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Laatzen Vorschläge für Radverkehr stoßen auf Kritik
Aus der Region Region Hannover Laatzen Vorschläge für Radverkehr stoßen auf Kritik
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18:43 29.01.2019
Werden aus zwei Fahrspuren pro Fahrtrichtung künftig eine im nördlichen Abschnitt der Hildesheimer Straße? Der Verkehrsentwicklungsplan sieht genau das vor. Quelle: Stefanie Zerm
Laatzen

Die politische Debatte um den künftigen Verkehr in Laatzen ist eröffnet: Nachdem SPD, Grüne und Linke sich in der vergangenen Woche grundsätzlich für den jetzt vorgelegten Verkehrsentwickungsplan ausgesprochen haben, hagelt es nun Kritik. Im Fokus stehen dabei Teile der Radverkehrsplanung, die Auswirkungen auch auf den Autoverkehr in Laatzen haben sollen. Politiker der CDU, aber auch viele Leser stören sich vor allem an dem Vorschlag, Fahrspuren auf der Hildesheimer Straße in Alt-Laatzen in Mehrzweckspuren für Radfahrer umzuwandeln.

Die Reaktionen auf die Pläne auf Facebook sind happig: „Wenn ich mir überlege, was dort für ein Verkehr zur Rush-Hour ist, will ich mir das mit einer Spur gar nicht vorstellen“, schreibt Facebook-Nutzer Moritz Pape. Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Paul Derabin sieht die Schuld für die Planung, die das Verkehrsbüro PGT aus Hannover erarbeitet hat, bei der Mehrheitsgruppe im Rat: „Hier sind SPD und Grüne in Laatzen die tollen Ideengeber“. Und der CDU-Ortsratspolitiker David Novak kommentiert: „So sieht das geistige Niveau von R2G aus. Ohne Worte.“

Das ist auf der Hildesheimer Straße geplant

Konkret schlägt der Verkehrsentwicklungsplan vor, im nördlichen Abschnitt der Hildesheimer Straße in Laatzen zwischen Stadtgrenze und Kronsbergstraße die jeweils rechte Fahrspur entweder in Radfahrstreifen oder eine Mehrzweckspuren umzuwandeln. Diese wären Radfahrern, aber auch kurzzeitig haltenden Lieferfahrzeugen vorgehalten. Bei Vorstellung des Konzepts hatte Heinz Mazur vom beauftragten Büro PGT ergänzt, dass dies nur außerhalb der Messezeiten gelten soll. Die bestehenden Radwege könnten dann als „andere Radwege“ bestehen bleiben, wobei ein Umbau empfohlen wird.

Im weiteren Verlauf der Hildesheimer Straße zwischen dem Abzweig Erich-Panitz-Straße und der Bahnunterführung auf Höhe des Abzweigs Am Kampf/Neuer Schlag soll der Radverkehr ersten Überlegungen nach auf der Straße geführt werden. Dasselbe gilt für die Peiner Straße in Rethen, wo die Straße nicht breit genug für separate Schutzstreifen ist.

Auf dem mit rund 4 Kilometern längste Abschnitt der Hildesheimer Straße zwischen der Ahornstraße in Grasdorf bis zum Ortseingang Gleidingen sind je nach Platz zwei, mindestens jedoch ein von Autos bei Bedarf und nach Möglichkeit überfahrbarer Radschutzstreifen auf den Fahrbahn geplant: zunächst auf der Ost- und dann auf der Westseite. Abschnittsweise wäre auch die Anordnung von Tempo 30 denkbar, heißt es. Zudem können die von Fußgängern genutzten Seitenbereiche der Hildesheimer Straße weiterhin auch Radfahrer befahren – dann allerdings nur im Schritttempo.

