Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Laatzen Behinderte zeigen Missstände in Laatzen auf
Aus der Region Region Hannover Laatzen Behinderte zeigen Missstände in Laatzen auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:54 07.05.2019
Die Kreuzung Ahornstraße / Lupinenweg ist nach Ansicht des Initiativkreises gefährlich. Zwar gibt es hier einen abgesenkten Bordstein, dieser führt aber direkt auf einen Gully zu. Rollstuhlfahrer könnten mit ihren Rädern im Einlaufgitter hängen bleiben. Quelle: Daniel Junker
Grasdorf/Laatzen-Mitte

„Das ist mir noch nie aufgefallen.“ „So etwas bemerkt man gar nicht, wenn man nicht selbst betroffen ist.“ „Das ist ja völlig irrsinnig.“ Solche und ähnliche Reaktionen waren am Montagabend quasi im Minutentakt zu hören, als sich rund 25 Laatzener zusammen mit dem Initiativkreis Menschen mit Behinderung auf den Weg durch Grasdorf und Laatzen-Mitte machten. Bei der Ortsbegehung, an der sich auch mehrere Lokalpolitiker beteiligten, machte die Gruppe auf Missstände aufmerksam.

Angeführt von Christina Titze vom Initiativ marschierten die Laatzener vom Parkplatz des Grasdorfer Nahkauf-Marktes über die Ahornstraße und die Straße Am Wehrbusch, die Stückenfeldstraße, den Bahnweg, die Würzburger Straße und die Hildesheimer Straße. Auf dem nur zwei Kilometer langen Rundkurs wies Tietze auf gleich 18 Kritikpunkte hin, die den Behinderten aufgefallen waren.

Die Gruppe hatte sich noch keine 20 Meter bewegt, als Tietze an der Bushaltestelle „Neuer Schlag“ schon wieder stoppte. In Fahrtrichtung Hildesheimer Straße ist die Haltestelle der Linie 346 nicht barrierefrei: „Sie ist komplett unbefestigt.“ Tatsächlich wächst auf dem Seitenstreifen, auf dem sich die Haltestelle befindet, sogar Gras, so dass der Bereich zwar begehbar, mit einem Rollator oder Rollstuhl aber nur schwer zu erreichen ist.

Die nächste Beanstandung folgte nur wenige Meter entfernt an der Kreuzung Hildesheimer Straße/Am Kamp, wo das akustische Signal der Blindenampel nur sehr schlecht zu hören ist. Zudem sei einer der am Mast befestigten gelben Taster für Sehbehinderte an der falschen Stelle positioniert, monierte Tietze. „Er ist am Radweg und nicht am Fußweg angebracht.“ Wenn Sehbehinderte diesen Weg nehmen, könnten sie mit Radfahrern in Konflikt geraten.

Fast überall fehlen Absenkungen

An der Ahornstraße machte die Gruppe an fast jeder Einmündung halt: Fast überall fehlen Bordsteineabsenkungen, so dass Rollstuhlfahrer auf die Grundstücksausfahrten ausweichen und dabei durch die Seitenstraßen kurven müssen. Tietze und Philipp Wietzke demonstrierten dies sehr anschaulich an der Kreuzung zum Dannenbergweg, in den die beiden ein ganzes Stück hineinfahren mussten, um über die Straße zu kommen.

Den Überweg am Lupinenweg sieht der Initiativkreis sogar als gefährlich an: „Es gibt hier zwar einen abgesenkten Bordstein, auf einer Straßenseite führt der aber direkt auf einen Gully zu“, sagte Tietze. Wietzke demonstrierte unterdessen, wie die Vorderräder seines Rollstuhls im Straßenablauf hängen bleiben. Der Schachtdeckel mit der hohen Kante auf dem Gehweg direkt daneben ist ein zusätzliches Hindernis – und auf der gegenüberliegenden Seite am Gladiolenweg fehlt sogar jegliche Absenkung, so dass der Gehweg dort von Rollstuhlfahrern gar nicht genutzt werden könne. „Das gilt auch für die Querung über den Wehrbusch, obwohl die Verkehrsinsel in der Mitte der Fahrbahn sogar gepflastert ist“, sagte Tietze.

