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Lehrte Container sollen den Kita-Engpass überbrücken
Aus der Region Region Hannover Lehrte Container sollen den Kita-Engpass überbrücken
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11:45 20.03.2019
Aufmerksam verfolgen die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses die Erläuterungen von Fachdienstleiter Markus Lechelt zu den Planungen für Kindergarten-Container. Quelle: Thomas Böger
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Lehrte

Lehrte plant zwar den Bau von fünf neuen Kindertagesstätten (Kitas), doch bis zu deren Errichtung fehlen zahlreiche Betreuungsplätze. Der Fehlbestand zu Beginn des neuen Kindergartenjahres im August beträgt laut Stadtverwaltung zwischen 48 und 112. Ein Jahr später könnten es schon mehr als 350 Plätze sein. Deshalb sollen als Interimslösung für voraussichtlich zwei Jahre an sechs Standorten Container aufgestellt werden. Die Kosten dafür werden auf rund drei Millionen Euro beziffert. Außerdem müssen 33 zusätzliche Stellen für die Betreuung geschaffen werden. Der Rat soll das Konzept möglichst schon im April beschließen, damit die Verwaltung umgehend mit der vermutlich nicht einfachen Suche nach geeignetem Personal beginnen kann.

Fachdienstleiter Markus Lechelt stellte die Pläne jetzt im Jugendhilfeausschuss im Detail vor. Die Stadt wolle insgesamt 250 zusätzliche Plätze schaffen, erläuterte er. Davon entfallen 175 auf den Bereich für Kinder ab drei Jahren und 75 auf Krippen. Wie viele wann genau benötigt werden, ist allerdings erst jeweils nach dem 1. Mai absehbar: Bis zu diesem Tag müssen die Eltern von zwischen dem 1. Juli und dem 30. September geborenen Kindern entscheiden, ob ihr Nachwuchs schon in die Schule gehen oder noch ein Jahr im Kindergarten bleiben soll.

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Ob im August 93 Kindergartenplätze fehlen oder nur 19, steht erst im Mai fest, wenn alle Eltern entschieden haben, ob ihr Sprössling in die Schule geht oder noch im Kindergarten bleibt . Quelle: Grafik: Stadt Lehrte

Zwei Kindergartengruppen sollen in Containern auf dem Parkplatz neben der vorhandenen Kita am Hohnhorstweg untergebracht werden. Die Trägerschaft wird hier die Stadt übernehmen. Das gilt auch für drei weitere Standorte in Ahlten, Hämelerwald und Sievershausen, wo jeweils eine Kindergarten- und eine Krippengruppe Platz finden und organisatorisch und personell an die vorhandenen Einrichtungen angebunden werden sollen.

Möglichst einem freien Träger übergeben will die Stadtverwaltung dagegen die hinter dem Rathaus an der Gartenstraße geplanten zwei Gruppen. Noch nicht entschieden ist über die Zuordnung von zwei weiteren Gruppen neben der Sporthalle An der Masch. Denkbar wäre laut Lechelt sowohl ein freier Träger, aber auch ein Andocken an die Kita Marktstraße. Dann würde die Stadt als Träger fungieren.

Auf dem Parkplatz an der Kita Hohnhorstweg sollen Container zwei zusätzliche Gruppen aufnehmen. Quelle: Thomas Böger

Größtes Problem ist die Personalsuche

Verwaltung und Politiker vermuten übereinstimmend, dass es die größte Schwierigkeit für die Übergangslösung werden wird, ausreichend Personal zu engagieren, denn nicht nur Lehrte sucht intensiv Erzieherinnen. „Alleine in Niedersachsen fehlen 7000 Erzieherinnen, bundesweit sogar 150.000“, berichtete die Ausschussvorsitzende Heike Koehler.

Damit man den umworbenen Kräften einen unbefristeten Job anbieten kann, will Bürgermeister Klaus Sidortschuk die eigentlich erst für die Neubauten in Arpke und in der Südstadt vorgesehenen Stellen über einen Nachtragsplan schon jetzt festschreiben. Und um damit noch die in diesem Frühjahr ihre Ausbildung abschließenden Fachschülerinnen zu erreichen, soll der Rat den Nachtrag schon Anfang April beschließen. „Sonst verlieren wir vier bis sechs Wochen“, warnte Sidortschuk im Jugendhilfeausschuss.

Alle Fraktionen signalisieren Zustimmung

Eine förmliche Abstimmung war nicht vorgesehen, aber alle Fraktionen signalisierten Zustimmung zu dem Konzept. Mit ihm sind in den nächsten beiden Jahren Kosten von rund drei Millionen Euro für die Container und jährlich etwa 1,6 Millionen Euro für Personal verbunden.

Eltern üben viel Kritik

Mehrere Besucher im Jugendhilfeausschuss übten zum Teil heftige Kritik an den Informationen, die sie bei Anfragen an die Stadtverwaltung zur Vergabe von Kita-Plätzen bekommen hatten. So beklagte ein Steinwedeler, dass ihm und seiner Frau – sie erwarten im Sommer ihr erstes Kind – vor der Geburt jegliche Auskunft über die Chancen auf einen Krippenplatz verweigert worden seien. „Unsere Arbeitgeber wollen aber frühzeitig wissen, wann wir wiederkommen“, sagte er.

Eine Mutter berichtete, sie und ihr Mann hätten sich frühzeitig eine Tagesmutter organisiert, doch die sei nach drei Monaten abgesprungen. Als sie daraufhin im Rathaus um Hilfe bat, habe man ihr gesagt, „ich solle mich nicht so aufregen, ich hätte ja sowieso keinen Anspruch auf einen Platz“, weil ihre Tochter noch kein Jahr alt war. Ein Vater kritisierte, dass er auf seinen Antrag auf einen Kita-Platz weder eine Zu- noch eine Absage erhalten habe.

Fachdienstleiter Markus Lechelt erklärte dazu, es würden keine Absagen verschickt, weil die Eltern nach einem solchen Verwaltungsakt jedesmal einen neuen Antrag stellen müssten. „Das wollen wir Ihnen nicht zumuten“, sagte Lechelt. Ohne Absage blieben sie auf der Warteliste. Uwe Bee, im Verwaltungsvorstand der Stadt für Jugend und Soziales zuständig, bat Eltern eindringlich, sich an ihn oder Lechelt zu wenden, wenn sie sich schlecht behandelt fühlten.

Von Thomas Böger