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Langenhagen DLRG-Jugend holt Landesmeisterschaften nach Langenhagen
Aus der Region Region Hannover Langenhagen DLRG-Jugend holt Landesmeisterschaften nach Langenhagen
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00:18 01.04.2019
Bei den Landesmeisterschaften treten DLRG-Mitglieder zwischen 10 und 18 Jahren gegeneinander an. Quelle: DLRG
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Langenhagen

Die DLRG Langenhagen ist vom 11. bis 14. April Gastgeberin der Landesmeisterschaften der Jugend. „Seitdem das neue Schwimmbad fertig ist, war es immer unser Ziel, Gastgeberin für die größten Wettkämpfe auf dieser Ebene sein zu können“, sagt Ortsgruppenchef Torsten Semmler. Die insgesamt rund 2000 Besucher (davon allein 1300 Teilnehmer an den Wettkämpfen) werden für drei Nächte in Klassenräumen der IGS Langenhagen sowie der IGS Süd untergebracht. Das Sportbecken der Wasserwelt ist während der zwei Wettkampftage am Freitag und Sonnabend für den öffentlichen Schwimmbetrieb gesperrt. Rund 400 Helfer stellt die DLRG dafür. Die Meisterschaft ist die größte ihrer Art in Deutschland. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und Semmler ist zuversichtlich: „Wir freuen uns sehr darauf.“

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Hinter den Kulissen aber braut sich seit einigen Tagen ein Streit zumindest zwischen Politik und Stadtverwaltung zusammen. Denn: Hätten sich in der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses nicht einige Lehrkräfte und Eltern über die Auswirkungen der Veranstaltung auf ihren Alltag beschwert, wüssten die Gremien bis heute nichts von der Veranstaltung. Zumindest nicht offiziell. Für die Ratssitzung am Montag, 1. April, hat die BBL-Fraktion nun den Antrag auf „Aktuelle Aussprache“ gestellt. Sie steht mit dieser Bitte im Rat nicht alleine. Auch der SPD-Fraktionschef Marc Köhler fühlt sich insbesondere von der Verwaltungsspitze nicht ausreichend informiert. Ebenso Dirk Musfeldt im Namen der Grünen/Unabhängigen: „Wir wären gern ins Boot geholt worden.“ Einig sind sich die Politiker jedoch in einem Punkt: „Die DLRG macht hier einen zu 100 Prozent professionellen Job“, sagte BBL-Ratsherr Jens Mommsen dieser Zeitung. „Die Meisterschaft hier ist eine gute Sache“, sagte Köhler. „Wir hätten lieber öffentlich gesagt, dass wir als Stadt gerne Sponsor der Veranstaltung sind“, ergänzte Musfeldt. Bernhard Döhner indessen kann für die CDU die Aufregung nicht verstehen. Er wisse um die Veranstaltung seit einem Jahr. „Das Brandschutz-Konzept der DLRG ist hervorragend und beispielgebend für andere Verbände“, sagte Döhner. Der Mietpreis, den die GMF als Betreiber der Wasserwelt der DLRG berechne, sei „äußerst fair“.

Wochen vor den Abiturprüfungen „immer besonders stressig“

Die betroffenen Schulen haben erst vor wenigen Wochen von der Veranstaltung erfahren, die Langenhagens DLRG-Chef Semmler nach eigenen Worten bereits 2017 in einem ersten Brief an die Stadt genannt hat und über die regelmäßig auch während der Jahresversammlung „in Gegenwart von Ratsmitgliedern“ gesprochen worden sei. Aus den von der Aktion betroffenen Klassenräumen müssen vor den Ferien Wertgegenstände und Materialien entfernt werden, die auf die Identität der Kinder hinweisen. „Die Wochen vor den Osterferien sind aufgrund der Abiturprüfungen bei uns immer sehr stressig“, sagte IGS-Leiter Timo Heiken am Freitag dieser Zeitung. „Da zählt alles, was obendrauf kommt.“ Doch sowohl Heiken als auch seine Amtskollegin Mascha Brandt an der IGS-Süd unterstützen die Meisterschaften und begrüßen, dass sie nach Langenhagen geholt werden konnten. Insbesondere die Hausmeister seien rechtzeitig von der Verwaltung ins Bild gesetzt worden.

