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Laatzen Wurden bei Brückenreinigung in Rethen Tauben getötet?
Aus der Region Region Hannover Laatzen Wurden bei Brückenreinigung in Rethen Tauben getötet?
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00:18 08.06.2019
Hunderte Tauben haben die Zwischenräume der ICE-Bahnbrücke in Rethen als Nistplätze genutzt. Vor drei Wochen wurden die Öffnungen im Auftrag der Deutschen Bahn von einer Firma verschlossen. Quelle: Daniel Junker
Rethen

Nach Beschwerden von Anwohnern hat eine Firma im Auftrag der Deutschen Bahn vor drei Wochen die Hohlräume der ICE-Brücke verschlossen, die Hunderte Tauben als Nistplätze genutzt haben. Im Zuge dessen wurde das Bauwerk außerdem vom Taubenkot befreit. Die Aktion löste aber auch Kritik aus: Die Taubenschutzvereine Taubennotruf & Wildvögel Hannover sowie Netzwerk Taubenrettung Hannover prangern sogar Verstöße gegen das Tierschutzgesetz an. Sie glauben, dass bei der Reinigungsaktion auch Tauben und Küken abgesaugt und dabei getötet worden sind.

„Wir können uns nicht vorstellen, dass keine Nester und Küken in dem Schacht gewesen sind, da unter den Pfeilern sehr viel Nistmaterial herumlag“, sagt Maren Frerichs, Mitglied des Netzwerks Taubenrettung Hannover. Nach der Reinigung der Brücke hätten die Tierschützer bei Beobachtungen mit dem Fernglas tote Tauben nahe der Pfeiler entdeckt – „sowohl erwachsene Tiere als auch Küken“. Die Vereine sehen darin einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, in dem unter anderem vermerkt ist, dass Wirbeltiere nur unter wirksamer Betäubung „oder sonst, soweit nach den gegebenen Umständen zumutbar, nur unter Vermeidung von Schmerzen getötet werden“ dürfen.

Tierschützerin: „Wo sind die Nester, Eier und Küken?“

Auf Nachfrage habe die ausführende Firma den Taubenschützern versichert, dass sie beim Absaugen auf lebende Tiere und Eier geachtet habe. Die Vereinsmitgliedern sind von dieser Aussage aber nicht überzeugt. „Von den 500 Tauben, die sich dort offenbar niedergelassen hatten, werden mit Sicherheit sehr viele gerade gebrütet haben“, sagt Frerichs und fragt: „Wo sind die Nester, Eier und Küken?“ Die Deutsche Bahn nimmt die Vorwürfe ernst. „Wir haben für diese Arbeiten eine Fachfirma beauftragt und sind selbstverständlich davon ausgegangen, dass alle Vorschriften, Richtlinien und Gesetze eingehalten werden“, teilt Sprecherin Sabine Brunkhorst mit. Die Bahn werde ein klärendes Gespräch mit der Firma führen. Ob dieses Gespräch bereits stattgefunden hat, will die Bahn derzeit nicht mitteilen.

Noch immer suchen Tauben an der ICE-Bahnbrücke nach Zugängen zu den Hohlräumen. Quelle: Daniel Junker

„Tiere flogen wiederholt von innen an die Netze“

Die Taubenschützer sind aber nicht nur über das mutmaßliche Absaugen bestürzt. Sie kritisieren auch, dass die Hohlräume verschlossen wurden, obwohl sich nach ihren Beobachtungen noch Tiere im Inneren der Brücke befanden. „Wir waren vor Ort und haben sehr viele Tauben gesehen, die noch eingeschlossen waren“, so Frerichs. „Diese Tiere flogen wiederholt von innen an die Netze oder drückten sich an die Vergitterungen.“ Von außen hätten wiederum einige Tauben versucht, an ihre Nistplätze zu gelangen.