Besondere Pflasterung auf Erich-Panitz-Straße

Für die Erich-Panitz-Straße sieht der Verkehrsentwicklungsplan lediglich im Bereich vor dem Leine-Center eine schmalere Fahrbahn für Autos vor. Mit einer besonderen Pflasterung und Tempo 30 soll der Bereich dort für Fußgänger aufgewertet werden. Gegebenenfalls sei auch eine „einstreifige Verkehrsführung“ denkbar, heißt es in dem Papier. Radfahrer, Ebikes und alle anderen nicht motorisierten Fahrzeuge dürfen diese Hauptstraße auch künftig nicht befahren. Auf nahezu der gesamten Erich-Panitz-Straße wie auch der Karlsruher Straße und Teilen der Marktstraße ist ein nutzungspflichtiger Radweg vorhanden.

Darüber hinaus sieht das Handlungskonzept für den Radverkehr noch eine Fahrradstraße von Norden nach Süden abseits der großen Verkehrswege von Hildesheimer- und Erich-Panitz-Straße vor. Die Fahrradstraße könnte westlich der Bahnstrecke über die Alte Rathausstraße, durchs in Alt-Laatzen, Grasdorf bis zum Hermann-Löns-Weg nahe dem Bahnhof Rethen führen. Anschlussmöglichkeiten sehen die Planer dann über die Peiner und Braunschweiger Straße hinein ins Rethener Wohngebiet Zum Holzfeld oder die Triftstraße nach Gleidingen.

Die Maßnahmen für den Radverkehr entlang der Hildesheimer Straße haben für die Planer Priorität, da sie eine „besondere Netzrelevanz“ und „stadtteilverbindende Funktion“ haben. Auch Verbesserungen an Knotenpunkten wie der Kreuzung zur Kronsberg- und Eichstraße sowie der Erich-Panitz-Straße sind darin enthalten. akö/jd

CDU und FDP trafen sich Sonnabend zur Klausurtagung, um über die Pläne für beraten. Eine abschließende Position gebe es noch nicht, sagt CDU-Ratsfraktionschef Christoph Dreyer. „Aber ein Punkt wird auf jeden Fall sein, das wir ein weiteres Handlungsfeld vermissen: den zügigen Verkehrsfluss auf den Hauptverkehrsachsen.“

Gemeint ist damit vor allem der Autoverkehr, aber auch der öffentliche Nahverkehr. Für Dreyer müsse insbesondere auf der Hildesheimer Straße und der Erich-Panitz-Straße, aber auch bei den Querachsen wie Eichstraße/Kronsbergstraße, Würzburger und Wülferoder Straße der Verkehr fließen. Der Verkehrsentwicklungsplan sei die Planungsgrundlage für die nächsten Jahrzehnte. „Man muss sich Gedanken machen, wie sich der Verkehrsfluss entwickelt, wenn der Kronsberg bebaut wird“, sagt Dreyer insbesondere auf die Ost-West-Achsen in Laatzen. „Laatzen ist ein Einzelhandels- und Wirtschaftsstandort und bekannt für einen zügigen Verkehrsfluss. Das ist unser Mehrwert gegenüber der hannoverschen Einzelhandelswelt“, sagt Dreyer.

Die Region will die Hildesheimer Straße zwischen Gleidingen und Rethen 2019 sanieren. Werden die Pläne für den Radverkehr wie angekündigt umgesetzt, dann fahren schnelle Radfahrer künftig auf der Fahrbahn für die als Höchsttempo 30 gelten könnte. Auf der Westseite ist zudem ein von Autos überfahrbarer Schutzstreifen geplant. Langsamer Radfahrer könnten weiterhin den kombinierten Geh- und Radweg auf der Ostseite nutzen, allerdings nur in Schrittgeschwindigkeit. Quelle: Astrid Köhler

