsentwicklungsplan fasst Vorschläge für den künftigen Verkehr in Laatzen bis 2030 zusammen.

Wo die Stadtbahn ein eigenes Gleisbett hat, darf sie auch schneller fahren als der Autoverkehr. Quelle: Johannes Dorndorf

Bremst Tempo 30 die Stadtbahn aus?

Soll auf der Hildesheimer Straße künftig Tempo 30 gelten? Seniorenbeirat und die Gemeindschaft Freier Wähler hatten den Vorschlag bei einer Podiumsdiskussion ins Spiel gebracht und dabei bei den Laatzener Grünen Zustimmung geerntet. Nun meldet allerdings die CDU-Ratsfraktion Bedenken an: „Wir sind vehement gegen eine komplettes Tempo 30 auf der Hildesheimer Straße, weil das aus unserer Sicht eine Hauptverkehrsachse ist“, sagt der Fraktionsvorsitzende Christoph Dreyer: Seine Fraktion sei für einen zügigen Verkehrsfluss. „Tempo 30 auf der kompletten Achse hieße, dass auch die Stadtbahn nur 30 fahren dürfte.“ Dies gefährde sogar die Verlängerung der Linie 2 nach Gleidingen, glaubt Dreyer: Wegen der längeren Fahrzeit und einem veränderten Umlauf müsste die Üstra dann seiner Kenntnis nach drei neue Fahrzeuge anschaffen.

Die Stadtverwaltung relativiert die Befürchtung: In allen Abschnitten mit eigenem Gleiskörper müsse sich die Üstra nicht an das Tempo der Autofahrer halten, etwa in Alt-Laatzen. „Hier setzt die technische Aufsichtsbehörde die Geschwindigkeit der Bahn fest, die auch höher liegen kann als die für Autoverkehr“, sagt Stadtsprecherin Nele Beck auf Anfrage. In Gleidingen teilten sich Stadtbahn und Autos zwar den Straßenraum, aber wegen der besonderen Situation vor Ort sei mehr als Tempo 30 ohnehin schwer zu erreichen. Die bisherigen Vorschläge im Verkehrsentwicklungsplan mit Tempo 30 in Alt-Laatzen und Gleidingen hätten keine Auswirkungen auf die aktuellen Üstra-Projekte. „Darüber hinausgehende Überlegungen müssten geprüft werden.“

Von Johannes Dorndorf

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