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Langenhagen Jugendzentrum: Betreibersuche startet neu
Aus der Region Region Hannover Langenhagen Jugendzentrum: Betreibersuche startet neu
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07:55 15.12.2018
Der neue Nordtrakt für das Haus der Jugend ist bereits im Bau. Wer das darin geplante Jugendzentrum betreiben soll, ist derzeit jedoch noch offen. Quelle: Rebekka Neander
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Langenhagen

„Das ist eine ärgerliche Situation.“ Florian König, Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft für Behindertenarbeit (GBA), ist auch am Morgen nach der Sitzung noch hörbar irritiert. Ein wenig gelassener äußert sich Langenhagens Bürgermeister Mirko Heuer. Es sei für die Aktiven durchaus demotivierend, so Heuer, eine unberechtigt negative Darstellung ihres Konzeptes in der Öffentlichkeit lesen zu müssen. All das ändert jedoch nichts. Mit 5 zu 4 Stimmen hat sich im Jugendhilfeausschuss die SPD mit ihrem Antrag durchgesetzt, die Suche nach einem Betreiber des noch im Bau befindlichen sogenannten Nordtrakts am Haus der Jugend noch einmal neu zu starten. Die vorgelegten Konzepte von GBA und Stadt hätten sie noch nicht überzeugt. Gleichwohl seien beide eingeladen, sich einem neuen Verfahren zu stellen.

Unklar, ob GBA Bewerbung offen hält

Ob die GBA noch einmal ihren Hut in den Ring wirft, ist für König noch nicht entschieden. Bis Anfang 2019 wolle er sowohl innerhalb des Teams als auch der Gesellschafter der GBA darüber beraten. „Wenn wir mit unserem Angebot zu teuer gewesen sein sollten, wäre ich froh, man würde mit uns darüber einmal reden.“ Aber nach der nicht öffentlichen Sitzung des Gremiums am 16. November, in der sich GBA und Stadt in jeweils 15 Minuten vorstellen durften, habe es keinerlei Nachfragen gegeben. Auch Heuer hat nach eigenen Worten zunächst überlegt, ob er seine Mitarbeiter in dem neu geschaffenen Jugendamtspart für Schule und außerschulische Betreuung „noch einmal ins Rennen schicken soll“. Doch in Gesprächen mit den Mitarbeitern habe sich herausgeschält, dass diese „für die tolle Aufgabe weiterhin brennen“. Die Trägerschaft der „offenen Jugendarbeit“, wie das Projekt im Nordtrakt offiziell überschrieben ist, ist im Rathaus Chefsache: Die neu geformte Abteilung hat nach dem kurzfristigen Weggang von Frank Labatz derzeit keine Leitung. Die Stelle ist ausgeschrieben, wird aber frühestens im Frühjahr wieder besetzt sein.

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Weil die Stadt selbst zu den Anwärtern gehört, ließ sich der Ausschuss fachlich dazu von Volker Rohde beraten. Rohde war viele Jahre Stadtjugendpfleger in Hannover und arbeitet heute bei der Bundesarbeitsgemeinschaft für offene Kinder- und Jugendeinrichtungen. Er zeigte sich auf Nachfrage dieser Zeitung überrascht, dass die Suche noch einmal neu starten könnte. Beide Konzepte hätten für einen abschließenden Beschluss ausgereicht. Ob sich der Fachmann explizit für einen Bewerber ausgesprochen hat, darüber gingen in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses die Ansichten deutlich auseinander. Vor allem die CDU zeigte sich überaus überzeugt, Rohde habe sich für die Stadt ausgesprochen. Eine E-Mail, die von der Stadtverwaltung im Vorfeld an die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses versandt worden war, wurde in der Sitzung wiederholt zitiert: Die Entwicklung habe Rohde überrascht, weil „mindestens die Vorstellung der Jugendpflege Langenhagen aus meiner Sicht zur Vergabe ausgereicht hätte“.

