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Langenhagen Stadt macht Firmen keine Klimaschutzvorgaben – Kritik aus dem Rat
Aus der Region Region Hannover Langenhagen Stadt macht Firmen keine Klimaschutzvorgaben – Kritik aus dem Rat
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16:19 13.09.2019
Das nun von der Stadt verkaufte Grundstück wird aktuell noch als Parkplatz für Flugreisende genutzt. Quelle: Sven Warnecke
Langenhagen

Die Stadt verkauft eine rund 12.000 Quadratmeter große Fläche am Rehkamp an die Firma Seier Familien-KG aus der Gemeinde Wurster Nordseeküste. Zu dem Unternehmen zählt als Tochter auch die in Langenhagen bekannte Gesellschaft Kuhlmann Leitungsbau. Dafür hat der Rat der Stadt am Mittwochabend grünes Licht gegeben. Aber es gab durchaus auch kritische Stimmen an dieser Entscheidung.

So monierten einige Vertreter im Rat, dass dem Unternehmen von Stadtseite aus keinerlei Vorgaben beim Bau in Sachen Klimaschutz gemacht worden – weder für Fotovoltaik noch für begrünte Dächer. Zudem wurde kritisiert, dass statt eines Erbpachtvertrages – wie es der Rat einst bei der Vermarktung kommunaler Grundstücke gefordert hatte – nun verkauft werde.

Kaufpreis liegt bei 1,53 Millionen Euro

Nach Auskunft der Stadtverwaltung beträgt der Kaufpreis für das Areal insgesamt etwa 1,53 Millionen Euro. Das Rathaus rechnet vor, dass der Kaufpreis des Grundstücks von 130 Euro pro Quadratmeter „angemessen“ erscheine und „wirtschaftlich gut vertretbar“ sei. Zudem hätten die am Rehkamp festgestellten Bodenrichtwerte im vergangenen Jahr noch bei 125 Euro pro Quadratmeter gelegen, heißt es in der nun dem Rat zur Entscheidung vorliegenden Drucksache. Fast 500 Quadratmeter wurden indes für die Hälfte des Preises verkauft, da sich dort ein sogenannter Leitungsstreifen von sieben Meter Breite befindet, der baulich nicht genutzt werden darf.

Kuhlmann Leitungsbau ist nach Angaben der Stadt ein speziell im norddeutschen Raum tätiges Bauunternehmen. 40 Mitarbeiter sind derzeit an den Standorten Lüneburg, Hannover und Bernburg beschäftigt. Wegen des erwarteten Wachstums soll der hannoversche Standort nun aber nach Langenhagen verlegt werden, heißt es von der Stadt weiter. Die Planungen sehen zunächst den Bau eines Gebäudes mit 900 Quadratmetern Bürofläche, 850 Quadratmetern Hallen sowie einer betriebseigenen Waschanlage mit noch einmal circa 150 Quadratmetern vor. In Langenhagen sollen dann künftig etwa 160 Kuhlmann-Mitarbeiter tätig sein.

Heuer: Regenerative Energie muss sich auch rechnen

Erneute Kritik aus dem Rat an mangelnden Klimaschutzauflagen gab es beim Areal am Stadtweg in Engelbostel. Dort will Edeka einen Lebensmittelmarkt betreiben. Der nun ebenfalls im Langenhagener Rat diskutierte Verkauf einer 4770 Quadratmeter großen Fläche – wieder ohne der Option einer Erbpacht – schreibe in den Verträgen ebenfalls keinerlei Nutzung regenerativer Energien vor.

Am Stadtweg in Engelbostel soll nach dem neuen Feuerwehrhaus auch ein Supermarkt gebaut werden. Quelle: Dominik Flinkert (Archiv)

Allerdings befindet sich das nun zum Verkauf stehende Areal nur im Randbereich des eigentlichen Bauplatzes für den Supermarkt – und ist nach Angaben der Stadt nur von nachrangiger Bedeutung. Doch sollen ein Teil der Stellplätze sowie eine Versickerungsmulde entstehen. Bürgermeister Mirko Heuer betonte in der Ratssitzung am Mittwochabend, dass es sich in erster Linie eben nicht um den Verkauf eines Grundstücks mit dem Ziel entsprechender Einnahmen handele. Vielmehr sei der Stadt daran gelegen, dem Wunsch der Engelbosteler Bürger nach einem neuen Lebensmittelgeschäft nachzukommen. Denn der größte Teil der für den Markt benötigten Fläche sei von Privatleuten bereits an die Achte Planbau Grundstücksverwaltungsgesellschaft verkauft worden, die dort den künftigen Edeka-Markt bauen soll. Die Stadt steuere nur einen kleinen Teil an Fläche dazu bei.

Investoren sollen Machbarkeit regenerativer Energien prüfen

„Wir sollten versuchen, unser Tafelsilber nur noch in Erbpacht wegzugeben“, forderte Wilhelm O. Behrens für die Fraktion Grüne und Unabhängige. Zudem monierte er, dass die Stadt keinerlei Forderung nach mehr Klimaschutz an den Investor gestellt habe. Die Grünen/Unabhängigen setzten schließlich per Antrag durch, dass es bei derartigen Verkäufen künftig in den Verträgen eine Formulierung geben werde, die Investoren verpflichtet, zu prüfen, inwiefern regenerative Energieressourcen genutzt werden könnten, ob diese machbar seien.

Bei Erbpachtverträgen gab SPD-Fraktionschef Marc Köhler zu bedenken, dass dieser Wunsch seitens der Politik mehr bei dem Verkauf von Wohngrundstücken als bei Gewerbeimmobilien formuliert worden sei. Denn was wäre bei einer Insolvenz eines Unternehmens, fragte der Sozialdemokrat und brachte als entsprechendes Beispiel die Langenhagener Eishalle ins Spiel. Denn auf diesem Grundstück ohne aktuelle Nutzung sitzt die Stadt Langenhagen derzeit, gab Köhler zu bedenken.

Ratsfrauen machen Druck im Dorf deutlich

Für Heuer steht indes fest, dass zu viele Forderungen an Investoren durchaus nicht förderlich sein dürften. Vielmehr müsste bei den Unternehmen die Einsicht einkehren, dass die Nutzung etwa von Fotovoltaik sinnvoll sei, betonte Heuer. Das habe sich bislang bei diversen Neuansiedlungen in der Stadt – speziell im Lebensmittelsektor – so auch gezeigt. Mehrere Investoren hatten seinen Angaben zufolge auch ohne entsprechende Vorgaben der Stadt auf den Einbau entsprechender Technik gesetzt. Dies erscheine ihnen wirtschaftlich, argumentierte Heuer

Für die beiden Engelbosteler Ratsfrauen Bettina Auras (CDU) und Gudrun Mennecke (SPD) war die gesamte Diskussion um das Grundstück am Stadtweg obsolet. Denn ihren Angaben zufolge sollte es bei dem Verkauf des kommunalen Areals einzig und allein darum gehen, die Lebensmittelversorgung der Bürger im Dorf sicherzustellen. Und das habe Priorität. Dem konnte sich der Rat schließlich auch nicht verschließen und gab letztlich für beiden Grundstücksverkäufe mehrheitlich grünes Licht.

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