Hinsichtlich der Hildesheimer Straße hat die CDU/FDP-Ratsgruppe noch keine abschließende Meinung. „Wir haben auf einer Seite das Sicherheitsbedürfnis von Radfahrern. Dem müssen wir uns widmen.“ Ob dies aber zwingend auf einen eigenen Fahrstreifen hinauslaufen muss, gelte es bei den weiteren Beratungen zu klären. Sollte es keine rechtlichen Vorgaben in dieser Richtung geben, sei er persönlich gegen eine Reduzierung der Autofahrspuren.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Idee von Tempo 30 auf Abschnitten der Hildesheimer Straße und Erich-Panitz-Straße. „Die Beschränkung würde nicht nur für den Kfz-Verkehr, sondern auch für die Stadtbahn gelten“, sagt Dreyer. „Man darf sich durchaus die Frage stellen, ob es Sinn und Zweck ist, den Stadtbahnverkehr zu verlangsamen.“ Der CDU-Fraktionschef spricht sich dafür aus, den Beschluss über den Verkehrsentwicklungsplan zu verschieben, der eigentlich für 7. März vorgesehen war. Seine Gruppe benötige noch Zeit, um das 130 Seiten starke Handlungskonzept zu erörtern.

Dem schloss sich am Montagabend auch der Ortsrat von Ingeln-Oesselse an, in dem der überarbeitete Plan erstmals öffentlich beraten wurde. Demnach wird voraussichtlich bei der nächsten Sitzung des Ortsrates am 14. Mai das Handlungskonzept für die Verkehrsentwicklung erneut erörtert werden. In der Sitzung gab es auch Kritik an den geplanten neuen Radfahrstreifen im Stadtgebiet. In den letzten Jahrzehnten sei nichts passiert, wenn er den kombinierten Geh- und Radweg entlang der Hauptstraße zwischen Kirche und Supermarkt entlangfahre oder gehe, sagte ein 81-Jähriger aus Ingeln-Oesselse: „Ich sehe aber große Gefahren wenn Fahrradfahrer auf die Straße müssen – vor allem im Berufsverkehr.“

Facebook-Nutzer lehnen Planungen mehrheitlich ab

Der Bericht über die mögliche Reduzierung der Autospuren der Hildesheimer Straße in Alt-Laatzen auf jeweils nur noch eine pro Richtung zugunsten eines Mehrzweckstreifens für Radfahrer hat in den sozialen Medien ein großes Echo ausgelöst. Die Nutzer bei Facebook äußerten sich mehrheitlich ablehnend: „Krass, und dann steht der Verkehr in der Rush-Hour komplett still“, schreibt Svenja Brüning. Auch Avalu Bings würde „interessieren, wie das morgens und abends zu Stoßzeiten funktionieren soll.“ Der Mehrzweckstreifen sollten zumindest dann für den Verkehr freigegeben sein. „Bevor irgendwelche Fahrspuren umgerüstet werden (...) sollte die Stadt erstmal die knietiefen Schlaglöcher auffüllen“, schreibt Hinrich Deppe, der hinzufügt: „Der Verkehr nimmt immer mehr zu und auch wenn die Politik das will, wollen die Leute nicht mit dem Fahrrad fahren (....) sondern gut ausgebaute Straßen in einem guten Zustand“. Auch Heike Springer steht den Überlegungen der Planer ablehnend gegenüber: „Nicht noch mehr Radfahrer auf der Straße, das gibt eine zusätzliche Verkehrsbehinderung.“ Facebook-Nutzer Tho Steff hingegen gefällt die Idee der womöglich wegfallenden zweiten Autospur, sieht aber Nachbesserungsbedarf beim ÖPNV. Wenn dieser gut und zeitnah ausgebaut werden würde, „dann kann auch die zweite Spur wegfallen.“ Marius Gerund hingegen ist sicher: „Der Individualverkehr wird bleiben – ob elektrisch Hybrid oder was auch immer. Die Zahl der Autos wird nicht weniger.“ André Breede hält eine sogenannte „grüne Welle“ bei Tempo 50 für wichtiger, und Stefan Kiam Allakros äußerte sich insgesamt kritisch zu den Planung der letzten Jahrzehnte, die erst auf den Autoverkehr und inzwischen für Fußgänger, Radfahrer und Öffis ausgerichtet ist: „Mal ehrlich, wenn alle paar Jahre immer nur für eine Verkehrsteilnehmergruppe einen Vorteil gebaut wird, kann es nie zu einem einheitlichen Konzept kommen.“

Von Johannes Dorndorf und Astrid Köhler

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