Berater empfiehlt Aufarbeitung der UJZ-Vergangenheit

Doch sowohl in dieser E-Mail wie auch auf Nachfrage dieser Zeitung ergänzte er, bei beiden vorgelegten Konzepten habe es noch „einiges an Verbesserungsüberlegungen“ gegeben. Die vorgelegten Personal- und Finanz-Ansätze für ein so „zentral gelegenes“ Objekt reichten für eine vollumfängliche offene Jugendarbeit nicht aus. „Da müssen eindeutig noch Priorisierungen erfolgen“, sagte Rohde dieser Zeitung. Die Stadt verfüge zweifelsohne über eine stärkere Personalstruktur und könne daher auch die Bedarfsanalyse besser umsetzen. Die GBA verfüge mit der Trägerschaft für die mobile aufsuchende Jugendarbeit Maja über ein großes Pfund, sei aber noch verhältnismäßig kurz in diesem Sektor engagiert. Dass die Stadt selbst sich um die Trägerschaft beworben habe, sei „ungewöhnlich“, aber „rechtlich in Ordnung“. Nach dem Subsidiaritätsprinzip übernimmt eine Kommune ein derartiges Angebot nur dann selbst, wenn sich gar kein freier Träger findet.

Rohde, der die streitbare Geschichte des früheren und nicht allseits beliebten „Unabhängigen Jugendzentrums“ (UJZ) im inzwischen abgerissenen alten Nordtrakt und dessen „Leuchtturm-Funktion“ in der offenen Jugendarbeit gut kennt, empfiehlt der Stadt ganz unabhängig von der neuen Trägerschaft die Aufarbeitung dieser Vergangenheit. Dass Verwaltung und Kommunalpolitik heute eine hohe Sensibilität für dieses Objekt und die bisherigen Besucher entwickelt habe, wertet Rohde als großen Fortschritt.

Wie geht es weiter?

Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch und die Ausschussvorsitzende Gabi Spier wollen das Verfahren noch vor Weihnachten neu starten: Nach einem öffentlichen Aufruf über die Medien dürfen sich Interessenten bis Mitte Januar melden. Sie erhalten dann sechs Wochen Zeit, ein Konzept vorzulegen. Um für alle ein „möglichst faires Verfahren“ zu gestalten, so Gotzes-Karrasch, werden Stadt und GBA ihre Konzept nicht „nachbessern“, sondern höchstens ergänzen können, falls von neuen Interessenten auch zusätzliche Unterlagen eingefordert werden. „Mit welchem Fragenkatalog wir in das neuen Verfahren gehen, ist noch nicht geklärt“, sagte Gotzes-Karrasch auf Nachfrage. Sie werde bei Volker Rohde anfragen, ob er auch das weitere Verfahren begleiten kann, und dann solche Fragen mit ihm abstimmen.

Die Vergabe der Trägerschaft soll bis zum Frühjahr abgeschlossen, der Neubau bis zum Sommer fertig sein. Ob eine Personalsuche in der Zwischenzeit gelingt, ist fraglich. Der Fachkräftemarkt für Sozialarbeiter ist derzeit sehr belastet. Der GBA ist es bis heute nicht gelungen, einen zweiten Sozialarbeiter für die mobile aufsuchende Jugendarbeit (Maja) zu finden und behilft sich jetzt mit studentischen Hilfskräften. Die Stadt sucht für die drei Jugendtreffs in den Dörfern seit Monaten vergeblich neue Leitungskräfte. Nach einer zweiten Ausschreibungsrunde, so hieß es jetzt im Rathaus, stehe zumindest eine Neuanstellung voraussichtlich bevor.

Kommentar: Für die, die sonst niemand will

Ein Neubau für 1,9 Millionen Euro mitten im Zentrum der Stadt. Barrierefrei, von Fachleuten funktionsgerecht geplant, Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel direkt vor der Tür. Ein Füllhorn netzwerk-fröhlicher Vereine und Angebote direkt nebenan. Für ein Jugendzentrum ein Traum. Oder?

So recht kann derzeit niemand erklären, warum die Bewerber für die Trägerschaft dieses Schmuckstücks nicht bis Hannovers Stadtgrenze Schlange stehen. Der leergefegte Markt für patente Sozialpädagogen mag da seine eigene gewichtige Rolle spielen. Die ebenfalls über die Stadtgrenze hinaus bekannte Historie um das bisherige Unabhängige Jugendzentrum und sein Ende allerdings auch. So richtig geliebt wurde dieser Treffpunkt für all jene, die sonst nirgends gewollt waren, im städtischen Leben jedenfalls nicht.

Dies hat nun offenkundig ein Ende. Mangelndes Interesse am Neustart der offenen Jugendarbeit ist Langenhagens Politik und Stadtverwaltung im nun ablaufenden Jahr jedenfalls nicht (mehr) zu attestieren. Die Jugendlichen, die den Abriss des Vorgängertreffpunkts heftig betrauerten und seither auf der Straße stehen, haben dies mehr als verdient. Wer auch immer den Nordtrakt übernehmen wird, darf sie nicht vergessen.

Von Rebekka Neander

Von Rebekka Neander

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