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Lehrte Noch keine Entscheidung über Kunstrasen
Aus der Region Region Hannover Lehrte Noch keine Entscheidung über Kunstrasen
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00:20 30.06.2019
Eine Flutlichtanlage steht bereits an dem Ascheplatz am Pfingstanger, an dessen Stelle ein Kunstrasenplatz angelegt werden soll. Quelle: Thomas Böger
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Lehrte

Können sich die beiden Fußballvereine FC Lehrte und SV 06 Lehrte jeweils einen von der Stadt subventionierten Kunstrasenplatz bauen? Auch eine Sondersitzung des Sportausschusses hat in dieser Frage noch keine endgültige Klarheit gebracht. Bei SPD und Grünen gibt es noch Bedenken in Hinsicht auf den Umweltschutz. Außerdem forderten sie konkretere Angaben zu den Gesamtkosten, zu denen die Stadt nach dem Vorschlag der Verwaltung pro Platz insgesamt 300.000 Euro zuschießen will. Die Vertreter von CDU, FDP und AfD hätten dem Vorhaben zugestimmt, akzeptierten aber den Vorschlag von Ronald Schütz (Grüne), das Thema ohne Abstimmung für behandelt zu erklären. Dadurch kann der Rat in der nächsten Woche endgültig entscheiden.

Bedenken in Sachen Umweltschutz

Die beiden Lehrter Fußballvereine SV 06 und FC möchten jeweils einen Kunstrasenplatz anlegen, weil die vorhandenen Rasenplätze aufgrund von Witterungseinflüssen oft nicht genutzt werden können. Nach langen Verhandlungen hatte sie sich mit der Stadtverwaltung darauf verständigt, dass sie jeder einen Investitionskostenzuschuss von 150.000 Euro sowie 15 Jahre lang jährlich 10.000 Euro für die Unterhaltung erhalten. Dieser Betrag kann auch beim Bau in einer Summe ausgezahlt werden, dann muss der Verein selbst für die Unterhaltung aufkommen.

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Vor allem die Grünen machten jedoch in zwei Sitzungen des Sportausschusses nun Bedenken hinsichtlich des Umweltschutzes geltend. Dabei geht es ihnen vor allem um Füllmaterial, das den Belag beschweren soll. Früher dafür verwendetes Gummi-Granulat ist inzwischen verboten. Auch für anderes Mikroplastik könnte in den nächsten Jahren das Aus kommen: Die Europäische Chemikalienagentur hat der Europäischen Kommission vorgeschlagen, den Einsatz von Kunststoffgranulaten auf Kunstrasenplätzen zu untersagen. Der Deutsche Olympische Sportbund und der Deutsche Fußballbund fordern zwar eine Übergangszeit von mindestens sechs Jahren, aber entschieden ist darüber noch nicht. Die vorgesehenen hohen Ausgaben – auch von den Vereinen – könnten sich deshalb als Fehlinvestitionen herausstellen, warnte Schütz.

Vereine nehmen sechsstellige Kredite auf

Nach Angaben von Vereinssprechern wollen sie aber solches Material ohnehin nicht verwenden. Sowohl der stellvertretende 06-Vorsitzende Erich Schindler als auch FC-Chef Marcus Bartscht versicherten, sie hätten sich auch gegen Kork entschieden, weil dieser ausschwemme und Schimmel bilden könne. Sie setzen dagegen auf Quarzsand als Alternative. Zu der Frage nach den Gesamtkosten nannte Schindler 500.000 bis 600.000 Euro, Bartscht sprach von bis zu 700.000 Euro. Auch bei Zuschüssen von Stadt und Regionssportbund müsse der Verein noch mindestens 200.000 Euro selbst aufbringen.

Im Sommer unbeliebt wegen der hohen Verletzungsgefahr, im Winter aber besser bespielbar als Rasen: der Ascheplatz am Pfingstanger. Quelle: Thomas Böger

Bartscht ging auch auf die von Schütz ins Spiel gebrachte Alternative Winterrasen ein. Das ist eine in Süddeutschland bereits verwendete Rasensorte, die auf Sand wächst und deren Flächen nicht so schnell vermatschen wie herkömmliche Arten. Dazu gebe es jedoch noch „keine belastbaren Erfahrungsberichte“, erklärte der FC-Vorsitzende. Man könne nicht sagen, wie sich Winterrasen bei langfristiger, intensiver Nutzung verhalte. 06-Jugendleiter Andreas Kreß verwies darauf, dass in Hannover – auch mit Unterstützung von Rot-Grün zehn Kunstrasenplätze mit Quarzsand-Füllung gebaut werden sollen. „Warum kann das nicht auch in Lehrte gehen?“ fragte er.

Sportdezernent drängt auf Bau der Kunstrasenplätze

Einen eindringlichen Appell, der Förderung der beiden Plätze zuzustimmen, richtete Sportdezernent Uwe Bee an die Kommunalpolitiker. Man habe sich jetzt in der Arbeitsgemeinschaft Pfingstanger zwei Jahre lang Gedanken gemacht, wie die Situation der Plätze dort verbessert werden könne, sagte er. Von der vorgeschlagenen Lösung würden auch die kleineren Vereine profitieren. Zum einen würden ihnen kostenlose Trainingszeiten auf dem Kunstrasen zur Verfügung gestellt, und zum anderen würden durch die neuen Anlagen zusätzliche Zeiten auf den anderen Plätzen sowie in den Hallen frei.

Zu der Befürchtung eines generellen Verbots von Mikro-Plastik erklärte Bee, bis zu einer Entscheidung würden noch mehrere Jahre vergehen. Außerdem gelte dann der Vertrauensschutz für legal errichtete Anlagen, versicherte der Jurist.

Kleine Vereine fühlen sich benachteiligt

Aus Sicht des Vorsitzenden von Yurdumspor Lehrte, Yetis Özdemir, bedeutet der Bau von zwei Kunstrasenplätzen in der Lehrter Kernstadt für die kleineren Fußballvereine nicht unbedingt einen Fortschritt. Vor allem der Verlust des Ascheplatzes am Pfingstanger treffe diese Klubs schwer. Denn auf dem trainierten die drei Mannschaften seines Klubs, aber auch die Teams des Post SV, wenn die Rasenplätze witterungsbedingt nicht nutzbar sind, sagt Özdemir. Allein Yurdumspor brauche acht Trainingseinheiten pro Monat. Auf den Kunstrasenplätzen solle ihm aber nur eine Einheit kostenlos zur Verfügung stehen.

„Auch wenn 06 uns weitere Zeiten verhältnismäßig günstig anbietet – wir können das nicht bezahlen“, sagt Özdemir. Er befürchtet darüber hinaus, dass Mitglieder zu den beiden Lehrter Vereinen wechseln, die dann ständig auf Kunstrasen spielen können. Der Yurdumspor-Chef fühlt sich von der Stadt im Stich gelassen, obwohl gerade sein Verein sich sozial engagiere wie etwa mit dem Mandela-Team für Flüchtlinge oder einer Fahrradwerkstatt.

Özdemir würde das für die Kunstrasenplätze vorgesehene Geld lieber anders investieren sehen. So schlägt er den Bau einer Flutlichtanlage am A-Platz sowie bessere Drainagen an B- und C-Platz vor. Davon hätten dann alle Lehrter Fußballklubs gleichermaßen Vorteile, meint er, und nicht nur die beiden großen.

Von Thomas Böger