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Langenhagen Fluglärmkommission will Nachtflugregelung verschärfen
Aus der Region Region Hannover Langenhagen Fluglärmkommission will Nachtflugregelung verschärfen
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16:33 12.07.2019
Die Fluglärmkommission fordert eine deutlich strengere Nachtflugregelung als das Wirtschaftsministerium. Quelle: Moritz Frankenberg
Langenhagen

Die Fluglärmkommission (FLK) fordert mit ihrem eigenen Entwurf eine deutlich strengere Nachtflugregelung, als sie das Wirtschaftsministerium in Hannover vorgelegt hat. So sollen zwischen 22 und 6 Uhr nur noch solche Flugzeuge in Langenhagen starten und landen dürfen, die in dem internationalen ICAO-Abkommen die Werte des sogenannten Kapitel vier im Umwelt-Anhang 16 erfüllen. Diese Flugzeugtypen sind neueren Herstellungsdatums als die vom Ministerium vorgeschlagenen Typen des Kapitels 3. „Wir orientieren uns damit mehr am tatsächlichen Lärm am Ohr des Schläfers“, erklärte dazu FLK-Vorsitzender Reinhard Grabowsky, der für die CDU auch im Rat der Stadt Langenhagen sitzt.

Zusatzbedingungen für leisere Flugzeuge in der Nacht

Denn weitere Bedingungen kommen hinzu: So seien nur solche Maschinen erlaubt, die überdies den Lärmkategorien eins bis sechs der Flughafengebühren am Flughafen Langenhagen entsprechen. Zudem seien bis 2026 die Forderungen des sogenannten ACI-Index zu erfüllen. In Kreisen der Fluglärmgegner gilt dieser Index international als aussagekräftigere Lärmeinordnung als das ICAO-Abkommen. „Dafür kommen wir den in Langenhagen ansässigen Fluglinien entgegen“, sagt Grabowsky. Die beiden Zusatz-Bedingen sollen nach Wunsch der FLK nicht gelten für Maschinen des Kapitel vier, die von „Haltern gewartet werden, die in Hannover ihren Schwerpunkt ihres Geschäfts- und Wartungsbetriebes unterhalten“.

Kann der Lärm auf Nord- und Süd-Bahn besser verteilt werden?

Um den Lärm möglichst dort zu konzentrieren, wo rechtlich der höchste Anspruch auf baulichen Schallschutz besteht, schlägt die FLK vor, zwischen 1 und 5 Uhr die Mengenkontingente zwischen der Nord- und der Südbahn auszugleichen. In 2018, so Grabowsky, wählten Piloten in der Nacht in 87 Prozent der Fälle die Nord- sowie in 13 Prozent die Süd-Bahn. Dies sei jedoch nicht zwingend als Minderung der Nordbahnnutzung zu verstehen, betont Grabowsky. Dies hänge von den konkret im Einsatz befindlichen Maschinen ab, darüber besteht bislang noch keine Gewissheit. Überdies obliegt die letzte Entscheidung, welche Bahn zu wählen ist, aus Sicherheitsgründen dem Piloten. Die FLK appelliert dennoch für ein „ausgewogenes Mengenkontingent“ innerhalb der nächsten zwei Jahre. Größere Wartungsarbeiten solle der Flughafen zudem nicht zwischen Mai und Oktober ansetzen. Der Flughafen plant nach eigenen Angaben die nächsten größeren Sperrungen der Nordbahn in 2023 und 2024 ausdrücklich nicht in den heißesten Monaten.

Klare Absage für unbefristete Nachtflugregelung

Entschieden widerspricht die FLK dem Wunsch des Ministeriums, die Nachtflugbeschränkung unbefristet auszusprechen. Alle fünf Jahre solle das Ministerium die dann vorliegenden Erkenntnisse der Lärmwirkungsforschung in die Nachtflugregelung einarbeiten. Desweiteren müsse das Ministerium die Beschlüsse der Umweltministerkonferenz zur Stärkung des Fluglärmschutzes umsetzen.

Der Entwurf zur Nachtflugregelung sei von einer Arbeitsgruppe innerhalb der FLK erarbeitet worden. Vertreter des Ministeriums, die neben Vertretern der Flughafen-Anrainer-Kommunen sowie verschiedener Fluglärminitiativen auch zu dem Gremium gehören, waren daran nicht beteiligt. Die FLK, so schließt der Forderungskatalog, erwarte überdies die Vorlage der Verkehrsprognosen für das kommende Jahrzehnt vor Abschluss der neuen Nachtflugregelung.

ICAO-Abkommen und ACI-Index: Das steckt dahinter

Das sogenannte ICAO-Abkommen ist das Abkommen über die internationale Zivilluftfahrt und wurde am 7. Dezember 1944 in Chicago von 52 Staaten unterzeichnet. Es ist die Grundlage eines internationalen Luftfahrtrechts auf völkerrechtlicher Basis und liefert das Fundament für die ICAO, einer Sonderorganisation für die internationale zivile Luftfahrt der Vereinten Nationen. Das Abkommen hat insgesamt 19 Anhänge mit Details zu den einzelnen Unterthemen. Dazu zählen Vereinbarungen zu meteorologischen Diensten ebenso wie zu Funkstandards oder Flugplätzen. Im Anhang 16 sind die Aspekte des Umweltschutzes verankert. Die Kapitel des Anhangs beschreiben die Entwicklung der Flugzeugtypen in zeitlicher Einordnung. Während das Wirtschaftsministerium in Hannover das Kapitel 3 als Ausgangsbasis für die Nachtflugregelung anstrebt, fordert die FLK das Kapitel 4 und damit Flugzeugtypen, die moderner sind.

Hinter dem ACI-Index verbirgt sich eine Lärm-Einordnung, die vom Airport Council International, dem internationalen Dachverband der Flughafenbetreiber, entwickelt worden ist. Sie setzt sich aus drei Lärmwerten zusammen: dem Überfluglärm beim Start, dem Seitenlärm beim Start sowie dem Überfluglärm bei der Landung. Alle drei werden bei der Zulassung eines Flugzeugtyps erhoben. Aus ihnen ergibt sich grundsätzlich auch die Einstufung in dem ICAO-Abkommen. Im ACI-Index wird überdies jedoch auch der konkret verbaute Triebwerkstyp berücksichtigt. Er wird deshalb von Fluglärmgegnern als aussagekräftiger eingestuft als das reine ICAO-Abkommen. Der Index unterteilt die Flugzeuge in sechs Gruppen (A bis F). Aufgrund ihrer Lärmauswirkungen gelten bei den Fluglärmgegnern nur die Gruppen A bis C als „nachtflugtauglich“.

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