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Langenhagen Pestalozzi-Schule startet in „blaue“ Zeiten
Aus der Region Region Hannover Langenhagen Pestalozzi-Schule startet in „blaue“ Zeiten
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14:25 17.08.2018
Seit diesem Schuljahr residiert die Förderschule Lernen in den ehemaligen Flüchtlings-Containern an der Leibnizstraße. In vier Jahren wird sie geschlossen. Quelle: Rebekka Neander
Langenhagen

Vorurteile haben an diesem Vormittag kein Glück. „Ach, eigentlich gefällt es mir hier in den Containern ganz gut.“ Anke Meyer steht vor der Tafel mit vielen blauen Bildern, aus denen sie am Ende des Jahres den neuen Schulkalender gestalten will. Die Lehrerin hat sichtbar gute Laune. Nein, eine Pausenhalle gebe es hier nun nicht mehr. Bei Regen oder schlechtem Wetter müssten die knapp 50 Jugendlichen der Förderschule eben drinnen bleiben. „Endlich erleben wir die Schüler nicht mehr nur im Unterricht. Die Atmosphäre ist hier viel familiärer, weil es enger ist.“ Nein, ein Problem sei das nicht. „Weil unsere Schüler“, und ihre Betonung liegt in diesem Satz auf ,unsere‘, „so höflich und zuvorkommend sind.“

Meyer ist an diesem Vormittag nicht allein mit dieser Einschätzung. Der erste Tag der offenen Tür in der nunmehr an der Leibnizstraße in geräumten Flüchtlings-Containern residierenden Förderschule Lernen offenbart vorwiegend Zuversicht – und Pragmatismus. Die Kunstmaterialien lagern im Mädchen-WC, die Putzmittel in den Toiletten der Jungs. Der Server für die Internetanbindung teilt sich das Türschild mit dem WC für die Lehrkräfte. Archiv und Lehrmaterial sind in der Küche untergebracht. Schulleiterin Ursula Borkowski ficht das nicht an.

Oder besser: Nicht mehr. „Dieser Raum war vorher für die Waschmaschinen“, erzählt sie vor den Regalen für die Kunstmaterialien, „der war schon ganz schön abgearbeitet, als ich ihn das erste Mal gesehen habe.“ Von der damaligen „Verzweiflung“ ist wenige Monate später nicht mehr viel zu spüren. „Die Enge hat auch ihre Vorteile“, sagt die Pädagogin. Disziplin-Probleme erwarte sie jedenfalls nicht. Und dass es keine drahtlose Internetverbindung in die Klassenräume geben wird, sei hinnehmbar. „Der Computerraum ist ja nur ein paar Schritte über den Flur entfernt.“ Platz in den Klassenräumen sei für die Rechner ohnehin nicht.

In Anbetracht der ausführlichen Diskussionen um den Ausstattungsstandard des neuen Gymnasiums und des Interims-Campus’ im Stadtpark wirken die Äußerungen von Schülern, Eltern und Lehrkräften an diesem Vormittag wahrlich außergewöhnlich. Hochtechnisierte Smart-Boards wie in den neuen Modul-Klassenräumen im Stadtpark habe man bewusst nicht gewünscht, betont Borkowski. „Unsere Pädagogik ist eine andere. Wir müssen unseren Schülern erst einmal den Umgang mit Smartphones an sich näher bringen.“ Die Qualität der Toiletten sei in den Modulen eindeutig angenehmer, halten einige Schüler fest.

Enge fordert im Alltag viele Kompromisse

Ein Idyll ist die neue Schule, die in vier Jahren geschlossen werden soll, dennoch nicht: „Klar ist, dass es wirklich eng ist“, betont Lehrerin Inge Gerisch. Die Klassenräume seien für das im Schnitt gute Dutzend an Schülern gerade so ausreichend. „Gruppenarbeit ist aber nicht drin. Wir können die Tische nicht verschieben.“ Ihre Kollegin Kerstin Sanetra berichtet, sie habe die Sitzordnung viermal verändert, bis wirklich alle Schüler einen annehmbaren Platz hatten, „und nicht in der Heizung saßen“. Die Schüler hätten den Umzug mit viel Engagement begleitet. „Unsere frühere Schülersprecherin Dilan hatte die Idee, nun von der ,blauen Schule’ zu sprechen. Eine Idee, die wir gerne aufgenommen haben.“

Im Lehrerzimmer bietet der Konferenztisch acht Stühlen bequem Platz. Ausreichend für die vier bis sechs Lehrkräfte, die regelmäßig in der Schule sind. „Alle sechs Wochen kommen alle 28 Förderlehrkräfte, für die wir in Langenhagen Stammschule sind, hier her zur Dienstbesprechung“, berichtet Borkowski. „Wir haben verabredet, dass wir aufhören, wenn der erste ohnmächtig umkippt“, hält die Schulleiterin schmunzelnd fest – und ergänzt versöhnlich: „Das Angebot der Stadt, uns dafür einen Raum zur Verfügung zu stellen, ist nett. Aber unser Team möchte ganz bewusst sich in seiner Schule treffen.“

Obergeschoss darf nicht genutzt werden

Aus Brandschutzgründen muss in der Anlage das ebenfalls geräumte Obergeschoss leer bleiben. „Sonst hätten wir ein zweites Treppenhaus bauen müssen“, erläutert Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch, die wie Bürgermeister Mirko Heuer und Jugendamtsleiter Frank Labatz an diesem Vormittag ebenfalls durch die Räume wandert – mit offenen Ohren für Nachbesserungswünsche: Die Fußballtore sollen vom alten Schulhof zeitnah an die Leibnizstraße umziehen. Nachgerüstet werden noch Bänke und ein Sonnensegel, damit der „trostlose“ Schulhof, wie die Jugendlichen klagen, noch ein wenig wohnlicher wird. Und es sollen Schilder auf das Schulgelände hinweisen, wie Heuer angekündigte – auch angesichts der Radfahrer, die auch während der Veranstaltung zwischen Theodor-Heuss-Straße und SCL-Gelände quer über den Schulhof fuhren.

Von Rebekka Neander

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