„Bürgermeister hat sich entschuldigt, und damit ist es gut“

Gegenüber den Schulen räumt Bürgermeister Mirko Heuer ein gewisses Versäumnis ein. Er sei einfach davon ausgegangen, dass die Schulen im Zuge der seit Monaten laufenden Vorbereitungen des umfänglichen Genehmigungsverfahrens direkt informiert worden seien, sagte Heuer am Freitag dieser Zeitung. „Der Bürgermeister hat sich entschuldigt, und damit ist es gut“, bestätigte Heiken. Einziges wirkliches Ärgernis sei die teilweise Sperrung der Sporthalle gewesen. Dort wurde eine zusätzliche Fluchttür eingebaut, ein Drittel der Halle war deshalb für mehrere Tage nicht für den Unterricht nutzbar. „Die Tür brauchen wir nicht nur für diese Veranstaltungen“, betonte Heuer. Einzig der Termin, „den wir sonst natürlich in die Ferien gelegt hätten“, so Heuer, sei der DLRG geschuldet gewesen. Die Kosten dafür beziffert Heuer auf 2500 Euro. „Dies wie alle anderen Vorbereitungen sind klar Geschäft der laufenden Verwaltung.“ Und an die Politik gerichtet: „Wir haben formal alles richtig gemacht.“

Landesmeisterschaften: Was wann wo?

Für die Landesmeisterschaften der Jugend und Senioren benötigt die DLRG rund 100 Klassenräume und zwei Sporthallen in Langenhagen. Rund 400 Helfer sind dafür ehrenamtlich im Dienst, erläutert Christoph Penning als langjähriges Vorstandsmitglied der DLRG-Landesjugend. Der Landesverband der DLRG-Jugend Niedersachsen ist mit 56.000 Mitgliedern der größte in Deutschland. 1300 Mitglieder zwischen 10 und 18 Jahren gehen in Langenhagen an den Start. Hinzu kommen gut 200 Besucher des Landesjugendtreffens. Noch einmal 300 Senioren werden nur am 13. April im hannoverschen Fössebad ihre Landesmeisterschaften austragen, ein großer Teil davon sind Betreuer bei den Jugendwettkämpfen. Etwa 1300 Personen werden in der IGS Langenhagen übernachten, rund 700 in der IGS Süd. Die Wettkämpfe sind nur für Familienmitglieder öffentlich.

Für die gemeinsame Siegerehrung baut die DLRG-Langenhagen bereits ab Montag, 8. April, die große Sporthalle an der Konrad-Adenauer-Straße um. Dort entsteht das „Night Center“ auch für Party und Disko. „Wir richten dort auch eine Weinstube ein“, berichtet der Langenhagener Ortsgruppenleiter Torsten Semmler. In der kleinen Sporthalle entstehen Programmpunkte für das Landesjugendtreffen. Zudem werde zu Beginn von jedem genutzten Schulraum ein genaues Foto-Protokoll angefertigt. „Die Sitzordnung wird auf der Tafel aufgemalt, damit wir am Sonntag alles wieder genau so herrichten können.“ Die Landesjugend jedoch bezahlt und organisiert den kompletten Rest inklusive „WC-Trupp“. „Zehn Freiwillige werden die gesamten Tage nichts anderes tun, als die Klos zu putzen“, sagt Penning. Die genutzten Schulbereiche werden abgeschirmt. „Zutritt erhalten nur registrierte Teilnehmer.“ Für die Wettkampftage bauen die städtischen Hausmeister eine alte Schließanlage in die betroffenen Räume. Zusätzliche Kosten entstehen der Stadt nach eigenen Angaben dadurch nicht. Auch die Endreinigung laufe auf Kosten der DLRG.

Dass die endgültige Genehmigung der Meisterschaften erst Anfang März von der Stadt ausgesprochen wurde, liegt nach Angaben von Marcel Neure aus der Abteilung für Marketing und Kommunikation unter anderem an der sehr genauen Prüfung aller Flucht- und Rettungswege durch das Bauamt. „Alle Teilnehmer sind Mitglieder der DLRG und damit an Einsatzstrukturen gewöhnt“, sagt Penning. „Unser Anspruch ist es, die Schulen tiptop wieder zu hinterlassen.“

Von Rebekka Neander