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Langenhagen Kinder wollen mit Holzfiguren Raser stoppen
Aus der Region Region Hannover Langenhagen Kinder wollen mit Holzfiguren Raser stoppen
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00:15 28.05.2017
Von Sven Warnecke
Jule, Aleksandra und Neele (von links) präsentieren die Holzfiguren, für die sie selbst Modell gestanden haben.
Jule, Aleksandra und Neele (von links) präsentieren die Holzfiguren, für die sie selbst Modell gestanden haben. Quelle: Sven Warnecke
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Langenhagen

Nun stehen sie: Bunt bemalte Holzfiguren in Kindergröße sind jetzt an Zaun und Bäumen des Kindergartens der St. Pauluskirchengemeinde an der Kurt-Schumacher-Allee aufgehängt worden, in Abstimmung mit dem Träger der Einrichtung. Damit wollen die Eltern Autofahrer zu langsamerem Fahren in der Tempo-30-Zone bewegen. Und in der Tat, bei der Aktion wurde der eine oder andere Verkehrsteilnehmer möglicherweise auch ob der Kinder und Erwachsenen sowie der Figuren am Straßenrand neugierig - und in der Folge auch langsamer.

Eigentlich alles überflüssig. Denn es sind beste Voraussetzungen dafür geschaffen, dass vor dem Kindergarten nicht allzu schnell gefahren werden darf: Er liegt in einer Tempo-30-Zone, Aufpflasterungen in der Fahrbahn zwingen zum Abbremsen, und Lastwagen dürfen überhaupt nicht durch die Straße fahren, ausgenommen Anlieger und Lieferanten. Die Einschränkungen kommen nicht von ungefähr: Die Kurt-Schumacher-Allee ist Schulweg, und neben dem Kindergarten hat die Stadt „einen wunderschönen Spielplatz“ angelegt, wie die stellvertretende Elternratsvorsitzende Janine Köbe sagt.

Das die nun gestartete Aktion ins Auge fällt, ist ganz nach dem Wunsch des Elternrates. Denn vielfach werde dort die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht eingehalten, genau so wenig das Durchfahrtverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen, berichtet Sonja Vette. "Es wird nicht darauf geachtet, dass hier ein Kindergarten ist", sagt die Mutter und Elternvertreterin. Nach Beobachtungen der Eltern nutzen zudem zahlreiche Lastwagen die Straße als Abkürzung zum Gewerbegebiet Langenforth. Die Fahrbahn sei so breit, dass auch die Bodenwellen niemanden abbremsten. Und Autos führen oft deutlich schneller als erlaubt.

Auf Anregung der Polizei zählt die Stadt nun den Verkehr. Schön wäre aber etwa ein zusätzlicher Fußgängerüberweg oder eine rote Aufpflasterung, um die besonders sensible Lage vor dem Kindergarten noch deutlicher zu machen, wünscht sich Janina Köbe.

Doch allein auf die Behörden wollten die Eltern sich nicht verlassen. Deshalb griffen sie zur Selbsthilfe: Die Kinder hatten sich auf Holzfaserplatten gelegt und die Erzieherinnen ihre Umrisse aufgezeichnet. Markus Köbe ist Vater – und Tischler. Er hat die Figuren ausgesägt, Kinder, Eltern und Großeltern haben sie später bunt bemalt.

Doch auch wenn alles in Eigenregie erledigt wurde, hat die Aktion Geld gekostet. Deshalb überlegt sich der Elternrat nun, für weitere Projekte einen Förderverein zu gründen.

Kindergarten-Vater Markus Köbe montiert die von ihm geschnittenen und von den Kindern angemalten Holzfiguren an Zaun und Bäumen der kirchlichen Kita. Quelle: Sven Warnecke
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