Nach Informationen der Tierschützer hat die Bundespolizei am Sonntag, 19. Mai, Löcher in die Gitter geschnitten. „Wir waren am Nachmittag vor Ort und konnten mit dem Fernglas allenfalls kleine Löcher sehen.“ Dennoch seien weiterhin viele Tauben von innen gegen die Netze geflogen. Eine Mitarbeiterin des Teams Veterinärwesen der Region Hannover habe den Tierschützern daraufhin mitgeteilt, dass die zuständige Firma weitere Öffnungen habe schaffen wollen. „Ob der Eingriff erfolgt ist, wird durch mich überprüft“, zitiert Frerichs aus einer ihr zugegangenen E-Mail des Teams Veterinärwesen vom 21. Mai.

Fachdienst für Veterinärwesen weiß nichts von toten Tauben

Frerichs glaubt, dass dies zunächst nicht geschehen ist. „Am 24. Mai rief ich die Mitarbeiterin an und fragte, ob sie jemals vor Ort gewesen wäre“, berichtet sie. Die Mitarbeiterin habe dies verneint. Nach Angaben der Region habe der Fachdienst Verbraucherschutz und Veterinärwesen den Sachverhalt am 26. Mai in Rethen überprüft. Dabei seien keine toten Tauben rund um die Pfeiler entdeckt worden, teilt Sprecherin Sonja Wendt mit. „Zu dem Zeitpunkt befanden sich auch keine Tauben hinter den Gittern.“ Die Taubenschützer wundert das nicht: „Darauf, dass die Tiere nach mehr als einer Woche mittlerweile verstorben sein könnten, kommt das Veterinäramt leider nicht.“ Die Taubenschützer kritisieren das Vorgehen scharf. „Hier hat das Veterinäramt schlichtweg versagt.“

Region: Verantwortung liegt bei Bahn und Auftragnehmer

Wie die Reinigung und Absaugung vonstatten gegangen ist, ließe sich nach Ansicht der Region im Nachhinein nicht überprüfen. „Dies hat schon vor Wochen stattgefunden“, so Wendt. Die Brücke unterliege keiner laufenden Überwachung durch die Region, die Verantwortung liege bei der Deutschen Bahn und dem beauftragten Unternehmen. „Die Region ist mit der Deutschen Bahn als verantwortlichen Auftraggeber in intensivem Kontakt“, teilt Wendt mit. Sie bestätigt, dass grundsätzlich nur Firmen mit solchen Arbeiten beauftragt werden und diese durchführen dürften, die über eine tierschutzrechtliche Erlaubnis verfügen. „Derzeit prüfen die Bahn und die Region noch, ob diese Erlaubnis vorlag.“

Vereine stellen Strafanzeige

Die Vereine haben eigenen Angaben zufolge mittlerweile Strafanzeigen gegen sämtliche Beteiligte gestellt. „Wir gehen ganz stark davon aus, dass bei dieser Aktion eine erhebliche Anzahl Tiere getötet worden oder zu Schaden gekommen sind. Wir wünschen uns, wenn nötig, eine juristische Aufklärung des gesamten Vorgangs.“

Vereine bevorzugen Taubenschläge

Vertreter des Netzwerks Taubenrettung Hannover betonen, sie können nachvollziehen, dass sich die Anwohner an den Tauben stören, die sich in der ICE-Brücke eingenistet hatten. Sie verurteile auch nicht die Säuberungsaktion an sich, sondern das Vorgehen der beteiligten Akteure, so Vereinsmitglied Maren Frerichs. „Man hätte die Pfeiler nach und nach untersuchen, die Tauben und Nester rausholen und die Hohlräume dann verschließen können.“ Sinnvoll wäre es zudem gewesen, sogenannte Taubenschläge in der Nähe der Bahnstrecke zu installieren, so wie es die Tiermedizinerin Almut Malone im Interview mit der HAZ empfohlen hat. Dort hätten die Tiere ihre Eier legen können, die dann gegen Kalkeier ausgetauscht würden – zum Beispiel von den Mitgliedern der Vereine. „So kann man die Geburten sinnvoll regulieren, auch wenn es etwas länger dauert.“

Von Daniel Junker

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