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Langenhagen Schulen positionieren sich gegen AfD-Portal
Aus der Region Region Hannover Langenhagen Schulen positionieren sich gegen AfD-Portal
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00:16 29.12.2018
Beeinflussen Langenhagens Lehrkräfte ihre Schüler bei der politischen Bildung? Nein, heißt es an den weiterführenden Schulen. Quelle: picture alliance/dpa
Langenhagen

 Nach dem Vorstoß der IGS Garbsen gegen das Internet-Portal der AfD „Neutrale Lehrer“ positionieren sich nun auch die weiterführenden Schulen in Langenhagen. IGS-Rektor Timo Heiken schwebt eine „Langenhagener Erklärung“ aller weiterführenden Schulen der Flughafenstadt vor, in deren Gestaltung er auch Schüler und Eltern einbinden möchte. Erste Ideen seien in der Dienstbesprechung der größten Langenhagener Schule bereits entwickelt worden. Im Januar solle dies weiter konkretisiert werden. Anlass ist eine Erklärung der IGS Garbsen, die sich klar gegen das Portal der AfD positioniert hatte, in dem Lehrkräfte gemeldet werden können, die ihre Schüler in der politischen Meinungsbildung beeinflussen und damit gegen ihr Neutralitätsgebot verstoßen.

Heiken dürfte damit bei seinen Kollegen offene Türen einlaufen: Das Kollegium der IGS Süd, schreibt seine Amtskollegin Mascha Brandt auf Nachfrage dieser Zeitung, lehne den Aufruf der AfD, Lehrkräfte zu melden, „entschieden ab“. Die AfD „gibt auf diesem Portal vor, dass das Neutralitätsgebot wieder in das Bewusstsein“ von Schülern, Eltern und Lehrkräften „zu rücken sei“, führt Brandt aus. „Dies werten wir als eine anmaßende Unterstellung.“ Die kritische Auseinandersetzung mit kontroversen Äußerungen aller Parteien „ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Bildungsauftrages“. Dieser verfolge das Ziel, die Kinder und Jugendlichen zur politischen Teilhabe zu befähigen. Wenn Politiker „menschenverachtende und diskriminierende Aussagen tätigen, bildet dies den Anlass, sich mit solchen Positionen im Rahmen des Unterrichts sachlich auseinander zu setzen.“ Die Schule sehe folglich in der Einrichtung des Portals „Neutrale Lehrer“ einen „unakzeptablen Versuch“, Lehrkräfte „einzuschüchtern“.

„Als Mittel des Cybermobbings entlarven“

Im Gymnasium Langenhagen wird das Portal, auf dem der AfD-Landesverband Niedersachsen ankündigt, Beschwerden an die Landesschulbehörde weiterzugeben, als ein Akt der „Hilflosigkeit gegen die intellektuelle Freiheit“ gedeutet. Man versuche „Andersdenkende einzuschüchtern und den öffentlichen Diskurs zu meiden“, schreibt die stellvertretende Schulleiterin Silke Kaune dieser Zeitung. Das Kollegium habe die AfD-Aktion „gelassen zur Kenntnis genommen“, allerdings im Unterricht thematisiert: „Das hat die letzten Tage vor Weihnachten noch einmal mit kontroversen Diskussionen bereichert.“ Auch Autoritäten wie Lehrkräfte sollten von Schülern in Frage gestellt, „nicht aber in einem Portal ohne hinreichende Begründung gemeldet werden“ dürfen. Kaune ordnet diese AfD-Aktion ähnlich ein wie die Seite „Ich beichte“ auf dem Portal Instagramm. Schüler bedürfen laut Kaune einer Medienkompetenz, die helfe, solche Seiten als „Mittel zu entlarven, andere einzuschüchtern, herabzusetzen und zu beleidigen, so dass sich hier Strukturen von Cybermobbing bilden können, die gegen die Menschenwürde verstoßen und mehrere Straftatbestände beinhalten können.“

In der Robert-Koch-Realschule haben sich Lehrkräfte und Schüler bislang noch nicht offiziell mit der AfD-Aktion beschäftigt, wie Schulleiter Thomas Kelber mitteilt. Allerdings fühle sich das Kollegium dem Grundsatz des „Beutelsbacher Konsens“ verpflichtet, der seit 1976 als Standard für den politisch-historischen Unterricht an allen Schulen gilt. Danach ist es nicht erlaubt, Schüler „im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln und damit an der Gewinnung eines selbständigen Urteils zu hindern“. Informationen seien immer wichtig, schreibt Kelber, gleichwohl frage er sich, warum er bei dem Vorstoß der AfD den „Gedanken der Hetze“ nicht loswerde.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat Niedersachsens Lehrkräften einen Brief geschrieben, wie sie mit dem Portal umgehen können.

Hinz: „Schule darf kein Kampfplatz sein“

Der Langenhagener Sprecher der AfD-Fraktion im Rat, Achim Hinz, unterstützt die Aktion seines Landesverbandes: „Die Schule darf nicht zum Kampfplatz politischer Ideologien werden. Insofern begrüße ich die Einrichtung eines solchen Meldeportals.“ Beispiele einer politischen Beeinflussung im Unterricht nennt Hinz nicht, führt allerdings die Abweisung des Kindes eines AfD-Politikers an einer Berliner Waldorf-Schule mit Hinweis auf das politische Engagement des Vaters als Beleg für die Notwendigkeit des Portals an. „Ich würde mir wünschen, dass dort erst gar keine Verstöße gemeldet würden“, schreibt Hinz dieser Zeitung. Es sei das „gute Recht“ der IGS Garbsen, das Portal abzulehnen, gleichwohl sei dieses notwendig, da „einige Lehrkräfte sich anscheinend nicht daran halten können, politisch neutral zu sein, und ihre ideologische Gesinnung an die Schüler weitergeben.“ Einfluss auf die gegenwärtige Zusammenarbeit zwischen Rat und Schulen bei der Gestaltung der massiven Um- und Neubauten in Langenhagen werde das Portal „nicht im Geringsten“ haben. „Wir werden weiter auf die Belange der Langenhagener Schulen und Schüler eingehen und sie gemeinsam diskutieren.“

Von Rebekka Neander

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