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Laatzen Ist die St.-Gertruden-Kirche das älteste Gebäude in Laatzen?
Aus der Region Region Hannover Laatzen Ist die St.-Gertruden-Kirche das älteste Gebäude in Laatzen?
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18:02 13.08.2019
Wie alt ist die Gleidinger Kirche? Pastorin Susanne Michaelsen (von links), Gisela Eggert vom Kirchenvorstand und Alfred John gehen die Angaben zur 750-Jahr-Festschrift durch. Quelle: Johannes Dorndorf
Laatzen

Tradition verpflichtet: Als vor etwa zwei Jahren Schimmel in der Alt-Laatzener Kapelle entdeckt wurde, war man sich bei der Kirchengemeinde schnell einig, dass das Gotteshaus unbedingt erhalten bleiben müsse. Schließlich handele es sich um das südlichste Zeugnis der norddeutschen Backsteingotik – und um das älteste Gebäude Laatzens.

An Letzterem gibt es allerdings berechtigte Zweifel, zumindest wenn man wirklich ganz Laatzen einbezieht. Denn die Alte Kapelle, erstmals erwähnt im Jahr 1325, ist zwar älter als die übrigen Gebäude im Stadtteil Alt-Laatzen. Aber gilt dies auch für das ganze Stadtgebiet?

Im rund sechs Kilometer entfernten Gleidingen ist man jedenfalls anderer Meinung: Schließlich ist der Ort unumstritten Laatzen ältester Stadtteil, die Gründung wird auf das zehnte Jahrhundert datiert. 1983 feierte der Ortsteil seine 1000-Jahr-Feier. Da liegt es nahe, dass auch die Kirche älter ist. Aber wann wurde sie genau errichtet? Und ist die Kirche von damals auch die von heute?

So sieht es in der St.-Gertruden-Kirche aus

Gleidinger Priester wird erstmals 1250 erwähnt

Viel mit der Geschichte der St.-Gertruden-Kirche hat sich der frühere Kirchenvorstandsvorsitzende Alfred John befasst. Er hatte 2000/2001 an der Broschüre zum 750-jährigen Bestehen der Kirchengemeinde von St. Gertruden mitgearbeitet. Beim Jubiläumsdatum ist sich die Gemeinde sicher: 1250 – also 75 Jahre vor der ersten Erwähnung der Alt-Laatzener Kapelle – wurde in einer Urkunde mit „Heinrich in Gleidinge“ bereits ein Priester im Ort erwähnt. „Dann muss es dort auch schon eine Kirche oder Kapelle gegeben haben“, ist John überzeugt. Einen Grundstein mit Jahreszahl oder gar eine Zeitkapsel gab es damals noch nicht – und so ist man bei der Bestimmung des Alters auf Indizien angewiesen.

Und die sprechen auch in anderer Hinsicht für einen frühen Zeitpunkt: So wurden 1963 bei Renovierungsarbeiten am Mauerwerk des Kirchenschiffes mittelalterliche Bauspuren einer romanischen Innenarchitektur entdeckt, die bis in einer Tiefe von 1,20 Meter hinabreichen. „Aus diesen Spuren lassen sich Rückschlüsse auf das wahrscheinliche Alter des Gebäudes ziehen“, heißt es in der Jubiläumsschrift zum 750-jährigen Bestehen der Gemeinde. Es sei möglich, dass das heutige Kirchenschiff die ursprüngliche Kapelle ist, die bei Gründung der Heiligen Gertrud geweiht worden war.

Romanische Bauformen im Kirchenschiff

Die Verfasser gehen davon aus, dass „die einschiffige romanische Bruchsteinkirche, von der noch Stilelemente an dem heutigen Bauwerk erkennbar sind, vermutlich Ende des zwölften Jahrhunderts in ihrer ursprünglichen Form errichtet wurde.“ Dies stimmt auch mit den Akten der Landeskirche überein, wie Jürgen Steinhof vom Amt für Bau- und Kunstpflege bestätigt: „Das Kirchenschiff ist aus dem zwölften Jahrhundert.“ So sei es in den Grunddaten der Akte zu der Kirche notiert – und so führt es auch das Dehio-Handbuch auf, in dem Kunstdenkmäler im deutschsprachigen Raum beschrieben sind.

Beim Gang durch die Kirche weist John in der Apsis auf die beiden kleinen, auf Fußhöhe befindlichen Rundbögen hin, wie sie für den romanischen Baustil typisch waren. Sie könnten als sogenannte Sakramentennischen gedient haben, kleine Schränke zur Aufbewahrung des Abendmahlsgeräts.

Insgesamt bietet sich heute allerdings ein völlig anderes Bild als im Mittelalter: Der Turm von St. Gertruden stammt aus den Jahren 1720 bis 1725, 100 Jahre später – 1820/1821 – folgte eine größere Renovierung im klassizistischen Stil. Hinzu kamen Erhöhungen der Wände sowohl des Schiffs als auch von Chor und Apsis.

„Wir wollen keinen Wettstreit“

Ist nun also die St.-Gertruden-Kirche das älteste Gebäude Laatzens? Vermutlich ja. Zwar stammen zwei weitere Laatzener Kirchtürme ebenfalls aus dem Mittelalter, aber sie werden auf das 13./14. Jahrhundert (St. Marien Gasdorf) und 13. Jahrhundert (St. Nicolai) geschätzt und sind nicht so früh erwähnt wie das geistliche Geschehen in Gleidingen.

Aus Sicht von Pastorin Susanne Michaelsen ist die Frage letztlich nicht entscheidend. „Wir wollen keinen Wettstreit. Interessant ist, dass es an diesem Ort eine lange christliche Tradition gibt“, sagt die Pastorin der St.-Gertruden-Gemeinde. Und wie intensiv die in Gleidingen schon früh gelebt wurde, dafür sprechen auch die Kunstschätze, die die Kirche noch heute beherbergt: Ein Kruzifix unbekannter Herkunft aus dem späten 13. Jahrhundert, ein Taufstein von 1594 und mehrere große Grabplatten aus dem 16. und 17. Jahrhundert sind im Schiff zu besichtigen.

Kapelle war früher das älteste Gebäude

Aber wie kommt es, dass die Alte Kapelle den Ruf hat, Laatzens ältestes Gebäude zu sein? Tatsächlich wird dies etwa in der Festschrift „700 Jahre Laatzen“ so behauptet – und wurde von dort womöglich immer wieder abgeschrieben. So steht es auch im Internetlexikon Wikipedia, und so stand es vor Kurzem auch in dieser Zeitung. Die 700-Jahre-Festschrift stammt allerdings aus dem Jahr 1959. Und da war die Kapelle tatsächlich noch das älteste Gebäude: Mit Grasdorf und seinem ebenfalls mittelalterlichen St.-Marien-Kirchturm hatte sich Laatzen noch nicht vereinigt – und Gleidingen kam erst mit der Gebietsreform 1974 zum Stadtgebiet.

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Von Johannes Dorndorf

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