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Langenhagen Kampfmittel-Experten finden verbuddelten VW-Bulli
Aus der Region Region Hannover Langenhagen Kampfmittel-Experten finden verbuddelten VW-Bulli
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18:33 18.11.2019
Kleine Schrottreste verraten: Der im Graben verbuddelte VW-Bulli war wohl mal blau. Quelle: Rebekka Neander
Langenhagen

Dirk Plonski hat schon vieles gefunden: Granaten, Bomben, Munition. Der Kampfmittel-Experte ist in diesen Wochen mit seinem Räumungsteam auf jenem Areal an der Pferderennbahn im Einsatz, auf dem künftig das neue Langenhagener Gymnasium stehen soll. Vor seinen Füßen liegt ein Häuflein zerknittertes Blech, das ihn ein wenig traurig stimmt. Ein ganzer VW-Bulli ist das wohl mal gewesen.

Der größte Teil der Reste des Wagens ist schon entsorgt. Plonski schüttelt kurz den Kopf und seufzt. Alter? Herkunft? Da muss er passen. Eines aber verrieten die kümmerlichen Reste dann doch. Blau ist er gewesen, der VW-Bulli.

Immerhin kann Plonski zeigen, wo er das Gefährt im Erdreich gefunden hat. Der Kampfmittelexperte steht mitten zwischen hoch aufgetürmten Erdbergen. An seinen Stiefeln saugt schmatzend der Lehm. Wie ein tiefdunkles Band zieht sich klar erkennbarer Mutterboden durch das ansonsten vom Raseneisenstein rötlich durchwirkte Areal. „Da war wohl mal ein Graben“, mutmaßt Plonski. Beim Verfüllen mit Erdreich sei der Bulli dann wohl der Einfachheit halber gleich mit entsorgt worden.

Raseneisenstein hält Kampfmittel-Experten auf Trab

Seit Mitte Oktober ist Plonski mit seinem Team nun hinter dem dichten Buschwerk südlich der Rennbahn unterwegs. All den ungeduldig auf den Baustart des neuen Gymnasiums Wartenden sei so viel verraten: Von insgesamt 21 000 Quadratmetern sind bereits 8000 durchkämmt worden.

Bis Mai, so der Plan, soll das Areal fertig präpariert sein für den geplanten Start des Baus. Ambitioniert, aber machbar. An diesem diesigen Novembertag herrscht an der Neuen Bult Zuversicht. Auch wenn der Untergrund tückisch ist. „Der Raseneisenstein, der hier immer wieder auftritt, lässt unsere Metalldetektoren ebenfalls anschlagen“, sagt Plonski.

Für das neue Gymnasium Langenhagen lässt die Stadt derzeit 21.000 Quadratmeter Erdreich an der Rennbahn Neue Bult umgraben.

Viel zu tun hat sein Team auf dem Areal: „Wir haben hier eine Kampfmittelwahrscheinlichkeit von 100 Prozent“, sagt Plonski. Damit hatte man aufgrund der Luftbild-Auswertung und der Tatsache, dass 1943 nahe der heutigen Rennbahn eine Flak-Stellung abgeschossen wurde, gerechnet.

Zusätzlich zu Munitionsresten und Schrott wie dem VW-Bulli muss auch jener Boden abtransportiert werden, auf den sich keinesfalls ein Gymnasium bauen lässt. „Wir nennen das Schluff“, sagt Birgit Karrasch. Der lehmhaltige Schluff werde bei Feuchtigkeit zu einer schmierigen Angelegenheit und müsse ebenfalls herausgenommen werden. Karrasch ist dieser Tage fast täglich Gast auf der künftigen Baustelle – sie ist im fernen Rathaus für die Grünplanung verantwortlich..

Neuer Zaun soll alte Bäume schützen

Der inzwischen aufgetürmte Boden wird, so Karrasch, auf Schadstoffe untersucht. „Wir benötigen für den Gymnasiumsbau später 2000 Kubikmeter Oberboden.“ Dieser werde auf der inzwischen bereits vorbereiteten Fläche auf der gegenüberliegenden Straßenseite neben dem Schwimmbad zwischengelagert. „Der Rest wird abtransportiert.“

Karrasch wacht sehr genau darüber, dass allen vom Neubau zu verschonenden Bäumen auch im Vorfeld kein Leid geschieht. Sie setzt auf eine Reihe knallgelber Schildchen: Diese zeigen den Verlauf eines Baumschutzzaunes, der sie vor potenziellen Schäden durch die Baufahrzeugen schützen soll. „Hier entsteht zwischen Sportplatz und Regenrückhaltebecken ein Areal, das später niemand mehr betreten wird“, sagt Karrasch. Dazu gehören unter den kapitalen Eichen auch Sträucher, Reisig und Steinhaufen. „Als Rückzugsort für die Amphibien.“

Artefakte aus dem Silbersee warten auf Ausstellung

Karrasch ist die Sondierung wohlvertraut. Sie betreute 2015 auch die umfangreiche Sanierung des Silbersees. Seinerzeit zogen die Kampfmittelexperten insgesamt 11,2 Tonnen zum Teil noch scharfer Munition aus dem gesamten Strandbereich. Eine Altlast, die bis heute ihre Spuren zeigt: Mitte September erlitt ein kleines Mädchen am Silbersee schwere Verbrennungen. Sie war mit Phosphor in Berührung gekommen.

Seit der Silbersee-Sanierung lagern in Karrasch’ Büro allerlei museumsreife Artefakte aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Funde zu einer Ausstellung zusammenzuführen, wie es seinerzeit aus der Verwaltungsspitze zu vernehmen war, ist seither über das Stadium der Absichtserklärung nicht hinausgekommen.

Ende November fallen Bäume und Sträucher

Ende November beginnt auf dem Areal der Part der Vorbereitungen, der insbesondere Naturschützer seit der Standortwahl für das Gymnasium wenig erfreut: 9000 Quadratmeter Strauch- und Baumflächen werden gerodet. Vornehmlich seien jedoch jüngere Bäume betroffen, heißt es aus dem Rathaus. „Von den älteren bleiben einige erhalten“, heißt es in einem Statement der Pressestelle und weiter: Um zu verhindern, dass bei den Fällungen Tiere verletzt würden, kontrollierten Mitarbeiter der Gartenbaufirma mögliche Höhlenbäume. Insbesondere Winterplätze von Fledermäusen sollten so rechtzeitig aufgespürt werden. Leere Baumhöhlen, so Stadtsprecherin Juliane Stahl, würden mit zeitlichem Vorlauf verschlossen, damit die Fledermäuse in andere Quartiere ausweichen.

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Von Rebekka Neander

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