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Lehrte Jetzt wächst der Megahub in die Höhe
Aus der Region Region Hannover Lehrte Jetzt wächst der Megahub in die Höhe
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00:19 01.12.2018
Sein Projekt: Andreas Witzel koordiniert den Bau des 170 Millionen teuren Megahub. Quelle: Achim Gückel
Lehrte

 Andreas Witzel ist einer von der sachlichen Sorte. So wie der Chef eines Großprojekts eben sein muss. Alles anpacken, Probleme beheben, sich von nichts aus der Bahn werfen lassen. Doch als er auf der Aussichtsplattform am Eisenbahnlängsweg steht und auf das blickt, was sich auf dem riesigen Baufeld vor ihm tut, blitzt sogar in seinen Augen ein klein wenig freudige Erregung. „Jetzt geht es richtig los“, sagt er. Mindestens zwölf Monate Hochspannung liegen noch vor Witzel. Denn Ende 2019 soll das gigantische Projekt, das er zu verantworten hat, in den Probebetrieb gehen: der Megahub.

Einige Monate hatte es so ausgesehen, als täte sich auf dem Baufeld, wo früher der Rangierbahnhof zwischen Lehrte und Ahlten war, nicht viel. Erster Spatenstich im Mai, dann nur mal hier und da Baumaschinen und Erdhaufen. Doch das hat getäuscht. „Die Sondierungen des Erdreichs waren aufwendig, das dauert seine Zeit“, sagt Witzel. 120.000 Quadratmeter Fläche mussten peinlich genau untersucht werden, denn das alte Gleisfeld galt als kampfmittelbelastet. Gefunden wurden aber nur ein sogenannter Zerscheller, also eine geborstene aber nicht explodierte Fliegerbombe, eine Panzerkette und ein wenig ungefährlicher Schrott.

Fundstücke: Ein Zerscheller und eine Panzerkette

Monate hat es außerdem gedauert, 130.000 Tonnen Erdreich und alten Schotter zu entsorgen –und zwar in Fuhren à 25 Tonnen. „Das haben wir quasi lautlos abgewickelt, alles über die Westtangente“, betont Witzel. Jetzt sei die sogenannte Baufeldfreimachung erledigt – und im Erdreich befinden sich im Abstand von je sechs Metern jeweils 60 Zentimeter starke Bohrpfähle. 14 Meter reichen sie in die Tiefe. Auf ihnen werden die sogenannten Kranbahnbalken platziert, auf denen künftig die riesigen Portalkräne zum Containerumschlag fahren werden.

Mehr und mehr wird nun deutlich, welche Dimensionen der Megahub bekommt. Sechs parallel angeordnete Gleise mit jeweils 820 Meter Länge entstehen in den nächsten Wochen. Sie bekommen eine aufwendige Unterkonstruktion, sogenannte Gleistragwannen, um das Erdreich vor möglicher Verunreinigung bei Gefahrgutunfällen zu schützen. Jedes einzelne Fertigteil dafür wiegt 25 Tonnen. Drei Hersteller gibt es für diese Spezialanfertigungen in Deutschland. Alle drei sind derzeit allein mit der Fertigung für den Megahub beschäftigt.

Im Winter wird durchgearbeitet

Noch auffälliger sind die 22 Hochmasten, die nun einer nach dem anderen am Megahub-Gelände entstehen. Sie sind mehr als 40 Meter hoch und werden neuartige Beleuchtungskörper tragen, die zur Wartung am Mast herunter und wieder hinauf gefahren werden können.

Auch im nun nahenden Winter soll an der nahezu einen Kilometer langen und etwa 100 Meter breiten Baustelle gearbeitet werden, sagt Witzel, Eine kurze Pause werde es zu Weihnachten und zum Jahreswechsel geben, aber schon im Januar soll der erste von vorerst drei Portalkranen errichtet werden, mit dem ab Ende 2019 Container von einem Zug auf den anderen oder auf Lastwagen umgeladen werden.

