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Langenhagen Horst Hartwig erfährt Lob von Ministerin
Aus der Region Region Hannover Langenhagen Horst Hartwig erfährt Lob von Ministerin
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10:06 26.05.2017
Von Sven Warnecke
Ein eingespieltes Team: Der Integrationslotse Horst Hartwig und Langenhagens Integrationsbeauftragte Justyna Scharlé. Quelle: Sven Warnecke
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Langenhagen

Integrationslotsen leisteten einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft, lobte bei einem Empfang in dem Niedersächsischen Gästehaus in Hannover jüngst Sozialministerin Cornelia Rundt und sprach davon, dass die Ehrenamtlichen "Vorbild für uns alle" seien. Einer der 90 Gäste war der 64 Jahre alte Horst Hartwig aus Langenhagen.

Doch ganz so hoch will das Hartwig indes nicht hängen. Der Langenhagener spricht vielmehr von seinem "christlichen Glauben", der ihn zu diesem Engagement geführt habe. Und er ist bereits viel länger in Sachen Flüchtlingshilfe in der Stadt aktiv. Die offizielle Bezeichnung Integrationslotse gibt es erst seit 2007, berichtet nun Langenhagens Integrationsbeauftragte Justyna Scharlé.

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Hartwig gehört dem Verein Gemeinsam Leben in Langenhagen seit geraumer Zeit an. Dieser wurde ausgehend von der Emmaus-Kirchengemeinde Anfang der 1990-er Jahre angesichts der Flüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion und den Kriegsgebieten auf dem Balkan gegründet. Und dieser Verein kümmert sich auch heute noch mit der "Willkommensgruppe" um die nach Deutschland geflüchteten Menschen. Aus diesem Grund hatte Hartwig im vergangenen Jahr dann auch die 48 Stunden umfassende und vom Land Niedersachsen geförderte Basisqualifizierung absolviert. 

Im Vergleich zu seiner Arbeit damals sei heute alles viel schwieriger, berichtet Hartwig dieser Zeitung. "Ich empfinde die Aufgabe heute größer." Allein angesichts der heute gültigen engeren rechtlichen Rahmenbedingungen. Denn seinerzeit wurde etwa der Aufenthaltsstatus der eingereisten Russland-Deutschen nicht geprüft oder in groß in Zweifel gezogen.

Das sei heute anders. Ohne einen entsprechenden Aufenthaltsstatus könnten die Menschen nicht an den offiziellen Integrationskursen wie der professionellen Sprachvermittlung teilnehmen, sagt Hartwig. Doch ohne diese hätten sie keine Chance auf eine Teilhabe am Arbeitsmarkt oder auf eine Wohnung. Denn aus seiner Erfahrung weiß Hartwig, dass sich die Menschen in die Gesellschaft einbringen wollen.

Doch genau an dieser Stelle hapert es. Sobald die Geflüchteten anerkannt worden seien, müssten sie in Sprachkursen Deutsch lernen. "Die Anzahl der professionellen Sprachkurse steigen in der Langenhagener VHS", berichtet Scharlé. "Aber das ist immer noch unzureichend."

Für den Langenhagener sei vor allem schwierig, gar belastend, wenn die Menschen, speziell ganze Familien - wie aktuell aus den Balkanstaaten - ausreisen müssten, um einer drohenden Abschiebung wegen eines abgelehnten Asylantrags zuvorzukommen. Doch in Langenhagen habe es seinen Angaben zufolge noch keine Abschiebung gegeben.

Bei seinem Engagement geht es dem Langenhagener darum, in diesem Land allgemein und in der Stadt im speziellen "zu einem Miteinander zu kommen". "Menschen, die zu uns gekommen sind, sollen gleichberechtigt in Langenhagen leben können." Das sei auch für die Einheimischen wichtig", betont Hartwig. "Wir können von den Menschen aus anderen Kulturen - deren Herzlichkeit - etwas lernen und davon profitieren."

Doch Hartwig verschweigt nicht, dass sich speziell auch die Integrationslotsen mit den Verfehlungen einiger weniger Flüchtlinge, wie etwa in Köln geschehen, intensiv befassen müssten. "Denn ich halte es für ungeheuer wichtig, dass die Menschen respektvoll miteinander umgehen", betont der einst im Medizinischen Dienst der Bundeswehr tätige Langenhagener.

Ursula Kallenbach 29.05.2017
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