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Langenhagen Blickpunkt Auge: „Wer zu erblinden droht, hat Angst“
Aus der Region Region Hannover Langenhagen Blickpunkt Auge: „Wer zu erblinden droht, hat Angst“
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16:48 11.06.2019
Albert Schneider (links) engagiert sich in der Kommunalpolitik für eine barrierefreie Teilhabe aller. Quelle: Neander (Archiv)
Langenhagen

Wenn Albert Schneider an seine Radtouren denkt, wandelt sich sein Redefluss in verlegendes Drucksen. Ja. Nein. Eigentlich hätte er dieses schöne Hobby viel früher beenden müssen, räumt der heute 71-Jährige ein. Erst, als er in der Nähe von Magdeburg in ein schweres Gewitter geriet und fast von der Fahrbahn geweht worden wäre, gab er auf. Er fuhr mit der Bahn nach Hause – und danach nie wieder los.

Wenn Albert Schneider heute also im Sitzungsraum II des Langenhagener Rathauses seine Sprechstunde „Blickpunkt Auge“ öffnet, weiß er haargenau, von welchen Ängsten seine Besucher berichten. Schneider ist zwar von Geburt an sehbehindert, doch auch bei ihm nahm die Sehkraft in Laufe seines Lebens weiter ab. Lieb gewonnene Gewohnheiten wie die jährliche Radtour – 14 Tage lang auf sich allein gestellt – musste auch er sich irgendwann verkneifen. „Ich habe Glück gehabt, dass mir damals nichts Schlimmeres passiert ist“, sagt Schneider heute.

Spezielle Schulung als Berater für Sehbehinderte

Weil er ahnte, im beruflichen Ruhestand in ein noch dunkleres Loch zu fallen und „nicht voller Selbstmitleid zuhause auf der Couch enden wollte“, ließ er sich vor fünf Jahren als Berater für die Aktion „Blickpunkt Auge“ schulen. Es ist eine Kooperation der „Aktion Mensch“ und dem Blinden- und Sehbehindertenverbandes Niedersachsen (BVN). Inhalt der Schulungen waren vor allem Hintergründe zu den drei häufigsten auftretenden Augenkrankheiten (Makula-Degeneration, Katerak und Augenschädigungen durch Diabetes). „Dabei ging es um Diagnostik und Therapie, vor allem aber um den Umgang mit der Symptomatik im Alltag“, sagt Schneider.

Beratung für Angehörige steht mit im Mittelpunkt

Mindestens so wichtig wie die Betroffenen selbst sind für Schneider bei der Beratung jedoch die Angehörigen. „Gerade am Anfang sind sie fast noch wichtiger als die Erkrankten“, sagt er. Denn die vielen Hilfsangebote, Zuschüsse oder Reha-Maßnahmen zur Eingliederung im Alltag seien insbesondere für Sehbehinderte „eben noch ohne Hilfe“ kaum zu finden. „Mein oberstes Ziel ist es, den Menschen die Angst zu nehmen“, sagt Schneider. Natürlich sei eine Erkrankung oder Verletzung der Augen beunruhigend. Und er wolle das auch nicht schönreden. „Aber es lohnt sich, Mut zu zeigen und das Schicksal anzunehmen.“ Genau dieses könne er in den Sprechstunden jetzt ermöglichen. „Ich wollte immer mit eigenen Erfahrungen anderen helfen.“ Bei dem Angebot im Rathaus blieb es nicht. 2016 rief Schneider eine Arbeitsgruppe für ein barrierefreies Langenhagen ins Leben. Aus ihr wurde der offizielle Behindertenbeirat, dem Schneider im ersten Jahr vorstand. Eine Botschaft gelte für jeden: „Man sollte die Verschlechterung der Sehkraft früh ärztlich hinterfragen und nicht zu lange als simple Alterserscheinung abtun.“

Bei den Hilfsmitteln ist auch das Licht entscheidend

Zu den Tipps in Schneiders Sprechstunde gehören auch allerlei Vergünstigungen, die man beispielsweise durch Beantragung eines Schwerbehindertenausweises erlangen kann. „In der Regel gebe ich aber nur die jeweiligen Anlaufstellen weiter, die dann genauer in die Tiefe gehen können.“ Das gelte auch für das Binnenverhältnis zwischen Betroffenen und ihren Arbeitgebern, die oft nichts wüssten von Zuschüssen, die sie für den Umbau eines Arbeitsplatzes erhalten können. Dabei stellten Hilfsmittel – von der simplen Lupe bis zur speziellen Vergrößerungstechnik für Computer – eines der zentralen Kernstücke. „Auch das Licht ist entscheidend“, sagt Schneider. „Damit meine ich nicht nur spezielle Leselampen mit Tageslicht, sondern auch wie Licht unser Umfeld verändert.“ Kontrastreiche Markierungen an Treppen oder Türen beispielsweise veränderten sich im Laufe des Tages bei wanderndem Sonnenstand erheblich. „Das ist am Anfang nicht einfach in den Griff zu bekommen.“

Albert Schneider musste seine geliebten Radtouren vor elf Jahren aufgeben. Statt wie geplant mit dem Rad entlang der Aller, fuhr er seinerzeit mit der Bahn von Magdeburg nach Hause. Zunächst tief frustriert. Es war ein schwerer Entschluss, sagt er heute. Aber er bereue ihn nicht. „Als ich zuhause aus dem Zug stieg“, sagt er und ihm ist die Symbolik durchaus bewusst, „kam die Sonne raus.“

Info: Die Sprechstunde Blickpunkt Auge öffnet an jedem dritten Donnerstag eines Monats von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr im Sitzungsraum II im Rathaus Langenhagen. Je nach Wunsch kann ein Beratungsgespräch bis zu 45 Minuten dauern. Um Wartezeiten zu vermeiden, bittet Albert Schneider um telefonische Terminvereinbarung unter (0511) 722733 oder (0511) 5104219. Der nächste Termin ist am 20. Juni.

Von Rebekka Neander

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