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Lehrte Schuhhaus Dröse besteht seit 150 Jahren
Aus der Region Region Hannover Lehrte Schuhhaus Dröse besteht seit 150 Jahren
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17:03 12.07.2019
Stefanie Dröse führt ihr Schuhhaus mittlerweile in der vierten Generation. Quelle: Katja Eggers
Lehrte

Stiefel und Halbschuhe, Pumps und Stilettos, Sandalen und Sneaker: Seit Generationen schon laufen über Lehrtes Bürgersteigen Schuhe aus einem der ältesten Geschäfte der Stadt. „Kunden, die bei uns heute Schuhe für ihre Enkelkinder kaufen, haben früher selbst ihre Kinderschuhe bei uns bekommen“, erzählt Stefanie Dröse. 1869 eröffnete ihre Familie an der Marktstraße eine Schuhmacherwerkstatt, später machte das Ladengeschäft an der angrenzenden Königstraße auf. Die Werkstatt gibt es schon lange nicht mehr. Mit dem Geschäft feiert die Chefin jetzt das Jubiläum zum 150-jährigen Bestehen.

Los ging alles mit Urgroßvater Wilhelm Dröse. Der Mehrumer kaufte 1869 das Haus an der Marktstraße 12 und richtete dort eine Schuhmacherwerkstatt ein. Sohn Carl übernahm den Betrieb im Jahr 1900 und setzte auf Expansion. Die Schwerpunkte lagen fortan nicht mehr nur auf der Reparatur und Maßanfertigung von Schuhen. Der Schuhmachermeister machte obendrein ein Ladengeschäft auf, in dem er auch industriell gefertigte Schuhe verkaufte.

Schuhmachermeister baut Lehrtes erste Tankstelle

Mit dem Umzug in das neue Geschäftshaus an der Königstraße 32 kam ein großer wirtschaftlicher Aufschwung. 1933 übernahm Carl Dröse den Lehrter Alleinvertrieb von Schuhen der Firma Salamander, einem der größten Schuhhersteller in Deutschland. Aus der Schuhmacherwerkstatt wurde das Schuhhaus Dröse. Carl Dröse investierte aber auch noch in eine völlig andere Branche. Im Zuge der aufkommenden Motorisierung baute er ebenfalls 1933 an der Königstraße eine Tankstelle – es war die erste in Lehrte und obendrein die erste des gesamten Kreises Burgdorf.

Die Leuna-Tankstelle wurde 1933 von Carl Dröse an der Königstraße eröffnet - es war die erste Tankstelle in Lehrte, das Benzin kam aus den Leuna-Werken bei Merseburg. Quelle: Katja Eggers (Repro)
Carl Dröse um 1940. Quelle: Katja Eggers (Repro)

Als Carl Dröse 1950 starb, führte Ehefrau Ella das Unternehmen weiter. Auf dem Grundstück an der Königstraße 14 wurde 1952 ein neues Geschäftshaus errichtet. Sohn Karl-Heinz Dröse, der Vater von Stefanie, trat in die Fußstapfen seiner Eltern. Er baute eine neue Tankstelle und errichtete zudem einen großen Garagenhof, der mit rund 50 Garagen bis an die B 443 heranreichte.

1976 übernimmt Karl-Heinz Dröse

Nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 1976 übernahm Karl-Heinz Dröse das Salamander-Fachgeschäft und baute umfangreich um. Die Tankstelle und den Garagenhof gab der umtriebige Geschäftsmann jedoch auf – mit der Verlegung der B 443 war für die Garagen kein Platz mehr.

Im Geschäft arbeitete nun auch Ehefrau Marianne mit. Außer Salamander-Exemplaren standen fortan auch hochwertige Produkte anderer namhafter Schuhhersteller in den Regalen. Tochter Stefanie tauchte jetzt öfter im Laden auf. Das nötige Fachwissen brachte sie mit. Denn vor ihrem Studium der Geisteswissenschaften hatte sie bei Salamander in Hannover eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel absolviert.

Einziges inhabergeführtes Schuhgeschäft in Lehrte

Seit dem Tod der Eltern – Vater Karl-Heinz starb 2010, Mutter Marianne zwei Jahre später – ist Stefanie Dröse nun alleinige Inhaberin und Geschäftsführerin des traditionsreichen Schuhhauses. In ihrem Laden wird sie von drei Angestellten unterstützt. „In Lehrte sind wir derzeit das einzige inhabergeführte Unternehmen im Schuhbereich, ansonsten gibt es hier nur Filialisten“, betont die 49-Jährige.

In der Lehrter Einkaufswelt bewährt sich das Schuhhaus bis heute. In Zeiten der Discounter und des Online-Handels setzt Stefanie Dröse konsequent auf hochwertige Markenschuhe und persönliche Fachberatung. „Ein Beratungsgespräch kann da auch schon mal eine Stunde dauern“, sagt die Expertin, die auch für Füße mit orthopädischen Problemen oft genug den passenden Schuh parat hat.

Marianne Dröse berät eine Kundin - vermutlich Mitte der Siebzigerjahre. Quelle: Katja Eggers

Kunden schätzen individuelle Beratung

Einen Onlinehandel, wie ihn mittlerweile viele Geschäfte parallel zum klassischen Einzelhandel betreiben, bietet Dröse auf ihrer Homepage noch nicht an. Den Onlinehandel sieht sie aber nicht als Bedrohung, sondern als Erweiterung für das stationäre Geschäft. Über Angebote und Neuheiten informiert sie ihre Kunden über individuelle Anschreiben in Form von Postkarten und Newslettern.

„Die persönliche Kommunikation und das alle Sinne ansprechende persönliche Einkaufserlebnis im Geschäft ist online aber nicht zu ersetzen“, betont die Lehrterin. Das wissen auch Dröses Kunden. Sie legen vor allem auf individuelle Beratung Wert und suchen nicht nur bei der Wahl der richtigen Schuhgröße, sondern auch bei Farben und Trends die Meinung der Expertin.

Schuhe für das Schützenfest und Hilfe bei Hühneraugen

Werbung ist wichtig. Das wusste auch schon Carl Dröse – und trommelte in seinen Inseraten ordentlich für seine Schuhe und Dienstleistungen. In einer Anzeige von 1910 pries der Schuhmachermeister zum Beispiel die Spezialmarke Leander als den „elegantesten und bequemsten Stiefel der Neuzeit“ an. Leander kostete 12,50 Mark und war in der Luxusausführung für 16,50 Mark zu haben.

In einem anderen Inserat kündigte Dröse „den werten Turnern“ bei einem Fest Hilfe „in allen eintretenden Vorfällen“ an – ob beim Verlieren von Stiefelsohlen und Absätzen oder dem Verlust ganzer Stiefel und Schuhe. Dröse versprach zudem: „Auch werden während des Festes sich etwa entwickelnde Hühneraugen sofort von mir getötet.“ Wenn das kein Service ist!

Von Katja Eggers

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