Lehrte: SPD Ahlten fordert mehr Kontrolle für Zementwerk Holcim in Höver
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Lehrte Ahltener SPD: Stadt soll Holcim auf die Finger gucken
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Lehrte: SPD Ahlten fordert mehr Kontrolle für Zementwerk Holcim in Höver

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19:00 27.01.2021
Das Zementwerk Holcim in Höver: Zwei Störfälle in den vergangenen Monaten sorgen jetzt für eine politische Debatte.
Das Zementwerk Holcim in Höver: Zwei Störfälle in den vergangenen Monaten sorgen jetzt für eine politische Debatte. Quelle: Katja Eggers
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Ahlten/Höver

Zweimal in der jüngeren Vergangenheit ist nach Störfällen im Holcim-Zementwerk bei Höver klebriger Staub auf die benachbarte Ortschaft Ahlten niedergegangen – Ende Oktober und Mitte Dezember. Nun fordert die Ahltener SPD die Stadt Lehrte auf, ihre Kontrollmöglichkeiten gegenüber dem Unternehmen in der Sehnder Ortschaft geltend zu machen. Ein entsprechender Antrag soll in der nächsten Sitzung des Ahltener Ortsrats offiziell gestellt werden.

Man erhoffe sich Aufklärung über alle Optionen der Stadt, die mehr Klarheit in die Vorfälle bringen, meint Sozialdemokrat Timo Bönig, der selbst im Ortsrat sitzt und stellvertretender Ortsbürgermeister ist. Auch alle Optionen eines rechtlichen und praktischen Einflusses auf die Arbeiten im Zementwerk will er geprüft wissen. Denn es bestehe in Ahlten die Sorge, dass sich der klebrige Niederschlag, den es im Oktober und Dezember gab, auch in der Luft befunden habe und zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen könnte.

SPD: „Situation bedarf einer Aufklärung“

„Aus Sicht der SPD-Fraktion im Ortsrat bedarf es der Aufklärung der Situation und etwaiger Risiken für die Menschen in Ahlten und Umgebung“, schreibt Bönig in der Begründung seines Antrags. Es müsse darum gehen, derartige Zwischenfälle künftig zu verhindern. Und das liege grundsätzlich im Interesse der Stadt Lehrte. Darüber hinaus könne der in Ahlten aktive Verein Bürgerforum Umwelt und Sicherheit bei der Klärung des Sachverhalts mitwirken.

Der Verein hatte schon bei dem Störfall Ende Oktober von einer „veralteten Technik“ im Zementwerk gesprochen. Der klebrige Staub war damals bei einem Störfall ausgetreten und durch den Südwind in Richtung Ahlten getragen worden. Dort bedeckte er anschließend Autos, Dachfenster und Gartenmöbel. Es gab etliche Beschwerden, und in eine Facebook-Forum reihten sich innerhalb kürzester Zeit mehr als 100 Kommentare aneinander. Holcim-Werksleiter Erik Jantzen bestätigte damals den Vorfall schnell, betonte aber, von dem Mergelgesteinsmehl gehe keine gesundheitliche Gefahr aus. Er bot den betroffenen Ahltenern unter anderem Gutscheine für Autowäschen an.

Ein Loch in der Abluftleitung

Grund für den zweiten Störfall im Dezember war ein Loch in einer Abluftleitung. Wieder legte sich eine graue, klebrige Masse auf Ahlten. Ortsbürgermeisterin Heike Koehler zeigte sich entsetzt. „Wie kann so etwas schon wieder passieren?“, fragte sie und äußerte auch ihre Sorgen darüber, dass schon bald der aus Sondermüll gewonnene Ersatzbrennstoff Renotherm im Zementwerk genutzt werden soll. Auch bei diesem Vorfall äußerte ein Vertreter des Werks großes Bedauern und bot den Geschädigten Hilfe an.

Von Achim Gückel