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Langenhagen CDU brütet noch bis Ende November über Etat
Aus der Region Region Hannover Langenhagen CDU brütet noch bis Ende November über Etat
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15:18 03.11.2019
Domenic Veltrup (links) lässt sich von Raoul Haak die Bedienung von Saug- und Spülwagen erklären. Quelle: Stephan Hartung
Langenhagen

Sind Langenhagens Finanzen noch zu retten? Die CDU-Fraktion im Langenhagener Rat hat die Sommermonate auf ganz eigene Weise genutzt, um sich ein besseres Bild über die Arbeit der Stadtverwaltung zu verschaffen. Der Posten der Personalkosten stellt mit gut 50 Millionen Euro einen der bedeutendsten im Gesamtetat dar. Nach gut einem Dutzend an Hospitationen zwischen Straßenreinigung und Sozialamt, Stadtbücherei und Schwimmbad kann sich die Verwaltung jetzt zwar offenbar großen Respektes sicher sein. Wo die Christdemokraten künftig jedoch den Rotstift ansetzen werden, bleibt ihr Geheimnis. Vorerst zumindest: Ende November schließt sich die CDU-Fraktion zur Haushaltsklausur ein. Und soviel ist vorab offenbar schon klar: Ein „Rasenmäher“-Vorschlag für alle Bereiche werde es eher nicht.

Die Stadtentwässerung (Domenic Veltrup), die Stadtbibliothek (Jessica Golatka), das Ordnungswesen (Bettina Auras), das Sozialamt (Ute Biehlmann-Sprung), die Parkranger (Uwe Gülke), das Jugendamt (Gabriele Spier) sowie die Wasserwelt (Horst-Dieter Soltau) gehörten bislang zu den Zielen der Ein-Tages-Praktikanten. „Wir wollten uns einen eigenen Einblick in die alltägliche Arbeit der Verwaltung verschaffen“, erläuterte CDU-Fraktionschef Reinhard Grabowsky jetzt im Gespräch mit dieser Zeitung. Er selbst musste seine Hospitation aus Krankheitsgründen verschieben, sie steht noch aus. Zu oft machten die Politiker in den Ausschuss-Sitzungen die Arbeit der Verwaltung schlecht, sagt Grabowsky. Die eigenen Vorurteile zu hinterfragen sei nun Ziel der Aktion gewesen.

Angelika Otte zeigt Horst-Dieter Soltau, wo er die Fenster putzen muss. Quelle: Stephan Hartung

Praktikanten sind voll des Lobes für Verwaltung

Das dürfte soweit geglückt sein. Die Praktikanten sind dieser Tage voll des Lobes. Für den Gleichmut, mit dem die Parkranger den Pöbeleien manch uneinsichtiger Seebesucher aushielten. Für die Menge an Müll, die das Team des Betriebshofes tagtäglich aus Langenhagens Grünanlagen klauben müsse. Für die Komplexität der Vorgänge im Jugendamt, deren zeitliche Dauer die Politik oft nicht glauben wolle. Für die Sensibilität der Mitarbeiter im Sozialamt, die jenen jede Scham nähmen, die die Büros an der Schützenstraße aufsuchen müssten. Oder auch für das leider von viel zu wenigen genutzte große Angebot der Stadtbibliothek. „Ich habe morgens beim Kaffee und dem Blick aus dem Fenster gestaunt, dass der Platz vor unserem Küchenfenster immer schon sauber ist“, berichtete Veltrup. Daher heuerte er für einen Tag bei der Stadtentwässerung an.

Stellenplan erweitern? Sparzwang verbietet dies

Hätten sie unbegrenzt Geld zur Verfügung, soviel scheint nach dem ersten Einblick festzustehen, würde wohl jeder der Christdemokraten dem besuchten Team noch mehr Stellen für die Menge der Arbeit bereitstellen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Der seit Jahren wachsende Stellenplan ist alljährlich einer der Hauptkritikpunkte der Politik, wenn es um den bevorstehenden Haushalt geht. Zum anderen schafft der Fachkräftemangel eigene Fakten. Rund 200 Stellen sind in der Langenhagener Verwaltung aktuell nicht besetzt. Und deshalb, so Stadtverbandsvorsitzende Jessica Golatka, habe sich die Fraktion mit dem Knüpfen neuer Bande mit den Menschen hinter den Behördentiteln zwar das Leben nicht leichter gemacht. Wohl aber seien sie bei künftigen (Spar-)Beschlüssen noch stärker um einen gegenseitigen Austausch bemüht.

„Wir brauchen eine klare Mehrheit“

Erste Ideen für den Haushalt 2020 sind in der Gruppe CDU/Hinz bereits angedacht. Ende November ziehen sich die Christdemokraten, die mit dem Einzelratsherrn Marc Hinz eine Gruppe gebildet haben, zur Klausursitzung zurück. Dass gespart werden muss, womöglich auch am Personal, sei allen klar. Mit einem über alle Bereiche ausgedehnten Rasenmäher-Beschluss rechnet CDU-Ratsherr Domenic Veltrup nicht (mehr). Einen solchen habe er vor wenigen Jahren noch während seiner Zugehörigkeit zur BBL unterstützt, dann aber erkannt, dass dies keine taugliche Lösung sei. Es gehe dabei allerdings nicht nur um die Ansatzpunkte des Rotstifts, sondern auch um das Timing, ergänzt seine Fraktionskollegin, die Stadtverbandsvorsitzende Jessica Golatka.

Klar ist dagegen schon jetzt eine andere Erkenntnis: „Langenhagen braucht eine klare Mehrheit“, sagt Veltrup. Nach der letzten Kommunalwahl war es im Langenhagener Rat zu keiner festen Koalition gekommen. Seither ringt das zwischenzeitlich auf 10 verschiedene Parteien und Gruppierungen zersplitterte Gremium immer wieder um neue Mehrheiten. Dies, so Golatka, habe der Stadt nicht gut getan. Nach der nächsten Wahl 2021 müsse dies anders werden.

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