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Lehrte Frauenberatungsstelle: Der Bedarf nimmt zu
Aus der Region Region Hannover Lehrte Frauenberatungsstelle: Der Bedarf nimmt zu
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16:32 14.09.2018
Anonym, vertraulich und kostenfrei: Sarah Ogiermann (links) und Brigitte Mende beraten Frauen in den Räumen an der Goethestraße in Lehrte. Quelle: Katja Eggers
Lehrte

 Trennung, Scheidung, häusliche Gewalt, sexuelle Übergriffe, persönliche Krisen, familiäre Probleme: Die Gründe, warum Frauen die AWO-Frauenberaungsstelle Burgdorf, Lehrte, Sehnde, Uetze aufsuchen sind vielfältig. „Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen“, erklärt Brigitte Mende, die die Einrichtung an der Goethestraße in Lehrte seit 2014 leitet. Mittlerweile besteht die Beratungsstelle seit 15 Jahren. Allein in diesem Jahr haben dort schon rund 130 Frauen Hilfe gesucht. „Das ist mehr als sonst“, betont Mende. 2017 waren es 130 Frauen im ganzen Jahr gewesen. Überhaupt habe der Bedarf an Beratung in den vergangenen Jahren zugenommen.

Die AWO hat darauf reagiert und das Angebot stetig ausgebaut und weiterentwickelt. Neben der Beratung bietet die Einrichtung auch Vorträge zum Thema Prävention, eine Gruppe für Frauen in Trennungssituationen und einmal monatlich eine Rechtsberatung an.

Beratung an fünf Tagen in der Woche

Mendes Arbeitsstunden wurden auf eine volle Stelle aufgestockt. Sie hat zudem Verstärkung durch eine Mitarbeiterin in Teilzeit bekommen. Seit Februar berät auch Sarah Ogiermann. „Dadurch können wir den Frauen eine bessere Erreichbarkeit garantieren und uns in Urlaubs- und Krankheitszeiten vertreten“, erklärt Mende. In der Vergangenheit hatte sie bei Abwesenheit bisher auf telefonische Beratungsangebote verweisen müssen. Weil man jetzt zu zweit sei, könne während des Beratungsgesprächs auch eine Kinderbetreuung im Nebenraum angeboten werden.

Statt an vier Tagen finden Frauen aus Lehrte, Sehnde, Burgdorf und Uetze in der Beratungsstelle jetzt an fünf Tagen Hilfe. Für geflüchtete Frauen stehen Dolmetscherinnen zur Verfügung. Frauen mit Migrationshintergrund wenden sich laut Mende aber meistens an die AWO-Migrationsberatung.

Vermutlich wegen der guten Erreichbarkeit werde die Frauenberatungsstelle vor allem von Frauen aus Lehrte aufgesucht. Die meisten sind laut Mende zwischen 31 und 50 Jahren alt. Viele würden dort Hilfe suchen, weil sie sich beruflich und persönlich überfordert fühlen. Sie würden oftmals versuchen, Kinder und Beruf unter einen Hut bekommen und müssten sich zudem auch häufig noch um die Pflege der kranken Eltern oder Schwiegereltern kümmern.

„Frauen stecken zugunsten der Familie häufig zurück – bis es irgendwann nicht mehr geht“, berichtet Mende. Häufig würden dann auch noch Probleme mit dem Partner dazukommen. Und wenn dann eine Trennung anstehe, hätten viele Frauen große Sorgen, was mit ihren Kindern passiere und wie sie allein eine Wohnung finanzieren sollten. Ein großes Problem sei zudem fehlender, bezahlbarer Wohnraum. „Immer mehr Frauen suchen verzweifelt eine Wohnung“, sagt Mende. Migrationshintergrund, Kinder und Schulden würden die Suche oft erschweren.

Auch Süchte sind ein Thema

Auch die Sucht des Partners sei ein Thema. „Gerade Spielsucht hat in der letzten Zeit zugenommen“, sagt Mende. Dass häusliche und sexuelle Gewalt zugenommen haben, möchte die Leiterin der Beratungsstelle hingegen nicht verallgemeinern. „Aber mehr Frauen sprechen darüber“, sagt sie. Die Dunkelziffer sei hoch. Durch das Gewaltschutzgesetz und die MeToo-Debatte würden Frauen häusliche und sexuelle Gewalt aber mutiger und früher benennen. „Es gibt jetzt mehr Offenheit für das Thema“, erklärt Mende.

Wenn die Frauen dann in die Beratungsstelle kämen, gehe es meistens erst einmal darum, die Probleme zu sortieren und zu gewichten. „Wir holen die Frauen dort ab, wo sie gerade stehen. und finden gemeinsam heraus, was sich realisieren lässt und welche Ressourcen es gibt“, erläutert Ogiermann. In jeder Beratung gehe es zudem darum, das Selbstbewusstsein der Frauen zu stärken. Um die Frauen bei Bedarf in andere Hilfsangebote zu vermitteln, arbeiten Mende und Ogiermann eng mit Gleichstellungsbeauftragten, Polizei, Ämtern und anderen Einrichtungen zusammen.

Die AWO-Frauenberatungsstelle an der Goethestraße 8 hat montags von 10 bis 18 Uhr, dienstags und mittwochs von 10 bis 17 Uhr, donnerstags von 10 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Montags gibt es von 14 bis 15 Uhr eine telefonische Beratung. Mende und Ogiermann sind unter Telefon (05132) 823434 oder per E-Mail an Frauenberatung@awo-hannover.de erreichbar.

Von Katja Eggers

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