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Langenhagen Fluglärm: Langenhagen protestiert scharf gegen Nachtflüge
Aus der Region Region Hannover Langenhagen Fluglärm: Langenhagen protestiert scharf gegen Nachtflüge
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00:26 30.06.2019
Auf dem Echtzeit-System des Flughafens lassen sich die Bewegungen sowie die Lärmwerte an den neun Messstationen verfolgen. Diese Flüge sind in der Nacht zu Donnerstag zwischen 2 Uhr und 3 Uhr gestartet. Quelle: Hannover Airport
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Langenhagen

„Werden Sie heute Nacht mit geöffnetem Fenster schlafen?“ In dem Moment, in dem Matthias Gleichmann (SPD) diese – rhetorische – Frage an seine politischen Kollegen richtet, herrschen im Ratssaal mehr als 30 Grad. Die Klimaanlage ist seit geraumer Zeit kaputt, wie zuletzt mehr als 150 Zuhörende bei der Podiumsdiskussion mit Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) vor drei Wochen zu spüren bekommen hatten. Wie damals dreht sich auch an diesem Abend die Diskussion um den nächtlichen Fluglärm. Und niemanden überrascht, was Gleichmann seiner Frage hinterher schiebt: „Passiver Lärmschutz durch dickere Fenster ist im Hochsommer Quatsch.“ Die neue Nachtflugregelung, wie sie Althusmann vorschlage, lehne die SPD daher klar ab.

Nach dem Entwurf des Niedersächsischen Wirtschaftsministeriums soll die Nachtflugregelung ab kommendem Jahr zwar den lautesten Flugzeugtypen zwischen 23 Uhr und 6 Uhr in Langenhagen Starts und Landungen untersagen. Bemessungsgrundlage soll allerdings weiterhin der ursprüngliche Zulassungswert des erzeugten Lärms sein. Der Rat der Stadt Langenhagen fordert jetzt jedoch, dass der tatsächliche Lärm am Ohr des Schläfers Ausgangspunkt sein soll. Nach gegenwärtiger Rechtslage dürfen Flugzeuge umso lauter sein, desto schwerer sie sind. Da in jüngerer Zeit vermehrt größere Maschinen zum Einsatz kommen und stetig Flüge vom Tag in die Nacht verlegt werden, steigt damit die Zahl der stärkeren, aber immer noch legalen sogenannten Lärmereignisse.

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Minister Althusmann kann im Rat nicht überzeugen

Langenhagens Protest richtet sich zudem klar gegen die vom Ministerium geplante Entfristung dieser Nachtflugregelung. Althusmann hatte während der Podiumsdiskussion eindringlich versucht, dies als Erfolg im Sinne der Anwohner darzustellen. Nur so könne ausgeschlossen werden, dass der Flughafen auf Basis seiner Betriebsgenehmigung nach Ablauf der bislang befristeten Nachtflugbeschränkung auf deren endgültige Abschaffung bestehen könne. Verfangen hat dies jedoch nicht. „Die Nachtflugregelung muss weiterhin befristet bleiben“, unterstrich in der Ratssitzung auch CDU-Fraktionschef Reinhard Grabowsky, der zugleich Vorsitzender der Fluglärmkommission (FLK) ist.

Die FLK, so Grabowsky weiter, stelle das gesamte Anhörungsverfahren des Ministeriums rund um die neue Nachtflugregelung infrage. Überdies hinterlasse ein Artikel in der Anrainer-Zeitung des Flughafens fälschlicherweise den Eindruck, die Neuregelung sei bereits beschlossene Sache. „Die Entscheidung ist noch nicht gefallen“, ergänzte Grabowsky. Auch müsse die Nachtflugregelung, bislang als sogenannter „Verwaltungsakt“ grundsätzlich alleinige Angelegenheit des Ministeriums, auf eine breitere Basis gestellt werden. Der Rat stimmte bei zwei Gegenstimmen für die Stellungnahme nach dem Entwurf der Verwaltung, ergänzt durch mehrere Punkte auf Anregung der Gruppe Grüne/Unabhängige.

Bundesregierung ist gegen Nachtflugverbot in Langenhagen

Der Ansatz der Linken-Ratsfrau Felicitas Weck, man möge das Land und die Stadt Hannover als Anteileigner der Flughafengesellschaft stärker in die Verantwortung nehmen, um Nachtflüge wieder in den Tag zu verlagern, erhielt als Antrag keine Zustimmung. Im Grunde, so der Tenor des Rates, sei dies durch die im Rat mit großer Mehrheit unterstützte Resolution für ein Nachtflugverbot bereits übernommen. Unerwähnt blieb im Rat dabei jedoch, dass dem Land für eine solche Einschränkung die Weisungsbefugnis fehlt. So konnte das Bundesverkehrsministerium vor wenigen Jahren das von der Landesregierung Nordrhein-Westfalens beschlossene Nachtflugverbot für Köln-Bonn widerrufen. Ähnliche Aussagen gibt es aus Berlin auch für Langenhagen.

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Von Rebekka Neander