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Langenhagen Wer stellt Brandwache bei Übernachtungspartys in Schulen?
Aus der Region Region Hannover Langenhagen Wer stellt Brandwache bei Übernachtungspartys in Schulen?
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00:21 05.04.2019
Torsten Semmler, Leiter der DLRG Langenhagen, konnte sich nach dreistündiger Ratssitzung bei Verwaltung und Politik für die Unterstützung der Landesmeisterschaften bedanken. Quelle: Rebekka Neander
Langenhagen

„Wir können 51 Paragraphen der Versammlungsstätten-Verordnung nicht wegwerfen. Aber wir müssen mit Augenmaß gemeinschaftlich eine Lösung finden.“ Nach gut dreistündiger Ratssitzung blieb Bürgermeister Mirko Heuer am Montagabend nur noch die Bitte um Verständnis. Warum dürfen 2000 Gäste der DLRG-Landesmeisterschaften am kommenden Wochenende im Schulzentrum und der IGS-Süd übernachten und feiern, während Klassen regelmäßig mit vergleichsweise kleinen Ideen an den Auflagen der Stadtverwaltung scheiterten? Diesem Vorwurf aus den Kreisen der Schulen begegnete Heuer letztlich mit einem Gesprächsangebot – und einem Eingeständnis: „Dass dieses Thema so brodelt, habe ich bisher nicht mitbekommen.“

Lieber „zu spät informieren“ als Aktion „zerreden zu lassen“?

Auch wenn die meisten Redner die von der BBL beantragte „Aktuelle Aussprache“ rund um die Ende kommender Woche anstehenden Landesmeisterschaften im Rettungsschwimmen als solche bedauerten, so hatte sie damit am Ende ein für Lehrkräfte, Eltern und Schüler vielleicht doch gutes Ergebnis. Darüber hinaus aber stimmten bis auf die CDU alle Redner in die Kritik an der Stadtverwaltung mit ein, Politik und insbesondere die Schulen nicht rechtzeitig über das Großereignis informiert zu haben. Heuer hatte bereits bei einem internen Gespräch mit der Leitung der beiden Gesamtschulen und des Gymnasiums um Entschuldigung gebeten, sie erst in der Endphase des Genehmigungsprozesses und über den Auftrag, sensible Gegenstände aus den Klassenräumen zu entfernen, von der Großveranstaltung informiert zu haben. „Offenbar waren zu viele Personen involviert und jede dachte vom anderen, die Schulen informiert zu haben.“ Auch im Rat räumte er gegenüber der Politik eine gewisse Unterlassung ein. Allerdings dokumentierte er mit einer Ergänzung das schwierige Verhältnis zwischen Politik und Rathaus: Man könne nicht ausschließen, von einem „unbewussten Gedanken“ geleitet worden zu sein, etwas „vielleicht lieber zu spät als zu früh“ preiszugeben, um „eine tolle Geschichte nicht zerreden“ zu lassen.

DLRG bringt eigene Brandwache mit“

Dass eine solche Großveranstaltung in den Schulen genehmigt werden konnte, liegt laut Heuer vor allem am großen Helferstamm der DLRG. „Die bringen ihre Brandwachen selber mit“, dies sei bei Antragstellern kleinerer Aktionen nicht immer der Fall. Insbesondere Marcel Neure, der auf Verwaltungsseite sich um die genaue Abstimmung zwischen den Schulen und der DLRG gekümmert hatte, erntete von den Beteiligten auch in der Einwohnerfragestunde großes Lob. Dies, so die weite Linie seitens der Politik, ändere jedoch nichts an der Kritik gegenüber der Verwaltungsspitze ob der fehlenden Öffentlichkeitsarbeit. „Der Ablauf ist ein Musterbeispiel, wie man es nicht machen soll“, fasste es Wolfgang Kuschel (SPD) zusammen. Er habe in seinen Jahrzehnten im Schuldienst immer wieder am eigenen Leib erfahren, dass Schule zum „Hinterhof des Rathauses“ schrumpfe. Lediglich die CDU nahm Heuer in Schutz: „Muss denn der Bürgermeister den Rat für alles um Erlaubnis fragen?“, stellte CDU-Fraktionschef Reinhard Grabowsky in den Raum und antwortete postwendend: „Ich sage: Nein!“

Kommentar: Ein Fall fürs Stadtmarketing

Nun ist es wieder passiert: Der Rat redet sich in wahrlich nicht anziehender Form die Köpfe heiß über eine Aktion, die „eigentlich“ eine „unbezahlbare Werbung“ für die Stadt ist. Ja, eigentlich. Die DLRG macht mit der Organisation der Jugend-Landesmeisterschaften im Rettungsschwimmen einen grandiosen Job. Das Lob bekommt sie von allen Seiten zu recht. Doch sie hat – ganz uneigentlich – noch viel mehr Unterstützung verdient: Die stetige Verlängerung der Schultage raubt ehrenamtlichen Rettern wie DLRG oder Feuerwehr den Nachwuchs. Gerade Langenhagen mit künftig drei zumindest teilgebundenen Ganztagsschulen ist für die DLRG ein besonders schwieriges Gelände.

