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Langenhagen Insektensterben: Auch die Kirche setzt sich jetzt für Bienen ein
Aus der Region Region Hannover Langenhagen Insektensterben: Auch die Kirche setzt sich jetzt für Bienen ein
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16:51 28.08.2019
Gar köstlich: Pastor Frank Foerster probiert direkt von einer Bienenwabe den Honig von Imker Hartmut Münch. Quelle: Sven Warnecke
Langenhagen

„Das Thema Artenschutz und damit einhergehend die Bewahrung der Schöpfung ist für die aktive Langenhagener Kirchengemeinde ein wichtiges Thema“: Daran lässt St.-Paulus-Pastor Frank Foerster keinen Zweifel. Aktuell leben bereits direkt am Kirchturm zahlreiche Wildbienen in einem großen, von Kindern gebastelten Insektenhotel. Weitere Behausungen für summende und surrende Tiere stellten die Kleinen in der Kinderkirche her, und das Gartenteam sät und hegt zahlreiche bienenfreundliche Blumen zwecks Ernährung auf dem Grundstück, ergänzt Gemeindesprecherin Yvonne Riedelt.

Kirche begrüßt neue „Gemeindemitglieder“

Nun konnten die Verantwortlichen Tausende neue „Gemeindemitglieder“ an der Hindenburgstraße 85 begrüßen. „Auch wenn diese wohl mehr summen werden als Kirchenlieder zu singen“, sagt Riedelt mit einem Augenzwinkern. Das Imkerehepaar Monika und Hartmut Münch vom Verein Hannover summt hat jetzt sechs Bienenvölker nach Langenhagen gebracht. Die Insekten haben ihr neues Zuhause hinter dem Gemeindesaal im Kirchengarten bezogen. Die Kästen stehen nun am Fuß einer mächtigen Roteiche, mit vielen Blumen und Blüten vor der Haustür. Bei dem Projekt kooperiert der hannoversche Verein mit der St.-Paulus-Kirche.

Imker und Kirchengemeinde wollen etwas gemeinsam zum Schutz der Insekten tun.

Mit dem Einzug der Bienen geht die Kirche nun noch einen Schritt weiter: Die St.-Paulus-Honigbienen sollen Botschafter für ihre wilden Verwandten sein, die zunehmend in Not geraten. „Für die Bienen ist es in den letzten Jahren immer schwieriger geworden Futter zu finden“, erläutert Imker Münch. „Vor allem der Verlust vieler Kleearten durch ein zu hohes Stickstoffangebot im Boden macht den Insekten zu schaffen.“ Der Standort in Langenhagen hat ihm direkt gefallen. „Hier ist schon ein sehr gutes Angebot an Pflanzen, und auch die Umgebung sieht nach einem guten Revier für Bienen aus.“ Zudem ist das Areal auch eingezäunt. Mit der Barriere und den wachen Augen der Kirchenmitglieder hofft er, so von Vandalismus verschont zu bleiben.

Doch aktuell muss der Imker nun seine Bienen auch füttern. „So üppig zum Teil das Futterangebot im Frühjahr ist, so karg kann es im Sommer ausfallen“, berichtet Münch. Zum Füttern nutzt er Zuckerwasser, das den Insekten in den Körben serviert wird. Bedenken wegen der nahen Friedrich-Ebert-Schule hat er aber nicht. Wer vier bis fünf Meter Abstand von den Körben halte, werde auch nicht gestochen, sagt der Imker. Und in früherer Zeit hatten die Dorfschullehrer einst die Aufgabe der Honigproduktion übernommen, berichtet Münch.

Mit Smoker gaukelt Imker Bienen einen Waldbrand vor

Um jedoch halbwegs gefahrlos an das Innere der Bienenkörbe und auch an die Waben mit dem Honig heranzukommen, nutzt Münch einen sogenannten Smoker. Früher hatten Imker meist Pfeifen oder Zigarren in Brand gesteckt, um Qualm zu erzeugen. Heute wisse man aber, dass dieser Rauch nicht nur für Menschen giftig ist, sondern auch für Bienen. Aus diesem Grund nutzt Münch einen Smoker, in dem lediglich Papier angezündet wird. „Ich gaukele mit dem Qualm den Bienen einen Waldbrand vor“, erläutert er in kindgerechter Sprache.

Und darum geht es auch. Mit dem Bienenstand soll Kindern der St.-Paulus-Gemeinde Wissen über die nützlichen Insekten vermittelt und Verständnis geweckt werden, kündigt Pastor Foerster an. „Kinder sollen lernen, mit Bienen zu leben“, ergänzt Imkerin Monika Münch. „Das ist uns ganz, ganz wichtig.“ Erste Nutznießer sollen die Teilnehmer der Kinderkirche und der kirchlichen Kita werden. Er könne sich aber durchaus auch vorstellen, das Projekt auf die benachbarte Friedrich-Ebert-Schule auszudehnen. Auch Vorträge des Imkers sind in der Kirchengemeinde geplant.

Mit Projekt Verständnis für Insekten wecken

„In ihrer Botschafterfunktion möchte die St.-Paulus-Kirche ihre Bienenvölker als Motivation für die Gemeindemitglieder nutzen, um Garten und Balkon auf Insektenfreundlichkeit zu prüfen und umzustellen“, wirbt Foerster. Dazu zählen Münchs Angaben zufolge Blumen mit ungefüllten Blüten, Spätblüher, Obstbäume und unaufgeräumte Ecken im Garten. Das würde ein Paradies für Honig- und Solitärbienen bedeuten. „Und wenn alle Gemeindemitglieder fleißig Blumen pflanzen, können wir uns im kommenden Jahr auch über St.-Paulus-Honig freuen“, wirbt der Pastor mit einem Schmunzeln.

„Wir freuen uns auf dieses tolle Projekt und hoffen, das Thema Artenschutz und Erhaltung der Schöpfung so noch präsenter zu machen“, betont Pastor Foerster.

Das ist der Verein Hannover summt

Der Verein Hannover summt rund um Gründer Jan Dohren setzt sich für die Stadtökologie und die Artenvielfalt in und um Hannover ein. Er will Bienen und andere Insektenarten schützen und ein Bewusstsein für ihre Bedürfnisse und ihren großen Wert in der Natur schaffen. Dabei spielt jeder Einzelne eine Rolle, denn jeder kann zum Schutz und Erhalt der Insekten beitragen, heißt es vom Verein. Mehr über die Inhalte stehen im Internet aufwww.hannover-summt.de.

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