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Langenhagen Schulen: Geld für Computer ist da – aber das Personal fehlt
Aus der Region Region Hannover Langenhagen Schulen: Geld für Computer ist da – aber das Personal fehlt
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17:41 19.11.2019
Tobias Hunfeld von der Landesschulbehörde hält einen Vortrag. Quelle: Stephan Hartung
Langenhagen

Die Digitalisierung der Langenhagener Schulen kommt nur langsam voran. Theoretisch stehen der Stadt dafür 2,45 Millionen Euro für alle Grundschulen und weiterführenden Schulen zur Verfügung. Praktisch aber sind viele Fragen vor allem bezüglich besserer Infrastruktur, der Unterstützung seitens der Stadt und der Fortbildung für Lehrkräfte noch offen. Das wurde bei der Sondersitzung des Bildungsausschuss zum Thema Digitale Zukunftsschule deutlich, die erst nach knapp drei Stunden beendet war.

„Der Digitalpakt ist kein Gerätefinanzierungspakt, sondern die Schulen werden an eine Infrastruktur angeschlossen, um die Schüler durch gute Medien- und Bildungskonzepte fit für die Zukunft zu machen“, sagte Tobias Hunfeld von der Landesschulbehörde. Ziel sei es, dass die Schüler ihre eigenen EndGeräte in der Schule nutzen können. Wer keins habe oder nicht das nötige Geld zum Erwerb, könne sich durch von der Behörde angebotene Modelle ein mobiles Endgerät für 14 Euro im Monat mieten, sagte Hunfeld, der vom sogenannten „hybriden Lernen“ spricht. „Man schafft Schulbücher trotzdem nicht ab und sollte auch weiterhin, statt nur auf dem Endgerät zu tippen, mit der eigenen Handschrift arbeiten.“

Der Ausschuss spricht über die digitale Schulzukunft. Quelle: Stephan Hartung

Absturz bei Update

Und damit trotz Digitalisierung nicht doch die Rückkehr zum Unterricht alter Lesart kommt, muss hinsichtlich der Infrastrukturversorgung noch viel passieren, hieß es im Ausschuss. Gymnasium und IGS werden beispielsweise aktuell mit einer Leitungskapazität von jeweils 50 Mbit versorgt, nach Schätzung von Hunfeld hat allein die IGS einen Bedarf von 2 GBit Leitungskapazität.

„Wenn bei uns ein Update notwendig ist, passiert das auf 150 Computern gleichzeitig – und dann stürzt unser komplettes System ab. Dann können wir auch keine iBoards mehr nutzen“, erklärt Matthias Brautlecht, Leiter des Gymnasiums. Auch IGS-Leiter Timo Heinken berichtet davon, dass ein technischer Ausfall schon mal einen kompletten Tag koste. Und damit war die Runde beim grundsätzlichen Problem angelangt, der technischen Unterstüzung durch die Stadt. Der Plan, dass auch in Langenhagen sämtliche Schulen bis 2021 ans schnelle Glasfasernetz angeschlossen sein sollen, sei zwar begrüßenswert.

So geht es weiter

Der Ausschuss für Bildung, Schule und Kultur kam jetzt nach einem Antrag von CDU und SPD zu einer Sondersitzung zum Thema „Digitale Zukunftsschule“ zusammen. Dieses Thema wird auch bei der nächsten regulären Versammlung dieses Gremiums am 6. Februar 2020 auf der Tagesordnung stehen. Weiter geht es am 13. Februar, dann tagt der neu gegründete Medienbeirat, einem Zusammenschluss von Schulvertretern, Fachexperten der Verwaltung und Vertretern des Rates, der am 8. November seine Premiere hatte. In Zukunft könnte es noch eine weitere Zusammenkunft geben. Mascha Brandt, Leiterin der IGS Süd schlug vor, sich auch ohne Beisein der Politik regelmäßig zu treffen. Die Leiter der drei anderen weiterführenden Schulen stimmten ihr zu. Mit der Verwaltung wolle man sich ein Mal im Jahr rund um die Schul-Digitalisierung austauschen.