Nur: Es sollte doch möglich sein, über den Glücksfall dieses Marketing-Höhepunkts anständig zu berichten. Das allerdings ist nicht geschehen – stattdessen gab es einen Totalausfall in der Kommunikation der Stadt mit Schulen und Politik. In dem Zusammenhang sei die Frage erlaubt, wozu der Bürgermeister eigentlich eine eigene Abteilung für „Marketing und Kommunikation“ aufgebaut hat. Dass auf Arbeitsebene im Wirrwarr der Brandschutzverordnungen der Blick verstellt war für Öffentlichkeitsarbeit sei vergeben. Aber dass so gar niemand daran gedacht hat, von der Abteilungsleitung bis hin zum Bürgermeister, gibt kein gutes Bild ab.

Weitere Beschlüsse aus dem Rat:

Rat lehnt Einsparungen am Gymnasium ab

Das neue Gymnasium Langenhagen an der Neuen Bult wird so gebaut wie geplant. Der Rat hat am Montag mit großer Mehrheit dem Konzept zugestimmt, nach dem der leicht veränderte Entwurf des Kölner Architekten Prof. Gernot Schulz umgesetzt werden soll. Nach vorliegender „vertiefender Kostenschätzung“ kostet dies die Stadt bis zu 95 Millionen Euro. Sämtliche von den Planern aufgeführte Einsparvorschläge beispielsweise zur automatischen Belüftung der Klassenhäuser oder Photovoltaikanlage fielen bei der Politik weitgehend durch. Damit folgte der Rat auch der Empfehlung der Verwaltung, die auf die als Einsparpotenzial identifizierten Module ebenfalls nicht verzichten will.

Ebenfalls positiv verabschiedet wurde die Vorfinanzierung der neuen Veranstaltungssporthalle. Über eine sogenannte Verpflichtungsermächtigung über rund 4,6 Millionen Euro sind alle vorbereitenden Arbeiten und Planungen bis 2021 finanziell abgesichert. Die Arbeiten beginnen noch in diesem Herbst über die Kampfmittelsondierung und die Erschließung des jetzigen Bolzplatzes westlich der Sporthalle. Um die ohnehin knappen Hallenzeiten für Schulen und Vereine nicht weiter zu strapazieren, soll die neue Halle in jedem Fall fertig gestellt sein, bevor im Zuge weiterer Planungen für die neue IGS Langenhagen unter Umständen die marode Peko-Halle im Norden des Schulzentrums abgerissen wird.

Am Weiherfeld ist jetzt die Region am Zug

Über die Löschung der Äcker am nordöstlichen Rand des Weiherfeldes aus dem Landschaftsschutzgebiet Wietzetal kann nun die Region entscheiden. Der Rat lehnte am Montag mit breiter Mehrheit nun endgültig den BBL-Antrag ab, nach dem die Stadt darauf verzichten solle, die Fläche in den Flächennutzungsplan der Stadt aufzunehmen. Hätte der Rat dem Antrag zugestimmt, wäre damit auch der von der Stadt Langenhagen ausgelöste Antrag der Region auf Teillöschung vom Tisch. Sollte die Region der Teillöschung zustimmen, wird die Stadt die 66.000 Quadratmeter als Bauerwartungsland kaufen. Weil die Infrastruktur der Kinderbetreuung an der Zellerie aktuell jedoch überlastet ist, hat sich der Rat vor geraumer Zeit selbst verpflichtet, die Fläche frühestens 2027 baulich zu entwickeln. Was dort wann genau geschieht, will die Politik erst zeitnah anhand der dann vorliegenden Kita- und Schul-Zahlen entscheiden. Der Umweltausschuss der Region befasst sich mit der Teillöschung voraussichtlich am 30. April. Das letzte Wort hat die Regionsversammlung am 7. Mai.

Von Rebekka Neander

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