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Laatzen War das der letzte Schützenumzug?
Aus der Region Region Hannover Laatzen War das der letzte Schützenumzug?
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00:16 24.05.2017
Der Umzug in Alt-Laatzen wird von Sonnenschein begleitet. Quelle: Torsten Lippelt
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Alt-Laatzen

Mit laut klingender Marschmusik gingen die Schützen am Sonntag ab 15 Uhr durch Alt-Laatzen. Dabei zog der rund 120-köpfige Tross, der vom Spielmannszug der Laatzener Schützen, dem Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr und dem Musikverein Pattensen begleitet wurde, über die Friedrich-Engels-Straße bis zur Straße Am Brocksberg und über die Eichstraße zurück zum Schützenhaus. Doch dieses Spektakel wird es vielleicht nie wieder in Alt-Laatzen geben. Denn die Schützen wollen ihr Fest überdenken. "Es steht zur Diskussion, ob wir 2018 noch öffentlich feiern", sagt Vorsitzender Heinz Krüwel und kündigt an, dass die Schützen für das nächste Jahr ein komplett neues Konzept erstellen werden. Wie dies aussehen wird, stehe allerdings noch nicht fest. 

In den vergangenen Jahren hätten sich immer weniger Vereine an dem Fest beteiligt. "Viele kommen nicht mehr zu unserem Kommers und sind auch nicht beim Ausmarsch dabei", beklagt der Schützenchef. "Manche sagen noch nicht einmal ab, so dass gar nicht wissen, mit wem wir rechnen können." Warteten früher rund 30 Ehrengäste auf Abholung, seien es heute nur noch eine Handvoll.

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Auch bei den Bürger werde der Zuspruch immer geringer. "Was nützt es, einen großen Ausmarsch zu machen, wenn keiner guckt und wir uns fühlen, als ob wir durch eine Geisterstadt marschieren?", fragt Krüwel. Zum Seniorenkaffee am Sonnabend seien gerade einmal 16 Gäste gekommen. Sonst seien es immer mehr als 30 gewesen.

Bereits 2010 hatten die Schützen ihr Fest wegen zu geringer Besucherzahlen drastisch verkleinert und die Feierlichkeiten vom Festplatz an der Erich-Panitz-Straße in Laatzen-Mitte an das Schützenhaus in Alt-Laatzen verlegt. Doch dort fehlt den Gästen nun offenbar eine Attraktion. Ein Karussell aufzustellen, sei auf dem Platz am Steinbrink nicht möglich, erklärt der Vorsitzende.

Wie es mit dem Laatzener Schützenfest weitergeht, werde sich im Laufe des Jahres entscheiden. "Wir werden dazu wahrscheinlich eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen", kündigte Krüwel an.

Schützen und ihre Gäste müssen 290 Euro Strafe zahlen

Am Sonntag stand neben dem Festumzug auch das sogenannte Königsgericht auf dem Programm. Wer dort angeklagt wird, hat schon verloren. Denn einen Freispruch gibt es nicht. Schützenchef Heinz Krüwel verurteilte dabei Mitglieder und Gäste für Vergehen in den vergangenen zwölf Monaten zu Geldstrafen. Zur Höchststrafe von 100 Euro wurde Bürgermeister Jürgen Köhne in Abwesenheit verurteilt. Er hatte sich laut Krüwel unter anderem viel zu selten zu gemeinsamen fröhlichen Stunden eingefunden. "Dadurch ist das Gemeinwohl arglistig betrogen und so manches Getränk nicht getrunken worden, was zu erheblichen Verlusten in der Vereinskasse geführt hat." Außerdem habe er beim Schießen auf die Ratskette und den Bürgermeisterpokal gefehlt.

Alle anwesenden Schützen, die Krüwel am Sonntag noch keinen ausgegeben hatten, mussten 2 Euro zahlen. Die Anklage lautete auf "unterlassene Hilfeleistung bei sehr großem Durst".

Weitere Schützen mussten jeweils 5 Euro in die Kasse werfen, weil sie graue statt schwarze Socken zur Uniform getragen hatten oder ihre Schulterklappe kaputt war.

Insgesamt sammelte Kontaktbeamter Dirk Rindfleisch 290 Euro ein. Diese fließen in die Vereinskasse und sollen für die Anschaffung eines neuen Sportgeräts verwendet werden. Dabei verabschiedete sich der Polizeibeamte von den Schützen. "Nächstes Jahr werde ich nicht mehr als Kontaktbeamter dabei sein, da ich dann bereits in Pension bin."

Von Stephanie Zerm