Ende 2019 schon? Ist das überhaupt zu schaffen? „Das ist ein sehr anspruchsvoller Plan“, sagt Witzel: „Aber wir sind alle guten Mutes, dass das klappt.“ Folglich würde im Dezember 2019 der Megahub langsam seine Arbeit aufnehmen – erst einmal mit einem Startszenario von 35.000 sogenannten Ladeeinheiten pro Jahr. „Das geht nicht von Null auf Hundert in einem Ruck“, sagt der Projektleiter. Je nachdem wie der Megahub anschließend bei Kunden nachgefragt sei, könne man die Kapazität auf fast 270.000 Ladeienheiten im Jahr erhöhen. Dazu wären dann aber sechs Portalkräne nötig, die maximale Ausbaustufe des Containerterminals.

Start mit maximal 20 Mitarbeitern

Starten werde der Megahub Ende 2019 wohl mit 15 bis 20 Mitarbeitern. Mehr braucht die megamoderne Anlage nicht. Vieles läuft in ihr computergesteuert und mit modernsten Systemen der Datenverarbeitung, teils sogar in sogenannten Pilotanwendungen, die im Megahub getestet werden. Es wird sogenannte Video-Toranlagen und Scanner für die Ladungen geben. Jede unnötige Kranfahrt soll vermieden werden, man setzt auf ein Höchstmaß an Effizienz.

Selbst wenn irgendwann einmal sechs Portalkräne laufen, werden maximal 75 Menschen im Megahub arbeiten. Drum herum sei jedoch reichlich Arbeit für Dienstleister, meint Witzel. Etwa für Fachleute in der Gebäudetechnik, der Grünpflege und im Speditionsbereich. Der Megahub könne also zu einem Jobmotor für Lehrte und die Region werden.

Witzel und sein Team wissen, dass längst nicht jeder Lehrter den Megahub gut findet. Speziell in Ahlten sind die Sorgen vor Lärm, Luftverschmutzung sowie mehr Bahn- und Lastwagenverkehr groß. Zumindest für die noch ausstehende Bauphase verspricht der Projektleiter aber, dass „der Lastwagenverkehr nicht stärker, sondern eher geringer“ wird. Die Schienen für die neuen Gleisanlagen etwa kämen per Bahn.

Projektchef: Bedarf ist ohne Zweifel vorhanden

Wenn der Megahub fertig ist, wird er nach jetzigem Stand der Dinge 170 Millionen Euro gekostet haben. Diese Zahl nennt jedenfalls Dirk Döbler, der kaufmännische Leiter des Projekts. Noch vor fünf Jahren war von 100 Millionen Euro die Rede gewesen. Im Baubereich seien „die Kosten explodiert“, sagt Döbler zur Begründung. Auch die hohen Auflagen in Sachen Umwelt kosteten viel Geld.

Witzel indessen ist überzeugt vom Nutzen des Megahub. „Der Bedarf ist ohne Zweifel vorhanden“, sagt er. Letztlich sei das Containerterminal auch ein Beitrag zur Verkehrswende. Es helfe dabei, mehr Lastverkehr auf die Schiene zu bekommen. Und ein Megahub im Vollbetrieb könne auf diese Weise pro Jahr zu 120.000 Tonnen weniger Ausstoß von Kohlenstoffdioxid führen.

Aussichtsplattform, Newsletter und Webcam

Die Deutsche Bahn weiß, dass der Bau des Megahub von vielen Lehrtern kritisch gesehen wird. „Wir legen daher großen Wert auf Kommunikation“, betont Projektleiter Andreas Witzel. Kernstück ist dabei das sogenannte Bauinfoporal. Dort gibt es nicht nur viele Informationen über den Megahub und seine Bedeutung für die Bahn, sondern auch einen Links zu einer Webcam, die einen Blick auf das Gelände in Echtzeit ermöglicht. In dem Portal ist es auch möglich, sich für einen Megahub-Newsletter anzumelden. Dieser hat laut Witzel bereits mehr als 100 Abonnenten.

Wer lieber mit eigenen Augen auf die Großbaustelle blicken möchte, kann das von einer aus Containern zusammengesetzten Aussichtsplattform, die über den Eisenbahnlängsweg erreichbar ist. Dort sind Infotafeln, ein Fernglas, das kostenfrei genutzt werden kann, und sogar Ruhebänke installiert. ac

Von Achim Gückel

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