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Langenhagen Aktionsplan Inklusion: So ist die Bürgerbeteiligung gestartet
Aus der Region Region Hannover Langenhagen Aktionsplan Inklusion: So ist die Bürgerbeteiligung gestartet
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17:03 08.09.2019
Barbara Brokamp ist eine mitreißende Rednerin, die ungewöhnliche Perspektiven anbietet. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung sagt sie: "Wir muten Inklusion zu". Quelle: Patricia Chadde
Langenhagen

“Motivation für Inklusion: Wir lassen uns begeistern“: So ist Barbara Brokamps Vortrag angekündigt, der den Startschuss zur Auftaktveranstaltung für die Bürgerbeteiligung geben soll. Doch ein Publikum gemütlich mit Worten zu berieseln, ist nicht Brokamps Art. „Inklusion ist eine Haltung, ein gesellschaftlicher Auftrag und kein Hobby sogenannter Betroffener“, spricht sie ihre Zuhörer am Freitagabend im Langenhagener Schulzentrum direkt an –und die sitzen auch gleich ein bisschen aufrechter in ihren Stühlen. Brokamp verantwortet bei der Bonner Montag-Stiftung für Jugend und Gesellschaft den Projektbereich Inklusion und ist Mitautorin des Buches „Inklusion vor Ort“.

150 Teilnehmer erleben in Langenhagen eine facettenreiche Auftaktveranstaltung zum Thema Inklusion.

Außerdem fragt sie: „Können sich alle Menschen gleichermaßen willkommen fühlen?“ Die möglichen Antworten sollen Sitznachbarn miteinander besprechen. Umgehend hebt angeregtes Gemurmel an. „Die Eigendynamik der Frage wird deutlich“, freut sich die Hauptrednerin der Auftaktveranstaltung. Brokamps Vortrag macht den Teilnehmern deutlich, dass jeder vom Thema Inklusion betroffen und gefordert werde, um menschenwürdiges Leben zu definieren und zu gestalten. „Inklusion ist kein Zustand, kein Projekt und vor allem nie zu Ende“, sind die Schlussworte der Rednerin, die das Publikum mit begeisterten Applaus würdigt.

Bürgermeister freut sich über reges Interesse

Langenhagens inklusive Aussichten scheinen sehr gut zu sein, denn anstelle von 50 Teilnehmern, die Bürgermeister Mirko Heuer bereits prima gefunden hätte, kamen 150 Menschen zum Start der Bürgerbeteiligung für einen Aktionsplan. Zwei Gebärdendolmetscher übersetzen jedes gesprochene Wort der Veranstaltung. Die Arbeit von Anja Weiss ist wenig verbreitet. Sie malt das Protokoll der Veranstaltung, was sich Graphic Recording nennt.

Hindernisse für Teilnehmer in der Aula

Sabine Hettinger, Inklusionsbeauftragte der Stadt, wählt das Bild von Samen und Blumenwiese, um ihr Vortragsthema „Langenhagen – L(i)ebenswerte Übermorgenstadt für alle“ zu illustrieren. Die Gegenwart sieht bei der Veranstaltung noch nicht ganz so rosig aus. So gelangen Rollstuhlfahrer mittels Aufzug bis in den Zuschauerraum der Aula, die Bühnenstufen können sie jedoch nicht erklimmen. Auch der Beleuchter, falls vorhanden, lässt die Redner im Schatten stehen und mitunter nur als Schattenriss erkennen. Da stellt die Projektion der Namen von Claudia Koch vom Quartierstreff Wiesenau, der SPD-Ratsfrau Elke Zach und des Grünen Ratsherren Dirk Musfeldt sowie Albert Schneider vom Beirat für Menschen mit Behinderung die Genannten im wahrsten Sinne des Wortes in den Schatten. Aber Brokamp hatte schon gewarnt: „Man muss Widersprüche aushalten“.

Arbeitsgruppen arbeiten zu unterschiedlichen Themen

Die Teilnehmer der Auftaktveranstaltung Inklusion sind hoch motiviert und finden sich gegen 18 Uhr in kleinen Gruppen zusammen, um einen Fragebogen auszufüllen. Entwickelt wurde dieser mit Unterstützung der Bremer Agentur Proloco , welche die Stadt Langenhagen beim inklusiven Erarbeitungsprozess fachkundig begleitet. Franziska Lehmann, Diplomingenieurin für Raumplanung, und Michael Glatthaar, Diplomingenieur für Stadt- und Regionalplanung, haben damit den Rahmen für einen lebendigen Dialog geschaffen.

Dieser soll in den kommenden zwei Jahren laufen und einen möglichst umfassenden Aktionsplan Inklusion hervorbringen. Sechs Arbeitsgruppen, die zu unterschiedlichen Themen arbeiten, haben sich gebildet. Hettinger kündigte bereits vor der Auftaktveranstaltung an, dass es regelmäßig Inklusionsforen geben werde, in denen die Arbeitsgruppen über den Stand der Dinge berichten.

Wer sich einbringen und an der Erarbeitung eines Aktionsplans einbringen möchte, erreicht Sabine Hettinger, Inklusionsbeauftragte der Stadt, per E-Mail an inklusion@langenhagen.de oder unter Telefon (0511) 73079340.

Alle Termine der neuen Arbeitsgruppen

Um „Information und Mitsprache“ geht es am Freitag, 27. September, von 15.30 Uhr an im Sitzungsraum I im Rathaus. In dieser Gruppe geht es um Mitsprache, ob in politischen Gremien oder über barrierefreie Internetseiten, um leichte Sprache und verständliche Piktogramme.

Die Gruppe „Mobilität und Barrierefreiheit“ trifft sich erstmals am Freitag, 8. November, um 15.30 Uhr im Ratssaal. Neben Barrierefreiheit im öffentlichen Raum dreht sich die Debatte auch um den öffentlichen Nahverkehr, neue Mobilitätsformen und Leitsysteme.

Die Gruppe „Wohnen und Versorgung“ spricht am Freitag, 15. November, um 15.30 Uhr über vielfältige Wohnformen, Quartiersentwicklung oder auch wohnortnahe ambulante Pflege. Der Raum in Rathaus ist noch offen.

„Kultur und Freizeit“ beschäftigt die Gruppe, die am Freitag, 22. November, um 15.30 Uhr erstmals zusammenkommt. Auch hier ist der Raum noch offen. Mögliche Fragestellungen sind: Wie zugänglich sind kulturelle Angebote, braucht es Assistenzsysteme für den Besuch von Veranstaltungsorten? Und wie können sich behinderte Menschen kulturell und in Vereinen einbringen?

Um „Arbeit und Beschäftigung“ geht es erstmals am Freitag, 29. November, von 15.30 Uhr an. Arbeitsplätze inklusiv gestalten, die Anstellung behinderter Menschen vereinfachen oder auch Personalentwicklung und Sensibilisierung von Führungskräften sind Stichworte dieser Arbeitsgruppe.

Am Freitag, 6. Dezember, kommt um 15.30 Uhr erstmals die Arbeitsgruppe „Bildung und lebenslanges Lernen“ zusammen. Für beide Gruppen ist die Raumwahl im Rathaus noch nicht endgültig. Wie können sich Akteure in Bildung vernetzen? Wie zugänglich sind die Angebote in Langenhagen? Welche Formate müssen neu überdacht werden? Darum soll es gehen. nea

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Von Patricia Chadde

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