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Langenhagen Wohin künftig mit dem Klärschlamm?
Aus der Region Region Hannover Langenhagen Wohin künftig mit dem Klärschlamm?
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17:06 23.09.2018
In der Kläranlage An der Neuen Bult in Langenhagen fallen jedes Jahr 6400 Tonnen Klärschlamm an. Quelle: Sven Warnecke
Langenhagen

Die Stadt sucht nach einer Lösung für die künftige Behandlung des anfallenden Klärschlamms: Gut 6400 Tonnen kommen pro Jahr maschinell getrocknet zusammen. Dieser ist grundsätzlich für die Verwendung als Düngemittel in der Landwirtschaft geeignet, heißt es von Sandra Bosold, Leiterin der Stadtentwässerung Langenhagen (SE), einer 100-prozentigen kommunalen Tochtergesellschaft. Und weiter: „Jedoch hat die neue Düngeverordnung dazu geführt, dass Klärschlamm in der Landwirtschaft nicht mehr in den Mengen eingesetzt werden kann, wie bisher.“ Damit soll der Überdüngung der Felder und Belastung des Grundwassers entgegengewirkt werden. Das bedeutet: Es muss eine andere Lösung her, die auch in Zukunft den gesetzlichen Vorgaben entspricht.

Bosold befasst sich nach eigenen Angaben bereits seit drei Jahren mit der Problematik. Ihr schwebt eine sogenannte Monoverbrennungsanlage vor. Doch derartiges gibt es derzeit noch nicht. Der Plan der SE-Leiterin wäre eine eigene Gesellschaft, die die Stadt mit acht weiteren Kommunen gründen könnte, um den Klärschlamm der beteiligten Gesellschafter zu entsorgen. Favorisierte Option ist der Bau einer Anlage in Hildesheim, wo aus der bei der Verbrennung entstehenden Asche – wie vom Gesetzgeber gewünscht – Phosphor gewonnen werden kann. Dieser wird danach wiederum der Düngemittelproduktion zugeführt. Neben Langenhagen wären nach derzeitigem Stand Barsinghausen, Celle, Göttingen, Hameln, Hildesheim, Peine, Salzgitter und Verden/Aller beteiligt.

Enercity überrascht Stadt und Politik

Aktuell lässt die Stadt den Klärschlamm in der Zementindustrie oder in Kohlekraftwerken mitverbrennen. Doch perspektivisch ist das nicht mehr erlaubt, weil dort kein Phosphor aus der Asche generiert werden kann. Nun soll sich die Langenhagener Politik mit der Gründung einer Gesellschaft und deren Rechtsform befassen. Doch im jüngsten Finanzausschuss gab es eine Überraschung. Denn nach einem Bericht in dieser Zeitung hatten sich auch die Firma Enercity als Entsorger ins Gespräch gebracht. Sie informierten mittels Schreiben Stadtverwaltung und Politik.

„Wir haben mit den Planungen für die Anlage Anfang 2017 begonnen. Dabei verfolgen wir von Anbeginn an das Konzept der Monoverbrennung mit Einspeisung der Überschusswärme in das Fernwärmenetz“, sagte dazu auf Anfrage Manfred Schüle, Geschäftsführer von Enercity Contracting. Und Schüle ist in Langenhagen kein Unbekannter, denn er ist auch Chef der Energie-Projekt-Gesellschaft (EPL), einer Tochter von Stadt und Enercity. Er betont, dass die Grundstücksmodalitäten für die Verbrennungsanlage auf dem Aha-Areal in Lahe mittels Erbpachtvertrag bereits unterzeichnet worden sind, der Betrieb 2022 aufgenommen werden soll.