Am Fußgängerüberweg der Ahornstraße zum Friedhof, am Überweg zur Grand-Quevilly-Passage sowie an der Querung der Stückenfeldstraße vermissen die Initiativkreis-Mitglieder wiederum Orientierungsfelder und Leitlinien für Sehbehinderte.

Ampelmast steht mitten auf dem Gehweg

Als Nadelöhr betrachten die Behinderten die Ecke Würzburger Straße/Hildesheimer Straße. „Der Gehweg ist sehr schmal und sehr schräg“, stellte Tietze fest. Rollstuhlfahrer könnten hier schnell auf die Straße geraten. Kurios: Der Ampelmast steht hier direkt auf dem Gehweg, so dass Rollstuhlfahrer den Bürgersteig noch schlechter nutzen können. Ein zusätzliches Problem: „Der Seitenstreifen der Hildesheimer Straße ist auch für Radfahrer freigegeben.“ Deshalb könne es dort schnell zu brenzligen Situationen kommen. Ähnlich sei die Situation in der Kurve der Hildesheimer Straße in Richtung Süden nahe der Haltestelle Neuer Schlag. „Der Gehweg ist hier extrem schräg, und es kommen einem immer wieder Radfahrer entgegen“, sagte Tietze. Zwar fordert ein Schild zum Absteigen auf, „das Schild steht aber viel zu dicht an der Kurve, so dass Radfahrer kaum noch reagieren können“.

Tietze machte deutlich, dass die am Montag erkundeten Routen häufig genutzt werden, um von Grasdorf aus zum Leine-Center zu kommen. Deshalb sehe es der Initiativkreis als besonders wichtig an, diese Wege barrierefrei zu gestalten.

Initiativkreis wird jetzt von einem Quartett geführt

Der Initiativkreis Menschen mit Behinderungen wird seit Januar von einem vierköpfigen Leitungsteam geführt, nachdem der ehemalige Leiter Olaf Lichy sein Amt im Dezember zur Verfügung gestellt hatte. Die Gruppe leiten seitdem Christina Tietze, Achim Wenger, Philipp Wietzke und Wolfgang Rücker gemeinsam. „Wenn das alles an einer Person hängt, ist es schwer zu schaffen“, sagte Tietze am Montagabend am Rande der Ortsbegehung. Als Leitungsteam könne sich das Quartett untereinander absprechen und die Aufgaben besser verteilen.

Der Initiativkreis hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf Misstände insbesondere zur Barrierefreiheit aufmerksam zu machen. Zudem fordert die Gruppe seit Jahren die Bestellung eines Behindertenbeauftragten für Laatzen. Der Initiativkreis trifft sich an jedem ersten Donnerstag des Monats um 18 Uhr im Stadthaus am Marktplatz. Besucher und Mitstreiter sind willkommen. dj

Von Daniel Junker

Bekannte Welthits gemeinsam mit professionellen Tenören singen: Das können Besucher am Montag, 13. Mai beim Mitmachkonzert des Duos Tenöre4you in der Arche. Los gehts um 20 Uhr.

07.05.2019
Laatzen Erich-Panitz-Straße in Laatzen - Viele verstehen neue Verkehrsführung nicht

Die Kreuzung Erich-Panitz-Straße/Wülferoder Straße ist fast fertig, aber die neue Verkehrsführung irritiert, so dass es zeitweise zu Verstößen im Minutentakt kommt. Viele Autofahrer ignorieren Abbiegespuren und Fahrradstreifen – und es fehlen Vorwegweiser.

10.05.2019

Am 23. Mai wird das Grundgesetz 70 Jahre alt. Doch obwohl die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in Artikel 3 aufgeführt ist, ist sie noch längst nicht Realität, führte die SPD-Landtagsabgeordnete Silke Lesemann bei einer Diskussion im Stadthaus aus.

07.05.2019