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Lehrte Macht die IGS in Hämelerwald dicht?
Aus der Region Region Hannover Lehrte Macht die IGS in Hämelerwald dicht?
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00:15 28.05.2017
Von Patricia Oswald-Kipper
Lehrtes Politiker diskutieren über den IGS-Standort Hämelerwald.
Lehrtes Politiker diskutieren über den IGS-Standort Hämelerwald. Quelle: Archiv/Oswald-Kipper
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Lehrte

Die Stadt Lehrte will ihre Schullandschaft der aktuellen Schülernachfrage anpassen. Dabei sind Um- und Neubauten mit Kosten im zweistelligen Millionenbereich vorgesehen. Nach der Auswertung der unlängst durchgeführten Elternbefragung zu dem Thema hat der Schulausschuss die Schulleiter der weiterführenden Schulen befragt, wie sie die Zukunft ihrer Schulen sehen.

Auf die anhaltend große Nachfrage am Gymnasium verwies Schulleiterin Silke Brandes. Man gehe weiter von einer Sechszügigkeit der Jahrgänge aus. Zur Begrenzung der Schülerzahl gebe es nach der Abschaffung der Schullaufbahnempfehlung keine Handhabe, erläuterte Brandes. "Wir sehen auch keinen Sinn, die Zügigkeit zu begrenzen", erklärte sie. Die fünften und sechsten Klassen würden indes wie eine Orientierungsstufe geführt, in den darauffolgenden Jahrgängen ziehe das Tempo an und einige Schüler entschieden sich dann auch für eine andere Schule, räumte Brandes ein.

Für Bernhard Mellentin, Leiter der IGS Lehrte, sind die Schülerzahlen eindeutig. Eine Dreizügigkeit könne man sich für die Außenstelle Hämelerwald in der Sekundarstufe 1 dauerhaft nicht mehr vorstellen. Die dortigen Schülerzahlen reichten nicht zur Unterfütterung einer Oberstufe in Lehrte. Mellentin empfahl daher, den Standort der IGS allein auf Lehrte Süd zu konzentrieren. Dort erwarte man sich durch die bessere Erreichbarkeit auch mehr Schüler und mehr Klassen.

Burkhard Kappe, Leiter der Hauptschule in Lehrte Süd, will seine Zusage, seine Schule einer IGS aufgehen zu lassen, einhalten: "Das birgt für die Schüler mehr Perspektiven", sagte er. Der Idee, die Hauptschule nach Hämelerwald umziehen zu lassen, erteilte er allerdings eine Absage.

Markus Böhm, Rektor an der Realschule am Schulzentrum Süd, sieht für seine Schule ebenfalls keine Perspektive in Hämelerwald. Die Realschule Lehrte sei gut nachgefragt. Sie ist im aktuellen Jahrgang sogar vierzügig. Man wünsche sich, am Schulzentrum Lehrte Süd als eigene Schulform zu verbleiben, betonte Böhm.

In der Sitzung wurde deutlich, dass massive Investitionen in die Lehrter Schullandschaft unausweislich  sind, etwa in einen Erweiterungsbau oder in Sanierungen am Gymnasium. Unstríttig war auch, dass eine vierzügige Realschule eine Daseinsberechtigung in Lehrte hat, die Hauptschule allerdings ein Auslaufmodell ist. Für das Modell einer Oberschule (Haupt- und Realschule gemeinsam) sehen die Lehrter Schulpolitiker über alle Parteigrenzen hinweg zu wenig Nachfrage.

Zur IGS allerdings gibt es verschiedene Ansichten. Hans-Joachim Deneke-Jöhrens (CDU) kann sich etwa eine Auflösung des Standorts am Ried in Hämelerwald nicht vorstellen. "Für uns ist nicht klar, wie das gehen soll", sagte er. Man müsse ein Schulgebäude an einer Stelle leer stehen lassen, um es an anderer Stelle neu aufzubauen. Zumal die Schulsubstanz der Schule am Ried teilweise sehr gut sei, meinte Deneke-Jöhrens.

Carsten Milde (Grüne) sprach sich dafür aus, "die weiterführenden Schulen in Lehrte zu konzentrieren". Über eine Nachnutzung der Gebäude in Hämelerwald habe sich seine Fraktion schon Gedanken gemacht. Da gebe es diverse Ideen, die vom Familienzentrum bis zum Gebäudeabriss und der Vermarktung als Bauland reichten. Für die Konzentration auf den Standort Lehrte plädierte auch Stadtelternvertreter Frank Scherling. Realschule und IGS in Lehrte-Süd könnten zusammen gut auf Schwankungen bei den Schülerzahlen eingehen.

In Anbetracht der enormen Investitionen müsse man die Frage stellen, "ob wir die Wunschlösung von allen realisieren können", fasste der Ausschussvorsitzende Thomas Dieckmann (SPD) zusammen. Die politische Diskussion zur Schulentwicklung in Lehrte soll am 13. Juni um 20 Uhr in der Städtischen Galerie fortgesetzt werden.

Investitionen von mehr als 60 Millionen Euro?

Die Stadt Lehrte hat hinsichtlich der Schulentwicklung bereits verschiedene Szenarien entwickelt und diese einem Papier, dass den Ratsmitgliedern vorliegt, bereits vorsichtige Kostenschätzungen abgegeben. Öffentlich ist das papier noch nicht, nach Informationen dieser Zeitung hat die Verwaltung aber für eine mögliche Konzentration der IGS am Standort Lehrte Süd inklusive Neubauten und Sanierung vorhandener Gebäude Kosten von 53,6 Millionen Euro errechnet. Nicht eingerechnet sind dabei Kosten für einen möglichen Abriss der Gebäude in Hämelerwald beziehungsweise Kosten für deren Umbau und eine anderweitige Nutzung. Den Umbau und die Sanierung am Gymnasium schätzt die Verwaltung zudem auf mindestens 8,6 Millionen Euro. In der Variante enthalten ist ein Erweiterungsbau, der über 5,3 Millionen Euro kosten würde.