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Langenhagen Kiosk will für das weitere Leben helfen
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00:16 15.05.2017
Von Sven Warnecke
Die erste Kundin ist da: Henni Heyen kauft beim Kiosk im Stadtpark einen Schokoriegel. Quelle: Sven Warnecke
Langenhagen

In dem als Sommerkiosk bezeichneten Verkaufsstand zwischen dem Mehrgenerationen-Bewegungspark und dem Spielplatz im Langenhagener Stadtpark wird psychisch gesundenden Menschen seit Jahren die Möglichkeit gegeben, realitätsnahe Erfahrungen in einer echten Beschäftigung zu sammeln. Denn oft sind die Menschen in ihren Berufen sehr gut ausgebildet gewesen – bis sie eine psychische Krise aus der Bahn geworfen hat. Im Anschluss an eine psychiatrische Behandlung hätten sie dann zunächst häufig keine realistische Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt, sagt Stefanie Hehle, Koordinatorin des Projekts Beta-Tab.

Der gemeinnützige Verein beta89 trägt das Projekt und bietet Arbeitsplätze, wie es sie normalerweise nicht gibt. Ohne Druck mit einer Anzahl Wochenstunden, die sich die Betroffenen zumuten wollen oder auch können. „Deshalb sprechen wir auch nicht von Arbeit, sondern von Betätigung“, berichtet Hehle. Das Ziel ist dennoch klar umrissen: „Sie für den ersten Arbeitsmarkt vorbereiten, damit sie den Wiedereinstieg ins Berufsleben schaffen“, betont die Projekt-Koordinatorin. Dafür erhalten die Teilnehmer eine "Motivationszuwendung" in Höhe von vier Euro pro Stunde. "Das ist aber kein Lohn oder Gehalt", sagt Hehle. Und der Fokus liege auf den Ressourcen und Stärken der Menschen im Alter zwischen 25 und 50 Jahren.

Einziger, vielleicht kleiner Wermutstropfen: Alle Teilnehmer der vergangenen Verkaufssaison hatten es vorgezogen, sich statt für einen Minijob oder eine andere Beschäftigung auf dem freien Arbeitsmarkt zu bewerben, auch in diesem Jahr wieder für das Beta89-Projekt zu melden.

Der Erfolg gibt dem Verein aber dennoch recht. Seit 2011 überlässt die Stadt den Kiosk dem Verein Beta89 kostenlos. In dem kleinen roten Häuschen verkauft in der Saison bis Oktober täglich ein fünfköpfiges Team im Schichtdienst Eis, Süßigkeiten, Kaffee und Getränke. Schnaps und Zigaretten sucht der Kunde dort aber vergeblich. Denn es handelt sich um den vermutlich ersten und wohl auch einzigen alkohol- und nikotinfreien Kiosk Langenhagens.

Die Verkaufsstätte hat bei schönem Wetter täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Zudem können sich Interessierte dort Boule-Kugeln und den Schlüssel für den Schachschrank ausleihen. Besonders wichtig: Seit Freitag und mit dem Start in die Kiosk-Saison im Stadtpark sind auch die dortigen öffentlichen Toiletten wieder zugänglich.

Hehle, die zusammen mit Susanne Hildebrandt das Projekt leitet, lobt auch die gute Zusammenarbeit mit der Stadt. Im vergangenen Jahr hatte es zwei Einbrüche in den Kiosk gegeben. Die Stadtverwaltung habe umgehend reagiert und Gitter vor die Fenster montiert. "Seitdem hat es keine Einbrüche mehr gegeben", berichtet die Projekt-Koordinatorin. "Wir sind sehr froh darüber, dass sich die Stadt gekümmert hat", betont Hehle.

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