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Lehrte Gewerkschafter prangern steigende Mieten an
Aus der Region Region Hannover Lehrte Gewerkschafter prangern steigende Mieten an
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00:16 17.04.2019
Machen auf steigende Mieten aufmerksam: Die Gewerkschafter Klaus Trusch (von links), Sabine Kühn, Reinhard Nold, Klaus Bittner, Brigitte und Klaus Steinhaus. Quelle: Michael Schütz
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Lehrte

Es ist selten, dass man in Jacke und Mütze auf einem Wohnzimmersofa sitzt. In Lehrte allerdings konnte man das am Sonnabendnachmittag beobachten: Im Zuckerzentrum hatten die örtlichen Abteilungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und der Gewerkschaft Verdi ein kleines Freiluftwohnzimmer aufgebaut. Sofa und Sessel hatten natürlich einen Zweck, denn die Gewerkschaften wollten mit der ungewöhnlichen Aktion auf die Wohnungssituation in Lehrte aufmerksam machen. „Die Mieten sind in den vergangenen drei bis vier Jahren um 20 Prozent gestiegen“, rechnete DGB-Chef Reinhard Nold vor.

Dazu hatten die Gewerkschafter auch eine Tafel aufgestellt. Dort sollten Passanten eintragen, wie viel Prozent ihres Einkommens sie monatlich für Miete aufwenden müssen. „Ab 30 Prozent wird es kritisch“, meinte Nold. Wohnen werde auch in Lehrte immer teurer. Das liege mit an dem Umstand, dass immer mehr günstige Sozialwohnungen aus der Mietbindung fallen. „Und es werden zu wenige neue gebaut“, kritisierte der Gewerkschafter. Das Land müsse wieder eine eigene Landesentwicklungsgesellschaft gründen, wie es einst die heute private Nileg war. Damit könne man gezielt günstigen Wohnraum schaffen.

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Gegen eine Enteignung umstrittener privater Wohnungsgesellschaften, wie es eine Initiative in Berlin zurzeit vorschlägt und Unterschriften für ein Volksbegehren sammelt, hat Nold im Prinzip nichts einzuwenden. „Aber wie lange soll das dauern“, brachte er juristische Auseinandersetzungen und Entschädigungszahlungen ins Spiel. Dass diese Enteignungen Investoren verschrecke, sei nicht das Problem. „Dann muss der Bund einspringen.“ Geld sei genug da. Es müsse nur anders verteilt werden, etwa in den Wohnungsbau statt in die Rüstung.

Passantin Christa Buhr war beim Thema Enteignung schon zurückhaltender. „Das bringt keine neuen Wohnungen“, war die Lehrterin überzeugt. Sie fand, dass die Wohnungskonzerne stärker zur Kasse gebeten werden sollten. „Die lassen erst ihre Wohnungen vergammeln“, meinte sie. „Und wenn die Mieter raus sind, wird saniert und teuer vermietet.“ Ihrer Meinung nach müsse man die Konzerne bei der Grunderwerbssteuer stärker zur Kasse bitten. Da gebe es zurzeit ein Schlupfloch. Was neuen Wohnraum angeht, steuerte die Lehrterin eine Idee aus Frankfurt bei. „Man könnte auf Gebäude noch ein oder zwei Stockwerke draufsetzen“, schlug sie vor. „Die Infrastruktur ist ja schon da.“

Vorhandene Infrastruktur hatten auch die Gewerkschafter genutzt. Sofa und Sessel waren in der Nähe eines Daches an einem Geschäft platziert. „Wir wollen ja nicht nass werden“, sagte Nold angesichts des unbeständigen Wetters.

Von Michael Schütz