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Langenhagen MTU baut Werk in Langenhagen aus
Aus der Region Region Hannover Langenhagen MTU baut Werk in Langenhagen aus
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00:16 30.01.2019
Die dunkelblau gefärbten Gebäude sollen bis Herbst 2020 fertig gestellt werden. Quelle: MTU
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Godshorn

Der Triebwerksspezialist MTU Maintenance plant nur fünf Jahre nach dem letzten Neubau an der Münchner Straße das nächste millionenschwere Projekt: Für gut 43 Millionen Euro lässt sie einen neuen Hallen- und Bürogebäudekomplex bauen, den sie als Mieterin übernehmen wird. Bauherrin ist wie bei der 2013 übernommenen Logistikhalle die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WfG), die zu gleichen Teilen der Stadt Langenhagen und der Flughafen-Gesellschaft gehört. „Das ist ein klares Commitment zum Standort und eine Reaktion auf das weiterhin ungebremste Wachstum“, sagte Holger Sindemann, Geschäftsführer am Standort Langenhagen, jetzt dieser Zeitung.

Geplant ist bis September 2020 ein Hallenkomplex mit allein rund 22.000 Quadratmetern. Bis Juni 2021 folgt ein „innovativ aufgebautes Bürogebäude“ mit 6800 Quadratmetern Brutto-Geschossfläche direkt an der Münchner Straße. Hinzu kommen 280 zusätzliche Parkplätze für die Mitarbeiter. Der Neubau ersetzt vor allem jene Produktions- und Büroflächen, die die MTU erst in jüngerer Vergangenheit Stück um Stück in einem Gebäude auf der nördlichen Seite der Münchner Straße mieten musste. „Mit dem Neubau geben wir diese Flächen auf. Unter dem Strich wachsen die Lagerflächen dann nur um 15 Prozent und die Büroflächen um 10 Prozent“, erläuterte Sindemann bei der Präsentation des Projektes. Baubeginn, hofft der kaufmännische Leiter Alexander Engel, werde im Frühjahr 2019 sein. „Sobald der Winter vorbei ist.“ Der neue Bürobau erlaubt dem Unternehmen die Sanierung der vor bald 40 Jahren entstandenen alten Verwaltungsgebäude. „Ob wir die sanieren oder abreißen und dann neu bauen, ist noch offen“, kündigte Sindemann an.

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Neubau ist Reaktion auf Branchen-Wachstum

So wie die am unteren Bildrand sichtbare Halle will die die Wirtschaftsförderungsgesellschaft auch die neuen Gebäude errichten und danach an die MTU vermieten. Quelle: MTU

Wie rasant das Unternehmen mit Zentralsitz in München in den vergangenen Jahren gewachsen ist, verrät ein Blick auf die Zahl der Arbeitnehmer. „Bis 2015 hatten wir in Langenhagen 1700 Mitarbeiter“, berichtete Sindemann. „Jetzt sind wir bei 2300 und suchen noch weitere 100 neue Mitarbeiter.“ Bis Ende vergangenen Jahres seien die Neuanstellungen gut vorangegangen. „Doch seit Beginn dieses Jahres ist der Markt quasi leergefegt.“ Ursache des Wachstums sei die Verquickung zweier Faktoren: „Der zivile Luftverkehr wächst und damit auch die Nachfrage nach neuen Flugzeugen. Mit der Verkehrszunahme verbunden ist jedoch auch die Nachfrage nach der Entwicklung neuerer und damit sprit- und lärmsparender Triebwerke.“

Noch im November 2015 hatte die MTU auf eigene Kosten eine Fußgängerampel installieren lassen, um die Mitarbeiter sicher in die gemieteten Flächen im AirCargo-Logistikcenter leiten zu können. Dass dieser Bedarf sich so schnell und so stark ausweiten würde, hat Sindemann, wie er mit einem Schmunzeln zugibt, letztlich doch überrascht. „Jetzt haben wir dort 80 Prozent der Produktionsflächen gemietet und fünf von insgesamt sechs Gebäuderiegeln – diese Wege kosten uns viel zu viel Zeit.“

Für die vielen Mitarbeiter, die im gegenüberliegenden Gebäudekomplex untergebracht sind, wurde eigens eine Fußgängerampel installiert. Quelle: Rebekka Neander

Vertragsabschluss geräuschlos hinter verschlossenen Türen

Während es im Vorfeld des Hallenneubaus 2012 monatelange Debatten in den politischen Gremien Langenhagens gab, verlief dieser Vertragsabschluss nahezu geräuschlos hinter verschlossenen Türen. Denn er basiert auf demselben Konstrukt, um das seinerzeit noch hart gerungen worden war: Die WfG übernimmt als ein weiteres ihrer Projekte den Bau und die Kreditfinanzierung für die MTU Maintenance, bindet diese allerdings mit einem umfänglichen Vertragswerk als Mieterin an das Objekt. „Den ersten Vorstoß haben wir Ende 2017 bei der Stadt unternommen“, berichtete Engel im Gespräch mit dieser Zeitung. Bereits im April 2018 habe es zwischen WfG und MTU einen „Letter of Intent“ gegeben. Bis Ende Februar 2019 rechnet WfG-Geschäftsführer Jens Monsen mit dem fertigen Bauantrag. „Erste Abstimmungen mit der Bauabteilung der Stadt hat es allerdings bereits gegeben.“

Das insgesamt 78.000 Quadratmeter große Grundstück, das die Entwicklungsgesellschaft Langenhagen (EL), eine hundertprozentige Tochter der Stadt, bereits 2012 von der Region gekauft hatte, wird der MTU in Erbpacht überlassen. Mit dem jetzt neu abgeschlossenen Vertrag wurden die Fristen auch für die bereits gebaute Logistikhalle harmonisiert. Der Mietvertrag für alle durch die WfG gebauten Objekte läuft jetzt bis Ende 2036. Mit dem nun vereinbarten Bau schrumpft die Freifläche des jetzt noch landwirtschaftlich beackerten Areals auf 6000 Quadratmeter. „Das ist dann die allerletzte Ausbaureserve“, sagte Engel.

Die letzt noch freie Gewerbefläche südlich der Münchner Straße hatte die Wirtschaftsförderungsgesellschaft seit Jahren mit Blick auf die MTU freigehalten. Quelle: Rebekka Neander

Von Rebekka Neander