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Langenhagen Bau-Boom für Kinderbetreuung
Aus der Region Region Hannover Langenhagen Bau-Boom für Kinderbetreuung
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13:15 28.01.2019
Die stadteigene Kita an der Veilchenstraße zwischen Bahndamm und Realschule ist abbruchreif. Quelle: Rebekka Neander
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Langenhagen

„Wir hatten vielleicht zwei Jahre Ruhe, aber jetzt haben wir das Gefühl: Alle ziehen nach Langenhagen.“ Kai Bublitz hat so recht keine Erklärung, warum in den vergangenen Wochen und Monaten die Telefone in der von ihm geleiteten Abteilung für Kindertagesstätten wieder so heiß laufen wie zuletzt in der Hochphase der Flüchtlingsströme 2015. „Eltern rufen hier an, weil sie nach Langenhagen ziehen und dringend einen Kindergartenplatz benötigen.“ Sie kommen aus Hannover oder der Umgegend, aus den Niederlanden oder sogar aus Dänemark. Was Bublitz und Jugendamtsleiterin Heidi von der Ah allerdings tröstet: Unter den vielen Anrufern sind auch bauwillige Kita-Betreiber.

Druck auf Stadt wächst

Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder wächst wieder. Wie Kai Bublitz, Abteilungsleiter Kindertagesstätten, und Jugendamtsleiterin Heidi von der Ah jetzt dem Jugendhilfeausschuss berichtete, haben im laufenden Betreuungsjahr Eltern von 11 Krippen-Kindern ihren Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz offiziell geltend gemacht. „Rechnen wir jene hinzu, die ab dem 1. August für das nächste Kindergartenjahr einen Krippenplatz suchen, sind es insgesamt 18 Anträge“, sagte Bublitz. Im Bereich der Kindergarten-Betreuung seien es im laufenden Jahr 12 Eltern, die ihren Rechtsanspruch offiziell angemeldet haben. Mit dem kommenden Jahr seien es insgesamt 20. „Wir sind mit allen betroffenen Eltern im direkten Kontakt und können, sobald wir eine Lösung gefunden haben, sofort tätig werden“, sagte Bublitz.

Und so wird sich Langenhagens Politik zu Beginn dieses Jahres mit gleich mehreren Vorhaben beschäftigen – „dürfen“, folgt man der Hoffnung der Kita-Verantwortlichen: Darunter das Projekt des Unternehmens KinderHut, das in Godshorn eine Kindertagesstätte mit jeweils gleich drei Kindergarten- und Krippengruppen betreiben will. Neu bauen müsste sie dafür nicht: Sie wollen die bereits für Kinderbetreuung weitgehend umgebauten Geschäftsräume des Godshorners Reiner Godorr nutzen, dem der eigentlich dafür vorgesehene Betreiber einer Montessori-Einrichtung nach Streitereien abhanden gekommen war. Dem Betreiber ist inzwischen von der Landesschulbehörde die Genehmigung eines Schulbetriebes entzogen worden.

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Im sogenannten Blaumen Hof möchte das Unternehmen KinderHut eine Kindertagesstätte eröffnen. Quelle: Rebekka Neander

KinderHut, Godorr und Vertreter der Stadt sind bereits seit einigen Wochen in engen Abstimmungen, und eigentlich hätte das Vorhaben bereits im Jugendhilfeausschuss behandelt werden sollen. „Es fehlt uns noch eine Zahl zum angepeilten Investitionskostenzuschuss, dann können wir die Drucksache der Politik vorlegen“, sagt Bublitz. Aller Voraussicht wird dies in der nächsten Ausschuss-Sitzung am 18. Februar soweit sein.

Neue Kita in Godshorn entlastet Kernstadt und Dörfer

Eine so große Einrichtung für Godshorn ist zwar auf den ersten Blick dort angesichts der Bedarfszahlen nicht zwingend nötig. Gleichwohl unterstützen von der Ah und Bublitz das Vorhaben nachhaltig. „Bei den Krippenplätzen zeigt die Erfahrung, dass der Standort weitgehend unerheblich ist, da die Kinder ohnehin gebracht werden“, sagt von der Ah. Bei den Kindergartenplätzen aber rückte das Angebot die längst eingetretene Verschiebung wieder gerade. „Viele Eltern aus Godshorn müssen bislang ihre Kinder in die übrigen westlichen Dörfer oder auch in die Kernstadt bringen“, sagt Bublitz. Fiele dies weg, entspanne sich die Situation rund herum.

