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Lehrte Gymnasiasten kümmern sich um Senioren
Aus der Region Region Hannover Lehrte Gymnasiasten kümmern sich um Senioren
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00:16 26.12.2018
Schülerin Laura Bötticher und eine Heimbewohnerin blicken gemeinsam auf den Liedtext zu "Stille Nacht, Heilige Nacht". Quelle: Konstantin Klenke
Lehrte

Im Speisesaal des Rosemarie-Nieschlag-Hauses ist die Mittagszeit gerade vorbei. Links neben dem Durchgang zur Küche steht eine dunkelgrüne Tanne in einem Christbaumständer, davor zwei Kisten mit Lichterketten und Christbaumkugeln. An der Wand hinter dem Baum hängt ein Bild: Es zeigt eine junge Hand, die eine ältere berührt. Im Raum selbst berühren sehr viel junge Hände die Hände von alten Menschen: Die jungen Hände gehören angehenden Abiturienten des Lehrter Gymnasiums. Gemeinsam mit den Senioren wollen sie heute die Tanne links neben dem Durchgang zur Küche in einen Weihnachtsbaum verwandeln.

Projekt steht auf dem Oberstufen-Lehrplan

Eine Etage höher beginnen drei Schüler mit vier Bewohnern eine Runde Mau-Mau. „Sie müssen immer die gleichen Farben oder Zahlen aufeinander legen“, sagt Schüler Arne Stephan deutlich und blickt Bewohner Heinz Weykopf dabei genau in die Augen. Arne Stephan und seine Mitschüler müssen wie alle niedersächsischen Abiturienten vor der Hochschulreife ein Projekt verwirklichen – während andere Kurse am Gymnasium Lehrte ein Sportfest planen oder Geschenke für die Patienten des Kinderkrankenhauses Auf der Bult sammeln, schauen er und seine Mitschüler einmal wöchentlich im Rosemarie-Nieschlag-Haus vorbei.

Beim Mau-Mau-Spiel braucht Heinz Weykopf, der mit seiner Frau Else im Rosemarie-Nieschlag-Haus lebt, zunächst noch einige Tipps. Auch wenn das eiserne Hochzeitspaar noch regelmäßig Besuch vom Sohn und von Enkeln bekommt: Der 89-Jährige freut sich, wenn die Schüler mit ihm Karten spielen, Kekse backen oder ihn mit Fragen zu dem Molkereigeschäft löchern, das er bis 1995 in Lehrte betrieb: „Wir hatten immer ein gutes Verhältnis zur Jugend.“

Zwei Schülerinnen kümmern sich um Demenzpatientinnen

Serafine Schiele und Laura Bötticher haben sich beim Beginn des Projekts bewusst entschieden, Demenzpatientinnen zu betreuen: „Mein Opa hatte Demenz, ich kenne das“, sagt Schiele. Doch das heißt nicht, dass sie und Bötticher die Bewohnerinnen nur mit Samthandschuhen anfassen. Im Gegenteil: Als im Speisesaal ein Teller mit Spekulatius die Runde macht, fragt Schiele die Bewohnerin neben sich keck: „Haben Sie diese Kekse überhaupt verdient?“ Beide lachen daraufhin herzlich.

„Am Anfang waren wir natürlich schon etwas vorsichtiger“, stellt Bötticher klar, „jetzt wissen wir, was die Bewohnerinnen abkönnen. Wir lachen oft herzlich zusammen und nehmen uns gegenseitig auf die Schippe.“ Lehrerin Heidrun Frohloff-Kulke, die den Kurz leitet sieht hier einen besonderen Vorteil des Projekts: „Die Schüler begegnen den Bewohnern viel unvoreigenommener und unbelasteter, als es ihre Verwandten und das Heimpersonal je könnten.“ Dass ihre Gesichter den Demenzpatientinnen jede Woche aufs Neue unbekannt sind, stört die beiden Schülerinnen zum Beispiel nicht: „Wir wollen ihnen ja einfach eine schöne Zeit bereiten“, sagt Laura Bötticher.

So entstand die Projektidee

Den Anstoß für das Projekt der angehenden Abiturienten im Rosemarie-Nieschlag-Haus lieferte Kursleiterin Heidrun Frohloff-Kulke: Ihr Vater lebte vor seinem Tod in einem Pflegeheim in Hannover. „Ich bin regelmäßig zu ihm gefahren und bin dabei Menschen begegnet, die gar keinen Besuch mehr bekamen“, erläutert die Lehrerin: „Mit denen habe ich mich dann auch noch unterhalten.“ Als Frohloff-Kulkes Vater die Hochzeit seiner Enkelin aus gesundheitlichen Gründen nicht miterleben konnte, tauchte diese mit Bräutigam und Hochzeitskleid einen Tag später im Pflegeheim auf. „Die Bewohner und das Personal haben vor Freude geweint“, erinnert sich Heidrun Frohloff-Kulke. Später kam ihr die Idee, Altenheimbewohnern im Rahmen eines Schulprojekts Freude zu bereiten.

Das Seniorenheim als etwas anderer Klassenraum

„Die Schüler bringen sich alle mit viel Herzblut ein, jeder macht hier etwas aus seinen Stärken“, urteilt Frohloff-Kulke. Und auch wenn die Zimmer im Rosemarie-Nieschlag-Haus und das Geschehen darin nur wenig mit normalen Klassenräumen zu tun haben, stellt sie fest, dass ihre Schüler in dem Projekt eine Menge lernen: „Die Schüler setzen sich automatisch mit geschichtlichen Themen, Alter, Einsamkeit, körperlichen und geistigen Einschränkungen auseinander. Außerdem müssen sie flexibel und verantwortlich sein und auf die Bedürfnisse der Bewohner und des Personals eingehen.“

Das habe Auswirkungen: „Ich merke, dass viele Schüler viel offener und selbstbewusster auf andere Menschen zugehen“, meint Frohloff-Kulke. Neben den wöchentlichen Besuchen haben sich die Schüler auch auf dem Nikolausmarkt des Rosemarie-Nieschlag-Hauses engagiert. Das Projekt endet im März vor den Abiturprüfungen, eine Fortsetzung können sich Frohloff-Kulke und Pflegedienstleiterin Svetlana Wolf sehr gut vorstellen: „Die Bewohner sind begeistert, das Personal auch“, lobt Wolf.

Als Heinz Weykopf im ersten Stock gerade eine weitere Runde Mau-Mau gewinnt, ist der Weihnachtsbaum im Speisesaal des Erdgeschosses fertig geschmückt. Gymnasiast Chris Deutzer spielt auf dem Flügel der Reihe nach „Stille Nacht, Heilige Nacht“, „O du fröhliche“ und „Stern über Bethlehem“. Schüler und Bewohner singen leise mit. Den vorbereiteten Liederzettel brauchen selbst die demenzkranken Patienten nicht.

Und obwohl sich im Speisesaal jetzt auch der Nachmittag seinem Ende nähert und die jungen Hände die älteren über die Weihnachtsferien für einige Tage loslassen werden, besteht Hoffnung, dass die gute Stimmung im Rosemarie-Nieschlag-Haus noch länger anhält: Schließlich haben die Gymnasiasten nicht nur am Weihnachtsbaum im Speisesaal, sondern vor allem in den Köpfen der Bewohner ihre Spuren hinterlassen.

Von Konstantin Klenke

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