Das bedeutet aber, dass wenn das unlängst vorgestellte Förderprogramm der Region Hannover nicht greift, die Stadt Langenhagen nun selbst buchstäblich in den Graben steigt und Glasfaserkabel verlegt. Außerdem können die Schüler somit in Zukunft im Unterricht ihre mobilen Endgeräte und die leistungsstarken WLAN-Datenübertragungen nutzen. Doch wer hilft, wenn es ein Problem gibt?

Warten nach Fehlermeldung

Die IT-Abteilung der Stadt ist in solchen Fällen für die Schulen zuständig. „Im Vergleich zu anderen Kommunen in Niedersachsen stehen wir gut da“, sagte Stephan Paul, Leiter der IT im Rathaus. Der Alltag in den Schulen beschreibt allerdings etwas anderes. Die als „Tickets“ titulierten Fehlermeldungen der Schulen ans Rathaus bräuchten zuweilen sehr lange, bis sie abgearbeitet werden können, hieß es in der Sitzung.

Paul räumte im Ausschuss durchaus ein, dass Fachleute auf dem Arbeitsmarkt schwer zu bekommen seien und die IT-Abteilung in der Stadtverwaltung derzeit nicht voll besetzt ist.

Dies sind auf dem Papier maximal sechs Arbeitsplätze, „und zwei Kollegen werden derzeit eingearbeitet“. Mascha Brandt, Leiterin der IGS Süd, unterstrich umgehend, „dass wir den technischen Support brauchen, wir können das nicht allein leisten“. Die Reparatur eines Faxgeräts, das man im Alltag immer noch benötige, habe zuletzt ein halbes Jahr gedauert, sagte Brandt, die daher eine Aufstockung der IT-Abteilung innerhalb der Verwaltung fordert.

Das ist schon passiert

Die nötigen Hardware findet Stück für Stück ihren Weg in die Langenhagener Schulen. Seit 2017 tauschte die Stadt 600 Computer aus. Beschafft wurden zudem 200 interaktive Tafeln, davon entfallen jeweils ein Viertel auf IGS, IGS Süd und Gymnasium. Alle elf Schulen erhalten neue Server mit vielfältigen Funktionen, um die spätere Voraussetzung für WLAN zu schaffen. Es fehlen nur noch die Grundschule in Engelbostel, Godshorn und Krähenwinkel sowie die Adolf-Reichwein-Schule und die Hermann-Löns-Schule. Sie werden im ersten Quartal 2020 ausgestattet. Aktuell sind die elf Schulen zu 75 Prozent mit der nötigen Software versorgt, 100 Prozent möchte die Stadt in spätestens zwei Jahren erreichen.

Nicht alles aber klappt einwandfrei: Wie jetzt bekannt wurde, können in der Grundschule Kaltenweide seit einigen Monaten mehr als ein Dutzend Laptops nicht mehr im Netz genutzt werden, weil im Rathaus niemand Zeit findet, die Geräte in das neue interne Kommunikationsnetz iServ zu integrieren. „Damit geht uns eine ganze Klasse verloren“, sagte Schulleiterin Ursula Starker. Die Computer – neben den Laptops verfügt die Grundschule noch über einen Klassensatz fest positionierter Tischrechner – waren bereits ein knappes Jahr komplett im Einsatz, bis die Stadt die Kaltenweider Grundschule mit iServ bestückte. Dieses System soll eigentlich sicherstellen, dass Lehrkräfte und Kinder in einer datengesicherten Umgebung miteinander kommunizieren können. Dies aber setzt voraus, dass die Geräte jeweils in das System integriert werden. „Das steht für die Laptops nun noch aus“, sagte Starker.

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Von Stephan Hartung

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