Und ganz wichtig: „Die Kosten werden sich bei uns jedenfalls im wettbewerbsfähigen und marktgerechten Bereich bewegen“, kündigt Schüle an und zitiert gesetzliche Vorgaben. Es haben seinen Angaben zufolge bereits mehrere Kommunen aus der Region Interesse bekundet. „Für uns haben auch die Kommunen in der Region Hannover Vorrang, denn es ist aus klimapolitischen Überlegungen sinnvoll, die Transportwege für den Klärschlamm minimal zu halten“, sagt der Geschäftsführer. Und die künftige Anlage sei so dimensioniert, dass sie wirtschaftlich betrieben werden kann. „Kleinere Anlagen, die nicht ausreichende Mengen an Klärschlamm verbrennen, können nicht mithalten.“

Verwaltung sieht keine Entsorgungssicherheit

Dem Angebot steht Bosold kritisch gegenüber. Denn Enercity agiere „gewinnorientiert“ und Langenhagen habe keine Mitbestimmungsmöglichkeiten, warnte sie. Und es gebe zudem keine Entsorgungssicherheit. Denn ein Vorvertrag sei ihren Angaben zufolge rechtlich nicht möglich. Und es bestehe für die Stadt die Pflicht, einer europaweiten Ausschreibung. Ob dann Enercity zum Zuge komme, sei fraglich.

„Die Kommunen müssen jetzt schon die Verwertung von Klärschlamm ausschreiben. Das wird auch bei der Verwertung in unserer Anlage so sein“, betont indes Schüle. Das liege aber am Vergaberecht und nicht primär an den geltenden Bedingungen. „Dennoch glauben wir nicht, dass sich deutschlandweit oder gar europaweit beliebige Anbieter interessieren werden.“ Denn in jeder Ausschreibung würden umweltpolitischen Kriterien eine Rolle spielen, wie etwa die Entfernung für den Transport des Klärschlamms. „Damit wird nur der norddeutsche Raum in Frage kommen. Da besteht ein gesunder Wettbewerb und eine gute Versorgungslage bereits jetzt“, sagt er.

Bürgermeister zeigt sich erstaunt

Über das nun präsentierte Enercity-Angebot zeigt sich Langenhagens Bürgermeister Mirko Heuer überrascht. Er sei nach eigenen Angaben Beiratsvorsitzender bei Enercity, doch das sei bislang niemals Thema gewesen. Er machte auch deutlich, dass die Firma, wie andere Entsorger auch, Geld verdienen wollen. „Dass ist aber nicht im Sinne der Kommunen“, warb Heuer für die Gründung einer eigenen Gesellschaft. Denn man wolle damit keine Gewinne damit erzielen, sondern eine sichere Entsorgung und stabile Gebühren garantieren, betonte der Verwaltungschef.

Angesichts dieser Entwicklung sahen sich die Mitglieder des Finanzausschusses nicht in der Lage, über eine mögliche Rechtsform einer zu gründenden Gesellschaft zu befinden. Das Thema geht nun noch einmal zur weiteren Beratung in die Fraktionen. In der Folge wird dieser Punkt auch von der Tagesordnung des am Montag, 24. September, zusammenkommenden Rates gestrichen.

Das sind die Themen im Langenhagener Rat

Die Sitzung des Langenhagener Rates beginnt am Montag, 24. September, um 18.30 Uhr im Ratssaal des Rathauses, Marktplatz 1. Auf der Tagesordnung steht unter anderem eine Entscheidung über die Ehrenamtsrichtlinie sowie über die Schülerverpflegung. Der Plan der Stadtverwaltung sieht an den Langenhagener Schulen bis auf die IGS vor, sogenannte Ausgabeküchen für das System „Cook-and-chill“ einzurichten. Dafür sollen in einer Zentralküche die aktuell 2500 Schulessen hergestellt werden. Zudem wird es auf Antrag der BBL-Fraktion eine aktuelle Aussprache zum Thema „Masterplan für IGS-Neubau verschiebt sich weiter“ geben. Ein weiterer Punkt ist die Ernennung des Schulenburger Ortsbrandmeisters Jens Koch für eine weitere, sechsjährige Amtszeit. Auch der Antrag der Linken-Ratsfrau Felicitas Weck zwecks kommunaler Unterstützung der geplanten Klage der Arbeitsgemeinschaft „Besser ohne Nachtflug - Hannover Airport (BON-HA) steht zur Debatte. Zudem sollen die Gewinner des Architektenwettbewerbs für den Neubau des Gymnasiums an der Pferderennbahn bekanntgegeben werden. Zu Beginn und zum Ende der öffentlichen Sitzung können Bürger Fragen an die Ratsmitglieder und Verwaltungsmitarbeiter richten.

Von Sven Warnecke

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