Auch für die Kernstadt, für die aus der Langenhagener Politik der Wunsch nach einer komplett neuen Kindertagesstätte nun gekommen ist. Die Stadt möge, so heißt es in dem Haushaltsbegleitantrag von SPD, Grünen-Unabhängigen und BBL, nach einem neuen Träger suchen. Einen Standort indessen kann derzeit niemand nennen. „Geeignete Grundstücke in der Kernstadt drängen sich auf den ersten Blick nicht auf“, sagt von der Ah. Klar sei nur, dass die Kita Veilchenstraße komplett neu gebaut werden muss. Dies würde von der Ah in jedem Fall wieder am bestehenden Standort verwirklichen. An einer Interimslösung in direkter Nachbarschaft arbeite die Bauverwaltung derzeit. Einfach werde dies – eingeklemmt zwischen Bahndamm und Robert-Koch-Realschule – allerdings nicht. Erste Gedankenspiele, die Kita nach einem Abriss der Eishalle an der Brüsseler Straße zu bauen, erhalten in der Fachabteilung derzeit keinen Kommentar.

Die stadteigene Kita an der Veilchenstraße zwischen Bahndamm und Realschule ist abbruchreif. Quelle: Rebekka Neander

Private Träger stocken Zahl der Gruppen auf

Hinzu kommen zudem Anträge mehrerer privater Träger, zusätzliche Gruppen zu schaffen. Dazu zählt die Elterninitiative KitaZirkel, die in Kaltenweide an der Kananoher Straße einen Raum für eine integrative Gruppe nutzen möchte. Diesem Antrag folgte der Jugendhilfeausschuss bereits einstimmig. Demnächst, so Bublitz, folge aus demselben Haus ein weiterer Antrag: „Da geht es dann um eine Kindergartengruppe in der Nähe der Hermann-Löns-Grundschule.“ Die Stadt selbst erwägt derzeit, im eigenen Kindergarten Kaltenweide eine altersübergreifende, sogenannte Familiengruppe einzurichten, die auch eine Hortbetreuung beinhalten würde.

Neue Grundschule für Kaltenweide?

Der Verein Freie Evangelische Bildungs- und Erziehungseinrichtungen Langenhagen, kurz Febel, möchte in Kaltenweide eine freie Grundschule sowie weitere Kindergartengruppen einrichten. Dazu jedoch fehlt dem Verein noch ein Grundstück. Eigentlich hatte der Verein dabei auf die Hilfe der Stadt gezählt, hat bei diesem Wunsch jetzt jedoch erst einmal eine Absage erhalten.

Im Ortsrat Kaltenweide löste das Ansinnen jetzt eine längere Diskussion aus. Unter anderem, weil den Kommunalpolitikern nicht bekannt war, dass Vereinsvertreter mit derselben Anfrage bereits vor einigen Wochen von der Stadtverwaltung eine abschlägige Auskunft erhalten hatten. „Das war uns nicht bekannt“, sagte Ortsbürgermeister Reinhard Grabowsky (CDU) dieser Zeitung nach der Sitzung. Auch andere Ortsratsmitglieder monierten die ihrer Ansicht nach „falsche Reihenfolge“, wie es hieß. Nicht die Stadt müsse für den Verein ein Grundstück suchen, sondern der Verein könne, sobald er selbst eine Fläche gefunden habe, bei der Stadt die entsprechende Nutzung beantragen.

Nach längerer Diskussion einigte sich das Gremium auf einen Kompromiss: Da die Stadtverwaltung ohnehin in Kaltenweide Alternativflächen für die beiden Hort-Container hinter der Feuerwehr suchen müsse, für deren Fläche der Pachtvertrag 2020 voraussichtlich ende, könne man auch das Febel-Ansinnen im Hinterkopf behalten. Der von der CDU-Kaltenweide eingebrachte Antrag, die Stadt möge Febel unterstützen, wurde in die Fraktion zurückgezogen.

Von Rebekka Neander

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