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Lehrte Stadtspaziergang mit dem Bürgermeisterkandidaten der Piraten
Aus der Region Region Hannover Lehrte Stadtspaziergang mit dem Bürgermeisterkandidaten der Piraten
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00:21 27.04.2019
Er rechnet sich Chancen aus, wenigstens die Stichwahl zu erreichen: Thomas Ganskow, Kandidat der Piratenpartei für das Bürgermeisteramt in Lehrte. Quelle: Achim Gückel
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Lehrte

 Distanz kann ein Vorteil sein. Thomas Ganskow ist sich dessen sicher. Denn Distanz eröffnet einen unvoreingenommenen Blick auf kontroverse Sachverhalte, meint der Mann, der in Hannover wohnt und jetzt für die Piratenpartei um das Amt des Bürgermeisters in Lehrte kämpft. Distanz schützt auch vor „lokalem Kleinkrieg“, und sie gibt die Freiheit, Dinge neu zu bewerten, meint er. Genau das möchte Ganskow in Lehrte tun. Genau deshalb will er Bürgermeister werden. Und er rechnet sich gute Chancen aus, gegen seine drei in Lehrte fest verankerten Mitbewerber bestehen zu können. Im ersten Wahlgang am 26. Mai könne er durchaus zu den zwei Bestplatzierten gehören, meint Ganskow. Sein Minimalziel: Die Stichwahl.

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Ganskow lebt im Ihmezentrum und will dort nach eigener Aussage auch gar nicht weg. Denn eine räumliche Distanz zu einem möglichen Arbeitsplatz im Lehrter Rathaus sei dank moderner Kommunikation kein entscheidendes Thema mehr. „Wir leben nicht mehr im Zeitalter der Brieftaube“, sagt der Pirat. Und dass er bis vor einigen Monaten noch nicht viel mit Lehrte zu tun hatte, sei ebenfalls kein Nachteil, sondern eher ein dickes Plus. Dann sei man auch nicht in „lokalen Kleinkrieg verwickelt“ und „nicht so vielen Leuten verpflichtet“.

Kandidatur als „Aushängeschild seiner Partei“

Seit dem Entschluss, dass er als „Aushängeschild seiner Partei“ ins Rennen um das wichtigste Amt in der Stadt geht, hat sich Ganskow mit Vielem beschäftigt, was in Lehrte wichtig ist. Das wird beim einstündigen Spaziergang mit ihm durch die Innenstadt schnell deutlich. Ein Neubau des Gymnasiums auf dem Schützenplatz? Das würde er sehr begrüßen, sagt der Pirat. Bäume im Stadtpark müssten dafür auch gar nicht gefällt werden, wenn man dort den Schulhof unterbrächte. Ein Aldi-Logistikzentrum bei Aligse? Das sei immerhin noch besser als ein Amazon-Lager, in dem die Mitarbeiter sehr viel schlechtere Arbeitsbedingungen als bei Aldi hätten. Bei der Ansiedlung von Logistikunternehmen das St.-Florians-Prinzip anzuwenden, sei ohnehin falsch. Also müsse Lehrte in diesem Fall „bei den Rahmenbedingungen das Beste für die Bürger herausholen“.

Thomas Ganskow im Gespräch mit Redakteur Achim Gückel: Bei der Diskussion um die Zukunft des Hallenbads wünscht sich der Kandidat der Piratenpartei mehr Bürgerbeteiligung. Quelle: privat

Das Thema Neubau oder Sanierung des Hallenbads liegt Ganskow besonders am Herzen. Da müsse mehr Bürgerbeteiligung her, meint er. Eine Expertengruppe, wie sie jetzt ins Leben gerufen wurde, sei für die Entscheidungsfindung zu wenig, meint der Pirat. Womit er beim Kernthema seiner Kandidatur ist: Ein Bürgermeister und auch die Lokalpolitik dürften „keine Angst vor den Bürgern haben“. Die Beteiligung der Menschen an Entscheidungen könne in Lehrte besser werden, meint der Pirat. Da könne er „viel bewegen“. Schließlich sei sein Engagement für die Politik aus einer Bürgerinitiative gegen den von der Stadt Hannover geplanten Hochwasserschutz an der Ihme erwachsen. Dort war Ganskow Sprecher der Bürger.

Mehr Bürgerbeteiligung an der Politik zu erreichen sei eigentlich ganz einfach, meint der Pirat. Etwa mit mehr öffentlichen Sitzungen wichtiger Gremien, mit Tonmitschnitten oder Live-Streaming via Internet aus Rats- und Ausschusssitzungen. Das mache es den Menschen einfacher, die Argumente und Beschlüsse der lokalen Politiker zu verstehen. Als Vorbild könnten Braunschweig oder Wolfsburg dienen. „Die machen sowas schon“, sagt Ganskow.

Kandidat will bei Veranstaltungen „Akzente setzen“

Der Pirat gibt zu, dass es für einen Mann mit Wohnsitz in Hannover nicht leicht ist, einen Wahlkampf in Lehrte aufzuziehen. Er bekomme von den lokalen Mitgliedern seiner Partei viel Unterstützung, aber letztlich komme es darauf an, sich bei den Menschen bekannt zu machen. Denn die Kür des Bürgermeisters in einer Stadt sei eine Persönlichkeitswahl. Daher werde er in den kommenden Wochen bei Veranstaltungen wie etwa dem Maifest auf dem Rathausplatz „Akzente setzen“.

Dort will Ganskow dann auch über politische Ziele sprechen. Etwa darüber, dass schnell mehr Kitaplätze her müssen („Da hat Lehrte etwas verschlafen“), dass er sich einen fahrscheinlosen Personennahverkehr in Innenstädten wünscht und dass mehr Augenmerk auf die Schaffung bezahlbarer Wohnungen gelegt werden müsse.

Politische Erfahrungen im Bezirksrat

Erfahrung im Bereich der Lokalpolitik bringt der Pirat aus Hannover mit. Dort sitzt er im Bezirksrat Linden/Limmer, und dort habe man es mit ganz ähnlichen Problemen wie in Lehrte zu tun, sagt er – etwa mit einem maroden Schwimmbad, einer angespannten Verkehrssituation und einem angespannten Wohnungsmarkt.

Aus seiner politischen Tätigkeit hat Ganskow noch eine andere Erkenntnis mitgenommen. Er meint, dass die Wähler heute nicht mehr auf die Parteizugehörigkeit eines Kandidaten achteten, sondern auf seine politischen Schwerpunkte. Noch ein Vorteil für ihn, meint der Pirat.

Das ist Thomas Ganskow

Der 51-jährige Pirat Thomas Ganskow, Sohn eines Binnenschiffers, ist von Beruf Industriekaufmann. Er kam in Berlin-Spandau zur Welt, wuchs in Minden auf und zog dann nach Hannover. Ganskow ist ledig und hat keine Kinder. Der Piratenpartei gehört er bereits seit 2012 an und ist einer der prägenden politischen Köpfe der Partei in der Region Hannover. Ganskow steht dem Regionsverband der Piraten vor und leitet auch die Landesgeschäftsstelle der Partei. Als eine seiner Qualifikationen nennt er „Lebenserfahrung“, als seine wichtigsten politischen Themen sieht er Fragen des Sozialen, der Medien, der Umwelt sowie Transparenz und Informationsfreiheit.

 

Von Achim Gückel